Obdachloser stirbt im Lohmühlenpark : Durchs Hilfsraster gefallen

Dort, wo Frank starb, liegen nun Blumen. Foto: JOF

Ein 33-jähriger Obdachloser stirbt am Donnerstag im Lohmühlenpark. Tags zuvor hatten Anwohner sowohl Krankenwagen als auch Polizei gerufen. Aber einen Notfall erkannten die Behörden nicht.

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Für Frank kam jede Hilfe zu spät. Dabei wollte der 33-jährige Obdachlose Hilfe annehmen – und Andreas Pick wollte ihm helfen. Doch keine Behörde fühlte sich zuständig, als Pick am Mittwoch mehrfach den Notruf wählte. Einen Tag später ist Frank tot.

Andreas Pick spielt mit Freunden Volleyball im Lohmühlenpark in St. Georg, als ihnen eine leblose Gestalt unter einem Baum auffällt. Einer, der seinen Rausch ausschläft, denken sie erst – bis sie die vielen Fliegen sehen, die um den Mann kreisen. Als Pick dann auch noch die verdrehten Augen des scheinbar Bewusstlosen sieht, wählt er den Notruf. „Man stumpft ja auch ein bisschen ab gegenüber den Obdachlosen“, sagt Pick im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Aber dieser Fall war anders: „Er war so richtig verwahrlost, unheimlich schmutzig.“

Ein Rettungswagen kommt, stellt aber offenbar fest, dass kein medizinischer Notfall vorliegt. Die zuständige Feuerwehr beantwortet eine Hinz&Kunzt-Nachfrage am Freitag nicht, aber dass sie im Einsatz war, bestätigt auch die Polizei. Und Frank reagiert jetzt doch, ist ansprechbar. Sagt, dass er keine Schmerzen habe, sich aber schwach fühle, berichtet Andreas Pick. „Hast du genug getrunken?“, fragt er ihn. „Schon länger nicht mehr“, sei die Antwort gewesen. Also besorgen Pick und seine Freunde Essen und Trinken für den Obdachlosen.

Frank will in eine Notunterkunft – aber niemand bringt ihn hin

Die Hilfe nimmt Frank an, sagt auch, dass er in die Notunterkunft in der Friesenstraße gehen würde, „aber das schaffe ich nicht“, so erzählt es Pick. Also habe er dort angerufen. Sie würden ihn sofort aufnehmen, heißt es – nur um den Transport könnten sie sich nicht kümmern. Auch Betreiber fördern&wohnen nimmt dazu auf Anfrage zunächst keine Stellung.

In seiner Ratlosigkeit ruft Pick die Polizei, die einen Streifenwagen des Komissariats 11 schickt. „Die Beamten überprüften den Zustand des Mannes noch insofern, als sie ihn zum Aufstehen aufforderten“, erklärt Polizeisprecher Florian Abbenseth. „Wie die Einsatzkräfte dabei feststellten, konnte der Mann selbstständig stehen. In ihrem Beisein trank und aß der Mann auch.“ Personen würden nur transportiert, wenn sie fest- oder in Gewahrsam genommen wären. „Irgendwo endet die polizeiliche Zuständigkeit“, sagt Abbenseth und führt auch „versicherungsrechtliche Gründe“ an.

„Wir haben ihm geholfen, so gut wir konnten.“– Andreas Pick

Weil Pick nicht weiter weiß, versucht er es sogar im Tierheim und fragt nach einem Transport in die Unterkunft – vergeblich. „Ich schlafe hier heute Nacht und gehe dann morgen in die Friesenstraße“, habe Frank gesagt, bevor er dann sein Nachtlager in Sichtweite des AK St. Georg aufgeschlagen habe.

Doch in der Friesenstraße kommt Frank nie an. Am Donnerstag wird er tot im Lohmühlenpark gefunden. Jetzt ist die Polizei wieder für ihn zuständig – und will die Todesursache ermitteln. „Derzeit können noch keine Angaben zur Todesursache gemacht werden“, sagt Abbenseth. „Es liegen bislang jedoch keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.“

„Wir haben ihm geholfen, so gut wir konnten“, sagt Pick und stellt sich jetzt grundsätzliche Fragen: „Wieso lassen wir es als Gesellschaft zu, dass sich jemand auf die Straße setzt und wir wissen nicht, ob er noch lebt oder schon tot ist?“ Und auch bei der Feuerwehr beginnt nun eine Reflexion: Die Hinz&Kunzt-Anfrage an die Pressestelle wird am Freitagnachmittag vom Qualitätsmanagement beantwortet. „Der von Ihnen beschriebene Vorgang wird von uns sehr ernst genommen“, heißt es in dem Schreiben. Der Sachverhalt werde nun geprüft. Für Frank kommt das zu spät, und Andreas Pick ist sich sicher: „Aus dem hätte was werden können, wenn er die richtige Betreuung gehabt hätte.“

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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