Redaktion

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Unter Leitung von Chefredakteurin Birgit Müller (Mitte) entsteht mit einem Team aus freien Journalisten jeden Monat Hinz&Kunzt. Foto: Cornelius M. Braun

Nah dran am Menschen

In der Hinz&Kunzt-Redaktion machen professionelle Journalisten, Fotografen und Grafiker eine Mischung aus Politikmagazin, Stadtzeitung und Kulturführer für jedermann. Chefredakteurin Birgit Müller, von Anfang an dabei, beschreibt es so:

„Macht bloß kein Jammerblatt!“ Es war eines unserer ersten Treffen im Sommer 1993. Hinz&Kunzt gab es noch nicht, und unser Gründer Dr. Stephan Reimers hatte uns zusammengebracht: ein Grüppchen Obdachloser und zwei, drei Journalisten. Es ging darum, wie das Straßenmagazin aussehen sollte. Es war ein Obdachloser, der das mit dem Jammerblatt gesagt hatte. Und er begründete das auch: Soll etwa einer, der ein offenes Bein hat, was verkaufen, wo einer drauf ist, der ein offenes Bein hat? Gruselige Vorstellung. Aber natürlich sollten schon Geschichten von Obdachlosen, von ihren Sorgen und Nöten zu lesen sein.

Unser Vorbild: Big Issue in London

Uns Journalisten unter der Führung des ersten Chefredakteurs Ivo Banek kam das gelegen. Es gab da ein Vorbild: Big Issue in London. Die brachten dort eine Mischung aus sozialpolitischen Reportagen, Kulturthemen und Obdach­losengeschichten. Klar war: Wir wollten so ein Magazin für Menschen in Hamburg machen, ganz lokal. Das Ganze nicht mitleidheischend, sondern möglichst peppig und realistisch.

Kultur steht seit dem ersten Tag bei uns weit oben: Sie ist schließlich ein Ausdruck von Lebensfreude – und die benötigen wir alle, nicht nur die Hinz&Künztler. Ein bisschen wollten und wollen wir auch die Welt retten. Konstruktiv sein und schauen, wo in der Politik etwas gut oder besser funktioniert als bei uns. Von Anfang an wollten wir eine soziale Stimme in der Stadt werden. Quasi eine Art Greenpeace fürs Soziale. Jedermann (Hinz und Kunz) sollte uns lesen können. Ein Boulevardblatt im besten Sinne des Wortes.

Relevant und unterhaltsam

Unterhaltsam wollten wir sein und dabei relevant. Niemand sollte sich nach der Lektüre schlecht oder erschlagen fühlen. Mehr als 20 Jahre ist das her – aber die Grundidee unseres Magazins ist geblieben, wenn sich auch ansonsten viel geändert hat – und wir kaum wiederzuerkennen sind. Zu Beginn hatten wir nur ein paar Seiten in Farbe, heute ist alles bunt, mit einem großzügigen Layout. In der Redaktion arbeiten Profis, die viel Energie ins Magazin stecken, die meisten sind „feste Freie“ und nur stundenweise da.

Wir sind vom Underdog-Heftchen zum beachteten Stadtmagazin geworden. Häufig sind wir es, die Themen anschieben. Und wir haben ein Online-Magazin, um noch mehr und vor allem jüngere Leser zu erreichen. Ein- bis zweimal pro Jahr bringen wir ein Sonderheft he­raus. Meistens sind Verkäufer beteiligt: Fünf Kochhefte haben wir, Literaturausgaben, einen Stadtführer und ein Tierheft.

Die Not auf der Straße sichtbar machen

Im Alltag steht noch immer die Sozialpolitik im Vordergrund. Nicht nur das Thema Obdachlosigkeit, sondern auch Armut und Zuwanderung, ausbeuterische Wohnverhältnisse und miese Arbeitsbedingungen. Die Not, die sich auf der Straße zeigt, ist vielfältiger geworden. Dabei bleiben wir nah dran an den Menschen und ihren Problemen, die wir hier bei uns und auf der Straße kennenlernen. Und das ist etwas, was sich bei aller Veränderung nie ändern darf.