Großzügige Spende : Warmes Hotelzimmer für Obdachlose

#DankeHamburg
Bett statt Platte: Martin hat bei Dauerfrost Übernachtungen im Hotel geschenkt bekommen. Foto: BELA

Behütete Nächte im warmen Hotelbett statt bei Dauerfrost frierend auf Hamburgs Straßen: Eine Firma aus Wetzlar spendiert zwei Hamburger Obdachlosen für mehrere Nächte ein Zimmer. 

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Eigentlich ist Martin hartgesotten: Der 32-Jährige lebt seit vielen Jahren auf der Straße, bei Wind und Wetter. Doch der Dauerfrost der vergangenen Tage hat auch ihm zugesetzt, er hat sich beim Plattemachen in der Hamburger Innenstadt eine dicke Erkältung zugezogen und auch seine Schulter schmerzt. „Bei der Kälte wünsche ich niemandem, draußen schlafen zu müssen“, sagt er.

Da kam das Angebot, einige Nächte in einem Hotel übernachten zu können, gerade Recht. Das kam Mitte der Woche von der Gesellschaft für internationale Dienstleistungen aus dem hessischen Wetzlar, die im Stellinger Hotel bedpark bis Freitag zwei Zimmer für Mitarbeiter gebucht hatte. Eigentlich sollten die Zimmer wieder storniert werden, weil die Firma sie doch nicht benötigte. „Weil es so eiskalt ist, verzichten wir dieses Mal aber auf das Geld und überlassen die Zimmer denjenigen, die sich darüber freuen“, sagt Vertriebsleiter Reinhard Frenzel. Und nicht nur das: Die Buchung für die Zimmer, in denen Martin und ein weiterer Obdachloser Schutz vor der Kälte finden, hat er sogar noch bis Samstag verlängert.

Endlich in Ruhe duschen

„Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar“, seit Martin nach der ersten Nacht im Hotelbett. Am meisten beeindruckt hat ihn die atmosphärische Beleuchtung des Zimmers, sowas hat er auf der Straße nicht. Was er dort auch nicht hat: eine Dusche. Im Stellinger Hotel konnte er sich endlich mal wieder ordentlich und in Ruhe waschen.

„Wir können sie ja nicht zurück in die Kälte schicken.“– Reinhard Frenzel

Martin könnte den Winter über auch im Winternotprogramm der Stadt schlafen – doch das will er nicht. „Seit sie mir vor zwei Jahren den Laptop im Pik As geklaut haben, gehe ich in keine Unterkünfte mehr“, sagt er. Zu groß ist seine Angst, dass ihn in den Mehrbettzimmern wieder jemand bestiehlt. „Außerdem muss man aus dem Winternotprogramm jeden Morgen raus, das wäre nichts für mich. Hier kann man auch mal ausschlafen.“

Martin sucht jetzt eine Wohnung

Leider nur für ein paar Nächte. Martin hat sich schon darauf eingestellt, ab Samstag wieder draußen schlafen zu müssen. Doch als Reinhard Frenzel am Freitagmittag die Wettervorhersage checkt und bemerkt, dass der Dauerfrost in Hamburg noch bis Anfang der Woche anhalten soll, greift er zum Telefonhörer. Er ruft im Hotel an und verlängert die Zimmerbuchungen bis Montag. Dann sollen es endlich wieder Plusgrade in Hamburg werden. „Wir können sie ja nicht zurück in die Kälte schicken“, sagt Frenzel.

„Ich will mein Leben jetzt in den Griff kriegen.“– Martin

Auf der Straße hat Martin die längste Zeit gelebt, wenn es nach ihm geht. „Ich will mein Leben jetzt in den Griff kriegen, mir eine Wohnung und eine Arbeit suchen“, sagt er. Die Ruhe im Hotel gab ihm die Kraft dafür, sagt er: „Es kann ja nicht immer nur bergab gehen. Jetzt muss es auch mal bergauf gehen.“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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