Odyssee einer Familie

Wochenlang wird eine Mutter mit zwei Kindern ohne Geld durch Hamburgs Notunterkünfte geschickt

(aus Hinz&Kunzt 153/November 2005)

Sonnabend, 24. September: Birte Martins Pereira (39) kommt mit ihren beiden Kindern am Hamburger Hauptbahnhof an. Ihr Freund Andreas Eichelberg erwartet sie. Er ist schon seit mehreren Tagen in Hamburg. Beide sind vor Birtes Ex-Mann und ihrer Familie in Lübeck geflohen, von denen sie sich bedroht fühlen.

Unvermuteter Glücksfall

Malende Außenseiter: „Die Schlumper“ werden 25 Jahre alt und stellen in der Hamburger Kunsthalle aus

(aus Hinz&Kunzt 153/November 2005)

„Was ohn’ Vorgedanken, ohn’ Kunst, unversehens geschieht, das ist Schlump, der unvermutete Glücksfall“, schreiben die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch.

Als Rolf Laute (65) Anfang der 80er-Jahre seine Künstlergruppe „Die Schlumper“ ins Leben rief, ahnte er von dieser Wortbedeutung noch nichts. „‚Schlumper‘ lag damals auf der Hand, weil unser Atelier in den Kellerräumen des Stadthauses ‚Am Schlump‘ untergebracht war.“ Auf die Grimmsche Übersetzung stieß Laute erst später. „Das passt natürlich auf die Art der Kunst der meisten Schlumper“, sagt er, „da die Werke ohne Planung, ohne intellektuelle Vorgedanken entstehen.“ Denn die zurzeit 24 Schlumper sind Künstler mit geistiger Behinderung.

„Der Seekrieg ist keine Erfindung von mir“

Sammler Peter Tamm über seine Begeisterung für Schiffe, unbelasteten Umgang mit der Geschichte und die Vorteile des Kapitänsprinzips

(aus Hinz&Kunzt 153/November 2005)

Peter Tamm, Jahrgang 1928, schlug die Offizierslaufbahn bei der Marine ein und war bei Kriegsende Seekadett. Sein Aufstieg im Springer-Verlag begann 1948 in der Schifffahrtsredaktion des Hamburger Abendblatts. Von 1968 bis 1991 stand er an der Spitze des Konzerns. 2002 verlieh ihm der Hamburger Senat den Ehrentitel Professor.

„Schnarcht mal nicht so rum!“

Der Schauspieler Peter Kurth will provozieren, verstören und vor allem aufwecken. Für ihn ist Theater noch eine moralische Anstalt

(aus Hinz&Kunzt 153/November 2005)

„Ach, du triffst dich mit dem kleinen Bruder von Mickey Rourke!“, sagt eine Kollegin und pfeift anerkennend durch die Zähne. Peter Kurth – der mentale Bruder dieses versoffenen bösen Buben des amerikanischen Films? Jetzt, wo sie’s sagt… Übernächtigt und leicht verkatert ist Peter Kurth jedenfalls, als wir uns mittags um 13 Uhr treffen.

„Wie präsentieren Sie des Kaisers Manschettenknöpfe?“

Tamm-Kritiker Friedrich Möwe über Museumspädagogik, Marinegeschichte und eine turbulente Debatte

(aus Hinz&Kunzt 153/November 2005)

Unter dem Pseudonym Friedrich Möwe hat ein Autor die Broschüre „Tamm-Tamm“ veröffentlicht, eine gut recherchierte Streitschrift zu Tamm, seiner Sammlung und dem geplanten Museum. Vermittelt über die Herausgeber der Broschüre, den „Informationskreis Rüstungsgeschäfte in Hamburg“, interviewten Detlev Brockes und Frank Keil Möwe per E-Mail.

Geschäfte, die glücklich machen

Im Fuhlsbüttler Kleekamp lebt sichs fast wie auf dem Dorf

(aus Hinz&Kunzt 145/März 2005)

Dieses Wetter steht dem Hamburger Ziegel nicht. Statt warm und rot zu leuchten, schimmert er im Nieselregen feuchtgrau mit Stich ins Bläuliche.

„Bei mir ging es immer bergauf“

Ohne Alkohol, ohne Albträume, ohne Gott: Popsänger Farin Urlaub will einfach gut und glücklich sein

(aus Hinz&Kunzt 145/März 2005)

Ende März erscheint das zweite Solo-Album von Sänger Farin Urlaub („Die Ärzte“). Den deutschen Straßenmagazinen gab der 41-Jährige ein Vorab-Interview.

Der City so nah, so fern

An Visionen für die Veddel fehlt es nicht. Doch werden ihre heutigen Bewohner davon profitieren?

(aus Hinz&Kunzt 145/März 2005)

Der Oberbaudirektor bastelt am „Sprung über die Elbe“, die erste Tapas-Bar steht vor der Eröffnung, und bald wird der Senat den 100. studentischen Mieter auf der Veddel begrüßen. Und die Wohnungsgesellschaft GWG erhöht drastisch die Mieten. Ansichten aus einem Quartier im Umbruch.

Fernweh im Stehcafé

Auf der Spur der unbekannten „Tschibofreunde“: das ungewöhnliche Reise- und Fotoprojekt der Hamburgerin Kerstin Schomburg

(aus Hinz&Kunzt 148/Juni 2005)

Die Hamburger Fotografin Kerstin Schomburg fand 17 Postkarten, die ein Mann an seinen „Tschibofreund“ geschrieben hat – und fuhr los, um sich die Urlaubsorte heute anzusehen. Mit ihren Fotos haben wir unseren Schwerpunkt „Fernweh“ bebildert.

Rein in die Betriebe!

Praktika ebnen Hauptschülern den Weg in die Ausbildung – doch zu wenige Firmen machen mit

(aus Hinz&Kunzt 149/Juli 2005)

Die Schule am Falkenberg in Neuwiedenthal gilt als Vorbild, wenn es um den Übergang von Hauptschülern in die Ausbildung geht. Seit fünf Jahren schicken die Lehrer dort ihre Kids im letzten Schuljahr zu längeren Praktika in Betriebe, um sie auf die Berufswahl vorzubereiten und Vorurteile bei Arbeitgebern abzubauen – bislang mit großem Erfolg. Doch dieses Jahr haben erst fünf von 21 Schulabgängern eine Lehrstelle gefunden.