Hilfe für Obdachlose : „Der Kältebus ist sinnvoll und notwendig“

Ronald Kelm und Michael Knuth gehören zum etwa 30-köpfigen Team des Kältebus. Foto: Mauricio Bustamante

Nach den ersten zwei Wochen ziehen die Macher des Hamburger Kältebus ein positives Fazit: Das Projekt ist erfolgreich angelaufen. Sogar Polizei und Feuerwehr rufen den Kältebus zu Hilfe. 

Bei Schneeregen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hatte der Kältebus am Donnerstagabend den bislang arbeitsreichsten Abend: Etwa 20 Anrufe mit Hinweisen auf Hilfsbedürftige sind auf dem Telefon eingegangen, acht Obdachlose haben die Ehrenamtlichen in städtische Notunterkünfte gefahren. Seit dem 5. Januar fährt der Kältebus der Alimaus jeden Abend von 19 bis 24 Uhr durch Hamburg und versorgt Obdachlose in Not. In den ersten zwei Wochen waren pro Abend etwa fünf Anrufe eingegangen und jeweils ein oder zwei Obdachlose ins Warme gebracht worden. Es gab nicht nur Kältebus-Einsätze in der Innenstadt oder in Altona, sondern auch in Wandsbek, Barmbek, Lurup und Niendorf.

0151-65 683 368

Den Kältebus können Sie jeden Abend zwischen 19 und 24 Uhr unter der Telefonnummer 0151-65683368 anrufen, wenn Sie hilfsbedürftige Obdachlose sehen. In Notfällen wählen Sie bitte die 112!

„Das Projekt läuft besser, als das jemand von uns vorher angenommen hätte“, sagt die Leiterin der Obdachloseneinrichtung Alimaus, Christiane Hartkopf, im Gespräch mit Hinz&Kunzt. „Das zeigt, dass der Bus sinnvoll und notwendig ist.“ Die Alimaus hatte sich im Dezember bereit erklärt, einen Kältebus nach Berliner Vorbild in Hamburg an den Start zu bringen. Binnen kürzester Zeit haben sich etwa 30 Ehrenamtliche für das Projekt gefunden. Auch jenen Obdachlose, die nicht in eine Notunterkunft gefahren werden wollten, gebe der Kältebus ein gutes Gefühl, sagt Hartkopf: „Sie wissen, dass jemand unterwegs ist und nach ihnen schaut.“

Auch Polizei und Feuerwehr rufen den Kältebus

Zahlreiche Anrufe gingen nach ihren Angaben auch von der Polizei ein mit der Bitte, einen Obdachlosen zu versorgen oder in eine Notunterkunft zu bringen. Auch Rettungssanitäter der Feuerwehr seien froh darüber, dass sie nun den Kältebus anrufen können. Denn oft werden sie zu hilfsbedürftigen Obdachlosen gerufen, die aber aus medizinischer Sicht kein Notfall sind. „Die Stadt ist unser größter Zulieferer“, sagt Kältebus-Fahrer Ronald Kelm gegenüber Hinz&Kunzt. Offiziell wollten Feuerwehr und Polizei sich dazu nicht äußern.

„Dieser Bus schließt eine Lücke.“– Axel Mangat, Bahnhofsmission

In der Bahnhofsmission hat der Kältebus für Erleichterung gesorgt, sagt ihr Leiter Axel Mangat. Seine Mitarbeiter vermitteln hilfesuchende Obdachlose an die Notunterkünfte der Stadt – doch die sind inzwischen weiter vom Hauptbahnhof entfernt als früher. Bis zum Winternotprogramm in der Friesenstraße sind es immerhin mehr als zwei Kilometer. „Unsere Sorge ist immer: Kommt derjenige dort auch an?“, sagt Mangat. Natürlich gebe es auch Menschen, die das alleine nicht schaffen würden. In Einzelfällen hätten seine Kolleginnen und Kollegen deshalb auch schon selbst Obdachlose in die Einrichtungen gefahren – was personell aber nicht immer möglich sei, sagt Mangat: „Dieser Bus schließt eine Lücke.“

Lesen Sie eine ausführliche Reportage über einen Abend im Kältebus in unserer Februar-Ausgabe.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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