Kein Konto für jedermann

Banken verdienen, Betroffene und der Staat zahlen drauf.
Zahlen des Monats

(aus Hinz&Kunzt 232/Juni 2012)

9,03

Millionen Euro mussten Arbeitslose vergangenes Jahr von ihrem knappen Geld an Banken zahlen, weil sie über kein
eigenes Konto verfügen. In diesen Fällen zahlen Jobcenter oder Arbeitsagentur ihre Unterstützung per Verrechnungsscheck aus. Dessen Einlösung kostet einen Hilfeempfänger im Schnitt 7,10 Euro, so die Bundesagentur für Arbeit (BA).
In mehr als 90 Prozent der Fälle trifft es Langzeitarbeitslose, die nur 374 Euro im Monat zum Leben haben.

1,84

Millionen Euro zahlte der Staat vergangenes Jahr an die Banken, vor allem, damit Menschen
ohne Konto Kindergeld erhalten. Bei einer Anhörung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages
empfahl die BA deshalb, „das Recht auf Führung eines Girokontos gesetzlich zu regeln“.

Zwar haben sich die Geldinstitute in Deutschland schon vor vielen Jahren dazu verpflichtet, jedem,
der es wünscht, ein Konto auf Guthabenbasis einzurichten („Konto für jedermann“). Doch werden Menschen
mit negativen Schufa-Einträgen oder Schulden trotzdem immer wieder vor die Tür gesetzt.

670.000

Menschen sind laut Europäischer Kommission bundesweit betroffen. Die Kommission will Banken
in der Europäischen Union nun gesetzlich dazu verpflichten, Kunden mindestens ein Guthabenkonto
einzurichten. Entsprechende Forderungen von Schuldnerberatern hatte die Bundesregierung in der Vergangenheit
immer wieder abgelehnt. Nun hieß es, die Regierung begrüße den Vorstoß der Kommission.

Mehr Infos: http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a07/anhoerungen/2012/086/Stellungnahmen/index.html

Text: Ulrich Jonas; Illustration: Grafikdeerns

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