Energiearmut : Immer mehr Stromsperren

5639 Hamburger Haushalten haben die Versorger in den ersten neun Monaten dieses Jahres den Strom abgestellt – fast so vielen wie im gesamten Jahr 2013. Auch bundesweit steigt die Zahl der Betroffenen. Als Hauptursache gelten die steigenden Energiekosten.

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Bei immer mehr Deutschen bleibt der Stromzähler stehen – weil sie die Rechnung nicht mehr bezahlen können.

Immer mehr Hamburger können ihre Energierechnung nicht bezahlen: 5639 Haushalten wurde allein in den ersten drei Quartalen dieses Jahres der Strom abgestellt, so der Senat in seiner Antwort auf eine aktuelle Bürgerschaftsanfrage der Linkspartei. Damit zeichnet sich ab, dass die Zahlen aus 2013 übertroffen werden. Damals bekamen im gesamten Jahr 5800 Haushalte die Stromzufuhr gekappt. Auch bundesweit steigt die Zahl der Betroffenen. Das ergibt sich dem „Monitoringbericht 2013“ der Bundesnetzagentur.

Der Wuppertaler Erwerbslosenverein Tacheles spricht von einer „stillen Katastrophe“ und fordert gesetzliche Maßnahmen, um die wachsende Energiearmut zu bekämpfen. In nahezu 60 Prozent der von einer Stromsperre betroffenen Haushalte wohnten Hilfeempfänger. Das sei „kein Wunder“, so Harald Thomé von Tacheles. Denn im Hartz-IV-Regelsatz eines alleinstehenden Erwachsenen fehlten monatlich 13,32 Euro, um den durchschnittlichen Energiebedarf eines Ein-Personen-Haushalts zu decken. „Energiearmut und Stromschulden sind vorprogrammiert.“

Als Ursache für die steigenden Zahlen gelten die hohen Energiekosten. Seit 2002 haben sich die Strompreise für Verbraucher in Deutschland fast verdoppelt. Die Kosten für Haushaltsenergie sollten aus dem Regelsatz herausgenommen werden, fordert der Erwerbslosenverein Tacheles. Stattdessen solle der Gesetzgeber eine zusätzliche „bedarfsorientierte Haushaltsenergiepauschale“ für Hilfeempfänger einführen. Nötig sei zudem die Einrichtung von Energiesicherungsstellen und eine Meldepflicht für Fälle, bei denen ein Grundversorger die Stromversorgung einzustellen drohe.

Die Hamburger Linksfraktion fordert „eine kostenlose Grundversorgung mit Wasser und Energie“. Schließlich führten die Sperren schlimmstenfalls zu Zwangsräumungen und Obdachlosigkeit. „Strom-, Gas- und Wasserabsperrungen gehören endlich verboten.“

Text: Ulrich Jonas
Foto: Julian Schwarzenberg (CC BY-ND 2.0)

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