Kontaktloser Verkauf startet : Endlich sind wir wieder da!

Thomas ist auf den Verkaufsstart bestens vorbereitet: Visier und Maske schützen ihn und seine Kund*innen. Foto: Mauricio Bustamante

Am Mittwoch ging’s los! Nach dem Shutdown freuen sich die Hinz&Künztler*innen auf den Neustart. Aber ein bisschen mulmig ist ihnen schon. Stellvertretend für alle haben wir Thomas zu „seinem“ Edeka-Markt in Altona begleitet.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Da steht er wieder, wenn auch nur fürs Foto. Mehr als zwei Monate ist es her, dass Thomas zum letzten Mal hier war, an seinem Verkaufsplatz bei Edeka in der Harkortstraße in Altona. Etwas mulmig ist dem 43-Jährigen zumute. Werden ihn seine Kund*innen überhaupt wiedererkennen, wenn er mit der Juniausgabe vor ihnen steht?

Denn der Hinz&Künztler wird coronabedingt etwas anders aussehen als vorher. Von Vertriebschef Christian Hagen hat er einen Mundschutz und eine Art Visier bekommen. Den Mundschutz braucht er, wenn er mal in den Laden geht, das Visier schützt ihn, wenn er draußen an seinem Platz verkauft.

Aber wird sein Platz überhaupt noch sein Platz sein? Das will er heute erfragen. „Da, wo ich vorher stand, direkt am Eingang, wird’s wohl nicht mehr gehen“, befürchtet Thomas. „Ich will ja niemandem im Weg sein.“

„Ich will ja niemandem im Weg sein.“– Thomas

Thomas ist einer von rund 600 Hinz&Künztler*innen, die ab dem 27. Mai wieder auf ihre Stammplätze zurückkehren werden. Und Thomas wird mit Sicherheit nicht der Einzige sein, der etwas Bammel hat.

Aber zum Glück werden er und viele andere Hinz&Künztler*innen unterstützt. Von „ihren“ Marktleitern. Benjamin Hirche ist es auch, der ihn in Sachen Verkaufsplatz berät. Hirche ist sogar der Meinung, dass Thomas genau dahin zurückkommen kann, wo er immer war. „Da standen in den vergangenen Wochen auch die Sicherheitsleute“, sagt der 39-Jährige. „Wenn du dich da anwurzelst, müssen die anderen eben um dich herumgehen, da ist genügend Platz!“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PGRpdiBjbGFzcz0iX2JybGJzLWZsdWlkLXdpZHRoLXZpZGVvLXdyYXBwZXIiPjxpZnJhbWUgdGl0bGU9IkVuZGxpY2gga2FubiBUaG9tYXMgd2llZGVyIEhpbnomYW1wO0t1bnp0IHZlcmthdWZlbiEiIHdpZHRoPSIxMDAwIiBoZWlnaHQ9IjU2MyIgc3JjPSJodHRwczovL3d3dy55b3V0dWJlLW5vY29va2llLmNvbS9lbWJlZC8xOWozcC15OVRxOD9mZWF0dXJlPW9lbWJlZCIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93PSJhY2NlbGVyb21ldGVyOyBhdXRvcGxheTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhOyBneXJvc2NvcGU7IHBpY3R1cmUtaW4tcGljdHVyZSIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPjwvZGl2Pg==
Kontaktloser Verkauf
Endlich kann Thomas wieder Hinz&Kunzt verkaufen!
Nach zwei Monaten Corona-Pause gibt es ab Juni wieder eine gedruckte Hinz&Kunzt! In der Zwischenzeit haben wir ein Konzept zum kontaktlosen Verkauf entwickelt. Im Video erklärt Vertriebsleiter Christian Hagen, wie es funktioniert.

Offensichtlich freut sich der Edeka-Chef, dass Thomas wieder da ist. Dabei kennen sich die beiden noch nicht lange: Hirche eröffnete seinen Laden erst im Oktober 2019 und Thomas fing im Dezember an. „Aber wo immer ich meine Lebensmittel verkauft habe – überall habe ich mit Hinz&Kunzt zusammengearbeitet“, sagt der Einzelhandelskaufmann. „Deswegen ist es für mich völlig normal, dass jemand vor der Tür steht und seinen Lebensunterhalt mit dem Magazinverkauf verdient. Das gehört einfach mit dazu.“

In der Juni-Ausgabe

Wie uns die Hamburger*innen in der Coronakrise geholfen haben, wie 150 Obdachlose im Hotel leben, wo sie in Hamburger im Grünen wandern können, wieso die Sternbrücke abgerissen werden soll: Hinz&Kunzt erscheint im Juni endlich wieder auf Papier! Zum Inhalt.

