City-Hof : Bürgerbeteiligung unwillkommen?

Was geschieht mit dem City-Hof? Eine Frage, die viele Hamburger interessiert, aber werden sie auch gehört? Foto: Dmitrij Leltschuk.

Ärger um die öffentliche Präsentation der Entwürfe für den City-Hof: Anhörung mit Architekten erst ab-, dann wieder zugesagt. Bürgerinitiative City-Hof vermutet, dass kritische Fragen unerwünscht sind.

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Alle Hamburger können die sieben verbliebenen Architektenentwürfe für den City-Hof ansehen und kommentieren. So war der Plan. So hatte es der Investor des City-Hofs, Aug. Prien, auch noch im September 2016 verkündet.

Dann wurde die öffentliche Präsentation, bei der auch Vertreter der Architekturbüros anwesend sein sollten, erst verschoben: vom 24. April auf den 1. Juni. „Und dann haben wir plötzlich gehört, dass die Veranstaltung ganz abgesagt wurde“, sagt Marco Hosemann von der Bürgerinitiative City-Hof, die sich dafür einsetzt, dass die vier grauen Hochhäuser in Hauptbahnhofnähe erhalten und als soziales Leuchtturmprojekt genutzt werden.

Was ist da los? Hosemann vermutet, dass der Investor kein Interesse an kritischen Fragen hat. NDR 90.3 hatte zuvor berichtet, dass der Investor die öffentliche Präsentation „aus Angst vor Störern“ abgesagt habe. „Das kann schon sein, dass wir damit gemeint waren, da wir ja eine kritische Begleitung der Entwürfe angekündigt haben“, sagt Hosemann.

„Mündlich den Fragen stellen“

Beim Projektsteuerer D&K drost consult hatte man sich unterdessen „eine noch viel bessere Beteiligungsmöglichkeit für die Hamburger Bürger“ ausgedacht: Die Entwürfe sollen öffentlich ausgehängt werden: an einem Tag von 12 bis 20 Uhr. Die Bürger sollen dann die Entwürfe kommentieren können – schriftlich. Und: Sie müssen vorher eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen. Dies sei nötig, weil Wettbewerb noch nicht abgeschlossen ist. Die schriftlichen Rückmeldungen sollen dann von der steg gesammelt und der Jury vorgetragen werden. Der Termin hierfür: Dienstag, 30. Mai von 12 bis 20 Uhr in der Hongkongstraße 3 in der Hafencity. Dieses Vorgehen ist laut Projektsteuerer „ein bewährtes Format für Bürgerbeteiligung“.

Initiativen fordern Erhalt statt Abriss
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Sozialwohnungen und Raum für soziale Einrichtungen statt Abriss und Neubau: Hamburger Initiativen haben ihre Pläne für den City-Hof am Klosterwall vorgestellt. Sie wollen für den Erhalt der Gebäude kämpfen.

Marco Hosemann ärgert sich hingegen: „Es ist ein riesiger Unterschied, ob man die Entwürfe still und heimlich aushängt und den Interessierten nur die Möglichkeit gibt, schriftlich zu kommentieren oder ob man sich mündlich den Fragen stellt.“

Jury entscheidet am 2. Juni

In einer Mitteilung kündigte der Projektsteuerer inzwischen an, dass es die öffentliche Anhörung mit Architekten nun doch geben soll: am 1. Juni. Von 17 bis 20.30 Uhr werden die Architektenbüros ihre Entwürfe öffentlich vorstellen, alle Hamburger sind dazu eingeladen. Ort: Hongkonstraße 3, eine Anmeldung ist nicht nötig. Auch hier müssen die Bürger aber die Geheimhaltungserklärung unterzeichnen.

Schon einen Tag später, am 2. Juni wird eine international besetzte Jury über die Zukunft des City-Hofs entschieden. Bürger sind nicht in der Jury vertreten, kritisiert Hosemann. Dennoch hat der Mann von der Initiative den Glauben noch nicht aufgegeben, dass ein Abriss noch verhindert werden kann: „Wir glauben ganz fest daran, natürlich. Ansonsten hätten wir uns auch in den vergangenen Monaten nicht so stark engagiert für den City-Hof. Andere Beispiele in Hamburg wie der Domplatz oder das Gängeviertel zeigen, dass es sich lohnt, zu kämpfen.“

Anmerkung: Dieser Text wurde am 26. Mai aktualisiert.

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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