Tod auf der Straße : Erneut sind Obdachlose in Hamburg, Hannover und Kiel gestorben

Im Wandsbeker Gehölz fand eine Anwohnerin die Leiche der Obdachlosen Edda. Foto: UJO

Im Hamburger Stadtteil Wandsbek hat eine Anwohnerin vergangene Woche in einem Park die 54-jährige Obdachlose Edda tot aufgefunden. Auch in Hannover und Kiel sind Obdachlose verstorben.

Erneut ist in Hamburg eine Obdachlose im Freien verstorben: Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte, fand eine Anwohnerin die 54-jährige Edda leblos in einem Gebüsch liegend im Wandsbeker Gehölz. Der herbeigerufene Notarzt habe nur noch den Tod der Frau feststellen können. Das Unglück ereignete sich bereits vergangene Woche, am Morgen des 30. Januar. Ohne einen aufmerksamen Leser, der vom Notarzteinsatz gehört hatte und bei Hinz&Kunzt nachfragte, wäre der tragische Tod gar nicht bekannt geworden.

Bei der Sozialen Beratungsstelle Wandsbek war Edda als schon lange auf der Straße lebende Frau bekannt: „Sie war vor etwa zehn Jahren häufiger bei uns“, so Sozialarbeiter Bernd Redweik auf Nachfrage von Hinz&Kunzt. Seitdem sei sie nicht mehr in der Beratung aufgetaucht. „Sie ist offenbar in Hamburg herumgezogen.“ Nach Polizeiangaben wurde Edda 1964 in Hamburg geboren. Bei den Behörden war sie als Mensch „ohne festen Wohnsitz“ registriert.

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Hinweise auf Fremdverschulden hat die Polizei nach eigenen Angaben keine. Eine Obduktion soll die Todesursache aufklären. In der Nacht zum 30. Januar herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt. Edda ist bereits die fünfte Obdachlose, die diesen Winter in Hamburg auf der Straße verstorben ist. Zwischen Ende Oktober und Ende November waren vier Todesfälle bekannt geworden. Die Hinz&Künztlerin Joanna war in Niendorf an Unterkühlung gestorben. In den anderen Fällen steht das Obduktionsergebnis laut Staatsanwaltschaft noch immer aus.

Zweiter Todesfall in Hannover

Am Freitagmorgen haben Passanten in der Innenstadt von Hannover einen toten Obdachlosen gefunden. Die Polizei der niedersächsischen Landeshauptstadt bestätigte gegenüber Hinz&Kunzt einen Bericht der Zeitung HAZ. Der 64-Jährige hatte sich neben einer Kirche mit einem Schlafsack auf einer Isomatte niedergelassen, wie Fotos der HAZ zeigen. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht, sagte ein Polizeisprecher gegenüber Hinz&Kunzt. Ob die genaueren Todesumstände in einer Obduktion geklärt werden, solle kommende Woche entschieden werden.

Erst drei Wochen zuvor hatte ein Obdachloser wenige hundert Meter entfernt den Obdachlosen Tommi nach einer frostigen Nacht tot aufgefunden. In seinem Fall ging die Polizei von einem Kältetod aus. Wenig später versammelten sich Bekannte von Tommi am Kröpcke und legten Blumen nieder.

Auf Facebook äußerte sich das Hannoveraner Straßenmagazin Asphalt zu den Todesfällen:

Die Blumen am Kröpcke sind noch nicht verwelkt, da steht an der Marktkirche schon eine Kerze. Zweimal Sterben auf der…

Gepostet von Asphalt-Magazin am Freitag, 8. Februar 2019

41-Jähriger stirbt im Kieler Hauptbahnhof

Auch in Kiel ist in der Nacht zu Freitag ein toter Obdachloser gefunden worden. Er starb allerdings nicht im Freien, sondern in einem beheizten Warteraum im Kieler Hauptbahnhof. „Die Kälte hat definitiv keine Rolle gespielt“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber Hinz&Kunzt. Der 41-Jährige soll schon lange Zeit obdachlos gewesen sein.

Über die Autoren
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

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