City-Hof : Abrissdebatte geht weiter

So könnte der neue Eingang zur Hamburger City am Klosterwall aussehen. Visualisierung: KPW Papay Warncke und Partner Architekten mbB / bloomimages

Nun steht fest, wie der Neubau des City-Hofs am Klosterwall aussehen soll. Marco-Alexander Hosemann vom Verein City-Hof kritisert im Interview die Entscheidung der Jury. Hier erklärt er, warum er gegen einen Abriss ist.

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Die Jury hat ihre Wahl im Architektenwettbewerb getroffen, am Klosterwall soll ein großer Backsteinbau entstehen. Oberbaudirektor Jörn Walter sieht im Gewinnerentwurf „eine große Chance für Hamburg, einen noblen Eingang in seine Innenstadt zu erhalten, der die Perlen Chilehaus und Sprinkenhof nicht zu übertrumpfen versucht.“ Stimmen Sie ihm zu?

Nein. Der geplante Neubau würde seine Nachbargebäude vielleicht nicht übertrumpfen, aber mit seiner fast 200 Meter langen geschlossenen Backsteinwand den Blick auf das Kontorhausviertel nahezu vollständig verstellen. Einen Eingang in die Stadt stellen wir uns offener und einladender vor. 

Marco-Alexander Hosemann bei einer Stadtführung vor dem City-Hof. Foto: Dmitrij Leltschuk

Plädiert Ihr Verein auch weiterhin dafür, die Gebäude zu erhalten? Das Immobilienunternehmen Aug. Prien, das das Gelände entwickeln soll, hält das für „wirtschaftlich nicht darstellbar“…

Das Bieterverfahren, bei dem sechs von 14 Investoren Gebote für die Sanierung des City-Hofs abgegeben haben, hat das Gegenteil bewiesen. Für Aug. Prien ist der Erhalt der Gebäude natürlich nicht so lukrativ wie ein Neubau. 

Vielen gelten die Hochhäuser heute aber als Schandfleck, das hat sich auch in der jüngeren Diskussion noch einmal gezeigt. Und so richtig schön sind sie ja wirklich nicht. Warum sollte man sie Ihrer Meinung nach erhalten?

Schönheit liegt in den Augen der Betrachter und Schönheitsideale ändern sich.– Marco Alexander Hosemann

In seinem aktuellen Zustand kann der City-Hof wahrlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. Nach einer Sanierung hat er aber wieder gute Chancen. Wir wünschen uns, dass bei der Diskussion über Erhalt und Sanierung oder Abriss und Neubau nicht allein über die ästhetische Qualität beider Varianten gestritten wird. Schönheit liegt in den Augen der Betrachter und Schönheitsideale ändern sich. Es gibt unter anderem soziale und ökologische Gründe, die für die Entwicklung des Standorts im Bestand sprechen. 

Tatsächlich nimmt die Debatte über Abriss oder Erhalt der Gebäude wieder an Fahrt auf. Das Denkmalschutzamt müsste einem Abriss ohnehin noch zustimmen, allerdings ist das nach Ansicht der SPD eine Formalität: die städtebauliche Neuordnung rechtfertige die Aufhebung des Denkmalschutzes. Sehen Sie dennoch eine Chance, den Abriss zu verhindern?

Diese Chance sehen wir, denn nicht nur das Denkmalschutzamt wird Stellung zu dem geplanten Neubau nehmen, sondern auch die UNESCO (Das angrenzende Kontorhausviertel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO, die Redaktion). Die sogenannte „städtebauliche Neuordnung“ ist nicht als öffentliches Interesse im Denkmalschutzgesetz aufgeführt. Somit sind wir gespannt, wie die Verantwortlichen dieses begründen werden. Zumal eine „städtebauliche Neuordnung“ am Deichtorplatz auch mit dem City-Hof möglich ist. Wie alle bisherigen Argumente, die bisher für den Abriss bemüht wurden, wird auch dieses nicht den Abriss rechtfertigen können.

Wir hatten im Februar von Ihren Plänen berichtet, die Häuser des City-Hofs in ein „soziales Leuchtturmprojekt“ zu verwandeln. Davon hat man lange nichts gehört…

Das ist nach wie vor unser Ziel, an dem wir gemeinsam mit dem Bündnis Stadtherz arbeiten. Im April haben wir mit einer „kreativen Inbesitznahme“ des City-Hofs dafür protestiert. Derzeit konzentrieren wir uns aber auf den Erhalt der Gebäude.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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