Brandstifter geständig

War Flüchtlingshaus marode?

Nachdem ein 13-Jähriger die Brandstiftung in der Altonaer Flüchtlingsunterkunft gestanden hat, rückt nun der Zustand des Hauses in den Fokus. Offenbar gelangte der Brandstifter durch die offene Haustür in das Treppenhaus, denn unter anderem soll das Schloss seit Jahren defekt gewesen sein. 

fluechtlingshaus
An der Rückseite des Gebäudes in der Eimsbütteler Straße sind deutliche Risse im Putz zu sehen.

Das todbringende Feuer in einer Altonaer Flüchtlingsunterkunft ist offenbar aufgeklärt: Durch die Aussage einer Zeugin hat die Polizei einen 13-jährigen Jungen ermittelt, der Mitglied der Jugendfeuerwehr ist. Er soll am Freitagabend gestanden haben, den Brand in der Eimsbütteler Straße gelegt zu haben. Bei dem Feuer kamen eine aus Pakistan stammende 33-jährige Frau und ihre beiden 6 und 7 Jahre alten Söhne ums Leben, zahlreiche andere Bewohner wurden verletzt. Nachdem bereits in der vergangenen Woche zahlreiche Anwohner Blumen vor dem Haus niedergelegt hatten, zogen am Samstag etwa 800 Menschen in einem Trauermarsch vom S-Bahnhof Sternschanze dorthin. Am Sonntag hatte auch Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) vor Ort seine Anteilnahme ausgedrückt.

Der mutmaßliche Brandstifter wird nun im Universitätsklinikum Eppendorf psychiatrisch betreut. Wie auch die Polizei geht der Leiter der dortigen Kinder- und Jugendpsychiatrie davon aus, dass der Junge das Feuer nicht aus politischen Gründen gelegt hat. In einer Erklärung, die der Klinikdirektor in Absprache mit den Angehörigen abgegeben hat, ist von einem „ungerichteten aggressiven Impuls“ als Ursache für die Brandstiftung die Rede: „Am Mittwoch hatte er für alle unvorhersehbar und plötzlich den Impuls, Papier in einem ihm unbekannten Haus anzuzünden. Die Folgen seines Handelns waren ihm nicht klar.“ Sein Patient habe keinesfalls das Haus anzünden wollen, so der Klinikdirektor.

Defektes Türschloss ermöglichte Jedermann Zutritt

In den Fokus rückt nun der marode Zustand des Hauses. Der Brandstifter konnte das Treppenhaus offenbar nur deswegen betreten, weil das Türschloss seit längerem defekt war. „Im Flur hingen Kabel aus der Wand, die Leitungen waren überlastet, immer wieder explodierten Glühbirnen“, sagte die flüchtlingspolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, Christiane Schneider, nach einem Gespräch mit Hausbewohnern. Auch gegenüber Hinz&Kunzt hatten Anwohner sich über den schlechten Zustand des Hauses beschwert. Schneider kritisierte, dass Beschwerden der Bewohner im Sande verlaufen wären: „Die Stadt muss die Sicherheit der Menschen gewährleisten, die hier Zuflucht suchen.“

Der städtische Unterkunftsbetreiber fördern und wohnen (f&w) hat das Haus von einem privatem Vermieter angemietet, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Dieser Vermieter sei auch dafür verantwortlich, sich um den Gebäudezustand zu kümmern, sagte f&w-Sprecherin Christiane Schröder zu Hinz&Kunzt. Ob bei f&w Beschwerden der Bewohner eingegangen sind und wie das städtische Unternehmen die Instandhaltung der gemieteten Gebäude überprüft, blieb zunächst offen. Eine Antwort wurde für Dienstag angekündigt.

Die Linksfraktion hat Schriftliche Kleine Anfragen an den Senat zum Zustand des Hauses gestellt und angekündigt, ihn in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch zu thematisieren.

Text und Foto: Benjamin Laufer

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