Straßenkinderprojekt Kids : „Gerettet sind wir noch nicht“

Das Kids soll am Hauptbahnhof bleiben - findet aber keine neuen Räume. Foto: JOF

Das Straßenkinderprojekt Kids muss im Oktober aus dem Bieberhaus ausziehen. Als Notlösung haben die Behörden nun erlaubt, Baustellencontainer aufzustellen.

Anzeige

Hinz&Kunzt: Das Kids kann im Oktober in Container umziehen. Ist die Einrichtung damit gerettet?

Burkhard Czarnitzki: Gerettet sind wir noch nicht. Für uns ist die Containerlösung nicht mehr als ein Provisorium, vielleicht ein Licht am Ende des Tunnels. Ab nächster Woche haben wir dennoch erst mal kein Dach über dem Kopf.

Wieso das?

Wir haben eine Genehmigung, vier Container auf dem Parkplatz auf dem Heidi-Kabel-Platz aufzustellen. Diese vier Container sind für unsere Arbeit aber viel zu klein. Deshalb haben wir beantragt, am Holzdamm auf einer freien Grünfläche acht oder mehr Container aufzustellen – unter den Bedingungen, die wir für richtig halten. Das prüft der Bezirk gerade intensiv, aber das dauert noch.

burkhard-czarnitzki-screenshot
Burkhard Czarnitzki ist Leiter des Kids.

Sollte bis zum 17. Oktober nicht klar sein, dass wir die acht Container aufstellen dürfen, werden wir vier Container auf dem Heidi-Kabel-Platz aufstellen. Das wäre der Worst Case.

Und in der Zwischenzeit?

Den letzten regulären Öffnungstag im Kids haben wir am dritten Oktober. Dann packen wir und übergeben am Freitag den Schlüssel. Bis die Container stehen, machen wir verstärkt Straßensozialarbeit und richten ein kleines Büro für die administrativen Tätigkeiten am Steindamm ein. Das wird aber wirklich nur ein sehr abgespecktes Angebot.

Welche Angebote können Sie denn den Straßenkindern in Containern nicht mehr machen?

Das kommt auf die Containergröße an. In vier Containern hätten wir nur einen Aufenthaltsraum einen kleinen Büroraum, eine gemeinsame Toilette und eine Dusche. Die Küche würde wegfallen. Es wäre räumlich sehr beengt und es ist fraglich, ob dort überhaupt eine Beratungsatmosphäre entstehen könnte. Aber wir hätten zumindest ein Dach über dem Kopf.

Straßenkinder
6500 Unterschriften fürs „Kids“ überreicht

Selbst mit acht Containern hätten wir noch nicht die gleiche Fläche, die das Kids bis jetzt hat. Dort könnten wir aber alle Angebote machen, die es bislang auch gibt: Ein Aufenthaltsraum, eine Küche, ein Essraum, ein Büro und sanitäre Anlagen.

Eine soziale Einrichtung im Container, das klingt unglaublich beengt. Wie viele Straßenkinder halten sich denn im Kids regelmäßig täglich auf?

Aktuell sind es 30 bis 50 pro Tag. Das schwankt immer ein bisschen. Wenn es richtig voll wird, wird das Angebot in den vier Containern sehr, sehr eingeschränkt sein. Auch in der besseren Variante am Holzdamm wird es Einschränkungen geben.

Haben Sie nach so langer Suche denn überhaupt noch Hoffnung, eine neue feste Bleibe zu finden?

Die Hoffnung darf ich nicht aufgeben. Wir müssen die Suche weiterhin intensivieren und auch mal quer denken. Mein wichtigster Wunsch ist, dabei nicht alleine gelassen zu werden. Wir haben die Zusicherung von den Behörden, dass das Projekt weiter finanziert wird und man uns bei der Suche nach einem neuen Standort unterstützt. Bislang war das schwierig, weil es den Super-Standort einfach nicht gibt. Wir brauchen phantasievolle Lösungen.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.