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„Der Winter ist richtig schwer“

Am Bahnhof Altona suchten Obdachlose auf einem Lüftungsschacht Schutz vor dem Schnee. Foto: Mauricio Bustamante
Am Bahnhof Altona suchten Obdachlose auf einem Lüftungsschacht Schutz vor dem Schnee. Foto: Mauricio Bustamante
Am Bahnhof Altona suchten Obdachlose auf einem Lüftungsschacht Schutz vor dem Schnee. Foto: Mauricio Bustamante

Im Januar gab es in Hamburg sehr viel Schnee.
Wie haben obdachlose Menschen Schutz gefunden?
Was hat die Stadt Hamburg gemacht?

Die Sachen sind feucht und kalt

Sehr viel Schnee liegt auf den Straßen.
Die Stadt ist ruhig und friedlich.
Eltern ziehen ihre Kinder auf Schlitten durch die Straßen.
Die Kinder freuen sich über den Schnee.
Für obdachlose Menschen ist der Schnee ein großes Problem.

Ein obdachloser Mann heißt Miroslav.
Er ist 61 Jahre alt.
Er sagt: „Der Winter ist richtig schlimm.“
Miroslav schläft nachts unter einem Dach vor einem Geschäft.
In der letzten Nacht hat der Wind viel Schnee zu ihm geweht.
Alle seine Sachen wurden nass.
Seine Jacke ist feucht und kalt.

Miroslav wärmt sich in einer U-Bahn-Station.
Dort ist es nicht ganz so kalt wie draußen.
Aber er darf nicht lange bleiben.
Drei Stunden muss er nachts die Station verlassen.
Unter der Woche fahren nachts keine U-Bahnen.
Dann werden die Stationen geschlossen.
Von Freitag bis Sonntag ist es besser.
Dann bleiben die U-Bahn-Stationen auch nachts offen.

Offene oder geschlossene Bahnhöfe?

So wie Miroslav geht es vielen Menschen.
Viele obdachlose Menschen haben große Probleme mit der Kälte.
Der Januar war in diesem Jahr sehr kalt.
Hinz und Kunzt fordert deshalb
mehr Schutz für obdachlose Menschen.
Hinz und Kunzt sagt:
Obdachlose Menschen sollen zu jeder Zeit in Bahnhöfen sein dürfen.

Die Firma Hochbahn sagt dazu:
Mitarbeitende der Hochbahn-Wache dürfen selbst entscheiden.
Sie können obdachlose Menschen im Bahnhof erlauben.
Es gibt aber keine klare Regel.

Die Firma Deutsche Bahn sagt:
Bei sehr großer Kälte lassen wir niemanden draußen stehen.
Aber es gibt Regeln:

  • Fluchtwege müssen frei bleiben.
  • Durchgänge müssen frei bleiben.
  • Wartebereiche müssen frei bleiben.

Das gilt auch für obdachlose Menschen.

Ohne Ticket keine Wärme

Es wird Mitte Januar immer kälter.
Für die nächste Nacht gibt es eine Warnung.
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor großer Gefahr.
Es wird sehr viel Schnee geben.
Es besteht Gefahr für Leib und Leben.

Miroslav hat große Angst vor den nächsten Tagen.
Am Wochenende läuft sein Ticket ab.
Miroslav sagt: „Es gibt oft Kontrollen.
Ohne Fahrkarte darf man nicht bleiben.“
Er braucht ein Ticket,
auch wenn er nur auf einer Bank im U-Bahnhof sitzt.

Miroslav möchte am liebsten viel Bahn fahren.
So kann er sich warm halten.
Aber er hat kein Geld für ein neues Ticket.
Deshalb spricht er mit einer Sozialarbeiterin von Hinz und Kunzt.
Danach ist Miroslav erleichtert.
Hinz und Kunzt bezahlt sein neues Monats-Ticket.
Miroslav sagt:
„Das ist eine große Hilfe.“

Keine Hunde erlaubt

Am zweiten Januar-Wochenende kommt das Sturmtief Elli.
Es schneit sehr viel.
Bis zu 30 Zentimeter Schnee fallen.
Die Temperaturen sinken stark.
Es wird bis zu minus 14 Grad kalt.

Wegen der großen Kälte helfen viel mehr Einrichtungen als sonst.
Straßen-Sozialarbeiter von der Stadt sind öfter unterwegs.
Das Winter-Notprogramm von Hamburg hat eine Woche lang
rund um die Uhr geöffnet.
So viele Menschen kommen wie lange nicht mehr.
Etwa 700 Menschen suchen dort Schutz vor der Kälte.

