Initiative „Sauberes Hamburg“ : Dubiose Hetze im Netz

Eine Initiative hetzt im Internet gegen Hamburger Obdachlose und erntet dafür Empörung im sozialen Netzwerk Facebook. Ist die vielleicht von den Hintermännern kalkuliert? Wer hinter der Initiative steckt, ist jedenfalls unklar.

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„Stoppt die Initiative“: Mit diesem Slogan wird bei Facebook gegen die Hetze mobil gemacht. Bild: Screenshot Facebook.

Die Facebook-User sind empört: „Von welchem Chauvinistenroß aus erlaubt ihr euch eigentlich über Obdachlose zu richten?“, fragt Steffen Vogt aus Marburg. Und Jürgen Braatz schimpft: „Ihr sprecht nicht für meine Stadt. Hamburger seid ihr nicht, haut selber ab.“ Stein des Anstoßes ist die „Initiative Sauberes Hamburg“, die auf ihrer Webseite Stimmung gegen Obdachlose macht. Allerdings so plump, dass es eigentlich nicht ernst gemeint sein kann.

„Wir wollen keine Obdachlosen mehr, die das Erscheinungsbild unserer geliebten Stadt trüben, unsere Grünanlagen beschmutzen und die Hilfsbereitschaft vieler Bürger ausnutzen“, heißt es in der Selbstdarstellung der Initiative. „Wir fordern ein sauberes, schöneres und vor allem obdachlosenfreies Hamburg.“ Kann das ernst gemeint sein? Witzig ist es jedenfalls auch nicht.

Seit Montag gibt es einen Sturm der Entrüstung gegen die Äußerungen der angeblichen Initiative. Die Facebook-Seite „Stoppt die ISHH“ ruft dazu auf, den Obdachlosenhass zu stoppen – und hat dafür binnen kürzester Zeit über 2500 Fans gesammelt. Allerdings weist der Seitenbetreiber auf jeden neuen Artikel auf der Homepage der Initiative hin, verbreitet deren Inhalte also. Auf der Seite ist keine Kontaktmöglichkeit angegeben, hinter der dort beworbenen Petition steckt ein kleines IT-Unternehmen aus dem Harz. Deren Geschäftsführer gibt auf Nachfrage an, seinen Auftraggeber nicht zu kennen.

Die Initiative selbst gibt sich große Mühe, unerkannt zu bleiben. Ihre Internetadresse wurde anonym in den USA registriert, laut Impressum sitzt sie in der Karibik. Außerdem nutzen die Betreiber eine kostspielige Taktik, die ein Auffinden des Servers erschweren. Das so genannte Bulletproof-Hosting wird sonst gerne von Kriminellen benutzt, um ihre Spuren im Netz zu verwischen. Warum jemand so einen Aufwand betreibt, um gegen Obdachlose hetzen zu können, wissen wir nicht.

Anmerkung 21. Februar: Nachdem wir unseren Artikel veröffentlicht und Facebook-User Vermutungen über möglichen Datenklau angestellt haben, entfernten die Betreiber der Facebook-Seite die im Artikel genannte Petition. Begründung: „Wir wollen keinesfalls eure Daten!!! Wir wünschen uns einfach, dass ihr eure Freunde auf uns aufmerksam macht. Dass wir gemeinsam gegen diese widerliche Seite vorgehen!“

Text: Benjamin Laufer

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