Wohncontainer

Warten auf einen warmen Platz

Die Tagesaufenthaltsstätte Bundesstraße (TAS) vergibt 82 Containerplätze im Rahmen des Winternotprogramms der Stadt. Die Nachfrage ist riesig: Manche Bewerber campieren schon in der Nacht vor der TAS. Sie wollen nur eins: einen warmen Platz für den Winter ergattern.

Einen Ansturm hatten die Mitarbeiter der TAS erwartet.  Sogar zwei Security-Mitarbeiter sind vor Ort. Denn: Heute vergeben sie hier die begehrten Containerplätze des Winternotprogramms. 82 davon gibt es dieses Jahr. Die meisten davon in Kirchengemeinden.

 

Im vergangenen Jahr drängelten sich 140 Menschen um damals 94 Plätze. Alle standen zur gleichen Zeit vor der TAS. Es kam zu Tumulten. In diesem Jahr haben die Mitarbeiter die Vergabe entzerrt: Erst gibt es eine Wartenummer, später wird man anhand dieser Nummer zum Gespräch gebeten.

Die Nachfrage ist auch in diesem Jahr wieder riesig: Sozialarbeiter Nikolas Borchert: „35 Menschen haben vor unserer Tür übernachtet. Das sind weitaus mehr als im letzten Jahr.“ Die ersten Interessenten bekommen schon um kurz nach 6 Uhr eine Nummer in die Hand gedrückt. Borchert: „Aber die Nummer garantiert noch keinen Platz.“

Der Sozialarbeiter achtet bei der Auswahl darauf, dass er das Verhalten der Bewohner einschätzen kann. Auch solide Deutschkenntnisse sind ein Plus. Denn: Meist betreuen Ehrenamtliche die Bewohner in den Containern. Da ist es wichtig, dass man sich verständigen kann. Und: Die Ehrenamtlichen wären mit psychisch Kranken und Abhängigen überfordert. Daher kommen diese Personen nicht als Kandidaten infrage.

Anders als Paare, die einen gemeinsamen Platz im Container suchen. Zwölf hat Nikolas Borchert gezählt – auch mehr als im vergangenen Jahr. Bloß: Der Sozialarbeiter kann nur drei Paar-Plätze vergeben. Magda und Toni hoffen, dass sie einen davon ergattern. Seit zehn Jahren leben die 31-Jährige und ihr 15 Jahre älterer Freund auf der Straße. Vergangenes Jahr haben sie in einem Wohnwagen überwintert. Das hat Toni sehr zu schaffen gemacht. „Ich habe Rheuma. Die Feuchtigkeit im Winter ist das Schlimmste.“

Glück und Leid nach der Vergabe der Containerplätze

Um 9 Uhr beginnt die Vergabe. Günther, ein großgewachsener Brillenträger, hat die frühe Nummer 7. Er hat sich auch die Nacht vor der TAS um die Ohren geschlagen. Jetzt kommt er strahlend aus dem Büro von Nikolas Borchert. Er hat den Platz bekommen. In Poppenbüttel. Jetzt hofft er nur noch, dass er sich mit seinem Container-Nachbar verträgt. Den kennt er noch nicht. „Man weiß ja nie, mit wem man da zusammen kommt“, sagt Günther, bevor er geht. Auch Magda und Toni hatten Glück. Sie werden ihren Winter im Container am Rauhen Haus verbringen.

Um 15 Uhr hat Nikolas Borchert bis auf einen Platz alle vergeben. Über 100 Menschen waren bei ihm. 30 hat er in die neue Notunterkunft in der Spaldingstraße geschickt. Für den Sozialarbeiter endet ein langer Arbeitstag: Er ist seit 5 Uhr morgens hier. „Das ist emotional alles sehr anstrengend. Ich musste viel diskutieren und auch trösten, wenn es nicht mit einem Platz geklappt hat.“ Nichts zu tun hatten hingegen die beiden Security-Mitarbeiter: Alles ist ruhig geblieben.

Text: Simone Deckner
Fotos: Beatrice Blank

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