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Steigende Wohnungslosigkeit

284.000 Menschen ohne Wohnung

5. August 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Zahl der Wohnungslosen steigt an: Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) hatten im vergangenen Jahr 284.000 Menschen keine Wohnung. Die Gründe aus Sicht der BAG W:  Hohe Mieten und wachsende Armut.

Grafik_BAGW

Nach Schätzungen der BAG Wohnungslosigkeit stieg die Zahl der Wohnungslosen in den letzten Jahren wieder deutlich an.

Seit 2010 ist die Zahl der Wohnungslosen in der Bundesrepublik um 15 Prozent angestiegen. 2012 hatten nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) 284.000 Menschen keine Wohnung. Ein Ende der Entwicklung sei nicht in Sicht: 2016 könnten bereits 380.000 Menschen ihre Wohnung verloren haben.

„Steigende Mieten und Verarmung der Bevölkerung“ seien die Ursachen für die Entwicklung, so Werena Rosenke, stellvertretende Geschäftsführerin der BAG W zu Hinz&Kunzt. „Der soziale Wohnungsbau existiert kaum noch“, sagt Rosenke. In vielen Großstädten seien günstige Mieten bereits Mangelware. „Die Situation wird sich weiter verschärfen. Denn überall laufen die Preisbindungen für bestehende Sozialwohnungen aus.“

Zahlreiche Empfänger von Hilfeleistungen würden bereits einen Teil der Miete aus ihrem Regelsatz bestreiten. 630 Millionen Euro Wohnkosten haben Hartz-IV-Empfänger in Deutschland im vergangenen Jahr selbst übernommen. „Das sind Hilfeempfänger, die ihre Wohnung behalten wollen und auf einen neuen Job hoffen“, so Rosenke.

Um den weiteren Mietanstieg zu stoppen, fordert die BAG W die Einführung einer Mietpreisbremse: Bei Neuvermietungen soll die Miete bei zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete gedeckelt werden. In Hamburg hat der Senat inzwischen reagiert und erste Schritte zur Regulierung bei bestehenden Mietverträgen unternommen: Ab September dürfen Vermieter den Mietzins nur noch um 15 Prozent in drei Jahren erhöhen, anstatt wie bisher um 20 Prozent.

Allein im vergangenen Jahr haben nach Schätzungen der BAG W bundesweit 65.000 Menschen ihre Wohnung verloren. Der Anteil der durchgeführten Zwangsräumungen liegt allerdings nur bei 38 Prozent. „Vielfach verlassen überschuldete Mieter vorzeitig ihre Wohnung“, so Rosenke. Entsprechend steige nicht nur die Zahl der Wohnungslosen an, sondern auch die der Menschen, die auf der Straße leben:  Schätze Die BAG W die Zahl der Obdachlosen 2010 noch auf 22.000 Menschen, seien es im vergangenen Jahr schon 24.000 gewesen.

Laut der letzten, offiziellen Zählung in Hamburg lebten 2009 hier 1029 Menschen auf der Straße. Aber nicht nur in Hamburg existieren keine aktuellen Zahlen. Die nun vorgestellten Zahlen der BAW G beruhen auf Schätzungen. Seit Jahren fordert die BAG W eine gesetzlich geregelte bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung, um verlässliche Zahlen zur Situation der Obdachlosen in Deutschland zu erhalten.

Text: Jonas Füllner
Grafik: BAG W

2 Kommentare
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  1. Hm. Die Sache ist mit Vorsicht zu genießen, denn sie lässt einige Aspekt aus. Es klingt ganz so, als müssten die Menschen (meist aus Überschuldung) ihre Wohnungen verlassen – und auf der Straße leben – weil die Mieten zu hoch sind und ständig steigen.

    Das sagt aber nichts darüber aus, WO, in welcher Kommune so etwas stattfindet … und welche Alternativen es für die Leute geben könnte, etwas an den Stadträndern oder im Süden Hamburgs (Finkenwerder z.B.).

    Es sagt auch nichts darüber aus, weshalb es zur Überschuldung und zum ALGII-Bezug kam. Weshalb wurde keine Schuldnerberatung angestrengt? Wie ist die Sache mit den 1-Euro-Maßnahmen.

    Die Sache ist schlimm, aber die Zusammenhänge komplex. Wenn jemand auf die Straße muss/zieht, liegt es in der Regel nicht nur an der unbezahlbaren Miete.

  2. […] Wohnungslosigkeit: http://www.hinzundkunzt.de/wohnungslosigkeit-in-deutschland/ Hinz und Kunzt […]

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