Miroslav möchte nicht ins Winter-Notprogramm gehen.
Er hat nämlich immer seine Hündin Julie bei sich.
Aber eine Hündin ist im Winter-Notprogramm nicht erlaubt.
Miroslav sagt: „Julie ist mein Leben.“

In der Nacht zum 11. Januar sieht Miroslav nur einen Ausweg.
Er geht doch ins Winter-Notprogramm in die Friesenstraße.
Vorher bringt er Julie in das Tierheim Süderstraße.
Das Tierheim nimmt Hunde nachts kostenlos auf.
So können die Besitzer im Winter-Notprogramm schlafen.

Als es wieder etwas wärmer wird,
geht Miroslav zurück auf seinen Schlafplatz draußen.
Miroslav sagt: Das Winter-Notprogramm war sehr stressig.
Julie ist wieder bei ihm.
Sie läuft um seine Beine.
Miroslav sagt auch:
„Julie wegzugeben war sehr schwer für mich.“

Nicht alle wollen ins Notprogramm

Nicht nur Miroslav meidet das Winter-Notprogramm.
Auch ein anderer Mann geht dort nicht gern hin.
Er heißt Adam.
Adam verkauft die Zeitung Hinz und Kunzt.
Adam ist 58 Jahre alt.
Er schläft in seinem Auto.
Das Auto ist ein alter Fiat Ducato.

Adam hat ein Herzproblem.
Deshalb muss er sein Handy immer bei sich haben.
Im Notfall will er einen Krankenwagen rufen können.
Adam sagt:
„Im Winter-Notprogramm sind viele andere Menschen.
Manche nehmen einfach die Sachen von anderen.“
Adam hat Angst um sein Handy.
Er sagt: „Mein Handy darf nicht gestohlen werden!“

Auch Adam hat Angst vor der Kälte.
Er sagt: „Jetzt wird es sehr schwer.“
Eine Mitarbeiterin von Hinz und Kunzt hilft ihm.
Sie gibt ihm einen Schlafsack.
Sie gibt ihm auch eine dicke Jacke.
Adam zieht die Jacke an.
Dann geht er wieder nach draußen in den Schnee.

Adam seufzt.
Er sagt: „Der Winter ist richtig schwer.“
Nach der Kälte erzählt Adam etwas Schönes.
Er konnte bei einem Freund schlafen,
der auch Hinz und Kunzt verkauft.
Adam sagt:
„Ich hatte großes Glück.“

Viele Menschen sind gestorben

Manche obdachlosen Menschen überleben den Winter leider nicht.
11 obdachlose Menschen sind in den ersten zwei Wochen gestorben.
Sechs von ihnen haben draußen übernachtet.
Am 13. Januar findet eine Sozialarbeiterin einen toten Mann.
Der Mann war 59 Jahre alt.
Er lag in einem Zelt.
Das Zelt war eingeschneit.

Eine Woche vorher stirbt ein Mann mit 48 Jahren.
Möglicherweise ist er an Kälte gestorben.
Bei den anderen Todesfällen gibt es noch keine genauen Informationen.
Am 19. Januar war nicht klar,
ob Kälte die Ursache war.

Information:

Hilfe für obdachlose Menschen

In Hamburg leben etwa 4000 obdachlose Menschen.
Die Stadt hilft im Winter mit zusätzlichen Schlafplätzen.
Diese Hilfe gilt von November bis März.

Es gibt etwa 700 zusätzliche Schlafplätze.
Die Schlafplätze sind in einem Bürohaus in Hammerbrook.
Weitere Schlafplätze sind in einem früheren Hotel in Billbrook.
Viele obdachlose Menschen müssen morgens die Unterkunft verlassen.
Sie dürfen erst abends wieder zurückkommen.
95 obdachlose Menschen können im Winter immer dort bleiben.
Sie wohnen in Wohn-Containern.
Die Container stehen bei Hochschulen und Kirchen.

Es gibt auch einen Kältebus.
Der Kältebus fährt bis Ende März.
Der Kältebus ist jeden Tag erreichbar.
Die Zeiten sind von 19 Uhr bis 24 Uhr.

Die Telefonnummer ist:
0151 – 65 68 33 68
Der Kältebus bringt Schlafsäcke.
Auf Wunsch fährt er Menschen ins Winter-Notprogramm.

Übersetzung in leichte Sprache: Grone barrierefrei

Autor:in
Luca Wiggers
Luca Wiggers
1999 in Hannover geboren, hat dort Germanistik und Anglistik studiert und ist Anfang 2022 nach Hamburg gezogen. Seit Juni 2023 Volontärin bei Hinz&Kunzt.

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