Kommentar Birgit Müller : „Gutes Image von Straßenzeitungen kann beschädigt werden“

Ein neues Straßenmagazin sorgt seit April für Ärger. Das Blatt besteht hauptsächlich aus zusammenkopierten Artikeln. Die Macher respektieren geschützte Verkaufsplätze nicht, es wurden schon Hinz&Künztler bedroht. 

Bimle
Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller kommentiert.

Seit Anfang April gibt es in Hamburg ein zweites Straßenmagazin: „Straße Journal Deutschland“. Vor den Kopf gestoßen hat uns, dass die Macher sich nicht einmal vorgestellt haben. Unter Straßenmagazinen gilt eigentlich ein Ehrenkodex, zu dem auch Gebietsschutz gehört. Das bedeutet, dass alle Verkäufer auf ihren Plätzen geschützt sind.

Anfangs dachten wir: Okay, sie sind neu, sie wissen das alles vielleicht nicht. Deshalb  besuchten wir sie im Schiffbeker Weg. Die Macher versprachen auch, unsere Verkaufsplätze zu respektieren. Leider stimmt das aber nicht. Und sie sind auch keine Anfänger.

Sie haben schon seit 2011 in Holland das Straat Journaal Benelux rausgegeben. Und dort wie hier gehen sie nach dem gleichen Muster vor: Ihr Blatt besteht aus zusammenkopierten Artikeln, die meist ohne Wissen der Urheber und ohne Quellenangabe veröffentlicht werden. Unsere holländischen Partnerzeitungen in Rotterdam und Haarlem sind schwer in Bedrängnis geraten, weil sich die Verkäufer auf der Straße von den Straat-Journaal-Verkäufern bedrängt fühlten und die Auflage rapide gesunken ist.

Auch bei uns wurden schon Verkäufer auf ihrem Platz bedroht. Das wollen wir nicht hinnehmen. Inzwischen zeigen sich Supermärkte mit den Hinz&Künztlern solidarisch. Sie wollen helfen, wenn es Schwierigkeiten geben sollte. Und das Abendblatt geht dagegen vor, dass Straße Journal einfach ihre Artikel klaut.

Was uns wütend macht: Dass durch ein dubioses Blatt unser gutes Image beschädigt werden kann. Wir Straßenmagazine weltweit haben uns in einem internationalen Dachverband (INSP) zusammengeschlossen. Zu unserem Ehrenkodex gehört auch, dass wir echte Redaktionen haben und uns sozial engagieren. Wir tauschen Artikel und Ideen aus und helfen uns gegenseitig. Natürlich gibt es immer mal wieder Stress, dass einzelne „Schwarzverkäufer“ aus anderen Städten hier ihr Magazin verkaufen. Aber nicht so bewusst von den Machern eines Magazins gesteuert. Wir hoffen jetzt, dass die Behörden dafür sorgen, dass der soziale Friede auf der Straße gewahrt bleibt.

Text: Birgit Müller
Foto: Annette Woywode

So berichten die anderen:

TV-Beitrag im Medienmagazin Zapp: „Straße Journal“ voll mit geklauten Artikeln
TV-Beitrag im Hamburg Journal: Dubioses neues Magazin „Straße Journal“
Zeit Online: Jeden Tag Druck
Hamburger Abendblatt: Hinz&Kunzt verärgert über dubioses neues Straßenmagazin

1 Kommentar zu “„Gutes Image von Straßenzeitungen kann beschädigt werden“

  1. Seit es „Strasse Journal“ gibt, habe ich mich da drum gekümmert, mehr über dieses zu erfahren. Leider ist mir das bis heute nicht gelungen, was ich nach vollziehen kann !! Denn wir selbst schreiben von ein „zweites Strassenmagazin“, was ja überhaupt kein Magazin sein kann. Mir selbst ist es ein Rätsel, wie so etwas existieren kann, ohne ein Vertriebsgenehmigung ??“ Denn der Chef des „Strassen Journals“ (oh Wunder sie haben das verlorne „n“ wieder gefunden),hat selbst imn Hamburg Journal zu gegeben, das er noch keine Genehmigung beantragt hat. Trotz dem läßt er seine Verkäufer-innen ohne Genehmigung dieses Journal verkaufen.Das die Behörde dem tatenlos zu sieht, ist mir schleierhaft.
    Da werden Internetseiten kopiert und veröffentlicht (ohne Sinn und Verstand), und so etwas bekommt auch noch den Namen „Journal“ . Wie so wir so sauer sind, ist nicht wegen dieses Papier (das sein Geld nicht wert ist), sondern über die Art und Weise des Vertriebes. Ich glaube auch nicht, das der Chef in Billstedt sich sozial um seine Verkäufer-innen kümmert. Wer weiß denn schon so genau, was da wirklich vor geht ?? Das Verkäufer von ihm, unsere mit dem Tod bedrohen, ist schon schlimm genug, aber wenn keiner da gegen vor geht, passiert eben nichts. Das die Behörde noch nicht aktiv geworden ist, ob wohl sie es machen wollte, ist mir (uns) auch schleierhaft !!
    Ich hoffe jedenfalls, das sich der Staub legt, den das „Strassen Journal“ aufgewirbelt hat.
    Ich kann nur allen raten, diese kopierten Blätter nicht für 1,95 € zu erwerben, denn diese Kopien sind das Geld nicht wert.

    In diesem Sinn, Erich Heeder – HINZ&KUNZT VERKÄUFER

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