Eine echte Win-win-Situation könne das sogar sein: „Wenn man solche Leute hat wie Thomas, dann ist das auch eine Kundenbindung, die man betreibt“, sagt Benjamin Hirche. „Er bindet seine Kunden, und die kommen immer wieder hierher, um ihn zu sehen, und gehen dann eventuell auch zu uns rein – und umgekehrt.“

Thomas ist sichtlich erleichtert, dass er einen so guten Neustart bei „seinem“ Marktleiter hat. Die vergangenen Wochen waren nicht gerade leicht für ihn. Corona hat ihm ganz schön zugesetzt. Denn er gehört wie die meisten Hinz&Künztler*innen zur Risikogruppe. Jahrelang war er drogenabhängig. Jetzt wird er mit Tabletten substituiert. „So habe ich nicht mehr das Bedürfnis, Drogen zu nehmen“, erklärt er. „Und ich habe durch die Tabletten auch keine Schmerzen.“ Er kifft „nur“ noch. Für ihn ein echter Fortschritt. „Ich bin auf einem guten Weg“, findet er selbst. Der Kontakt zu den Kund*innen helfe ihm. „Da weiß ich, warum ich morgens überhaupt aufstehen soll.“

Marktleiter Benjamin Hirche, Hinz&Künztler Thomas, Vertriebsleiter Christian Hagen. Foto: Mauricio Bustamante

Bis dann Corona kam. Da bekam er Angst. Um sich und um andere. Er ging nur noch selten an seinen Verkaufsplatz. Trotzdem war es für ihn ein herber Schlag, als er hörte, dass Hinz&Kunzt vorübergehend schließt und man keine Magazine mehr kaufen kann. „Ich will nicht sagen, dass eine Welt zusammenbrach, aber irgendwie …“ Denn zu dem Zeitpunkt, als wir schlossen, wussten wir ja auch noch nicht, wie und wann es weitergehen würde. „Ich dachte schon, ich müsste wieder betteln“, sagt Thomas. „Und das wollte ich eigentlich auf keinen Fall.“ Zum Glück konnten wir unseren Verkäufer*innen eine Überlebenshilfe auszahlen. Aber das war zu Beginn des Shutdowns noch nicht abzusehen.

Doch auf die Hamburger*innen ist Verlass: Sie haben so viel für unseren Corona-Fonds gespendet, dass Thomas und die anderen Hinz&Künztler*innen im April und Mai insgesamt 490 Euro bekamen. Aber obwohl er die Finanzspritze dringend benötigt: „Es geht ja nicht nur ums Geld. Ich vermisse die vielen Kontakte und Gespräche“, sagt Thomas. Zum Glück wird es die bald wieder geben.

„Die Kunden haben in den letzten Wochen oft nach Thomas gefragt.“– Benjamin Hirche

Damit niemand Angst haben muss, sich oder andere anzustecken, arbeitet der Hinz&Kunzt-Vertrieb schon an weiteren Schutzmaßnahmen. Neben den Masken und Visieren werden die Verkäufer*innen mit Desinfektionsmittel ausgestattet. Und mit Magazinhaltern, aus denen sich die Kund*innen das Heft selbst herausnehmen können. Stichwort: kontaktloser Verkauf.

Thomas hat inzwischen Maske und Visier getestet. „So fühle ich mich selbst sicherer“, sagt er. Er kann also kommen, der Tag der Tage, der erste Verkaufstag nach dem Shutdown. Thomas ist gewappnet. Und Filialleiter Benjamin Hirche ist sowieso sicher: Seine Kundinnen und Kunden warten längst auf Thomas. „Sie haben in den letzten Wochen oft nach ihm gefragt.“

Über den Autor
Birgit Müller
Birgit Müller
Birgit Müller hat 1993 Hinz&Kunzt mitgegründet. Seit 1995 ist sie Chefredakteurin.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.