Tipps und Termine

Zwerge, Mafia und Rockmusik

Alternative Veranstaltungstipps: Für die Verkäufer-Ausgabe haben wir unsere Hinz&Künztler nach ihren Favoriten aus Kunst und Kultur befragt. Und über die vielen Tipps von richtig spannend bis ziemlich schräg ganz schön gestaunt.

gitarre

Musik
MEISTERHAFT

Wenn Frank einen Wunsch frei hätte, wäre klar, was er sich wünschen würde: So Gitarre spielen zu können wie Tommy Emmanuel. Den australischen Akustik-Gitarristen bewundert er schon lange. Der ist nämlich in der Lage, auf seinem Instrument Bassläufe, Akkorde und Melodie gleichzeitig zu spielen. „Zum Teil hast du echt das Gefühl, da spielen zwei Leute“, sagt Frank. Deshalb hat der 51-Jährige schnell aufgegeben, als er sich neulich Noten von Emmanuel aus der Bücherhalle ausgeliehen und versucht hat, sie nachzuspielen. „Da muss ich wohl noch ein paar Jährchen üben“, sagt er grinsend. Und außerdem immer wieder die DVDs mit Konzerten des Meisters ansehen: „Das lohnt sich wirklich.“

Tommy Emmanuel: Live at Sheldon Concert Hall, DVD, 29,95 Euro


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ABSURD

Achim überlegt nicht lange, als er nach einem Kulturtipp gefragt wird. „Hier“, sagt der 48-Jährige und knallt einen Roman von Terry Pratchett auf den Tisch. Der britische Autor hat mehr als 30 Bücher mit Geschichten aus der fiktiven „Scheibenwelt“ geschrieben. Diese Welt ist flach und wird von vier Elefanten getragen, die ihrerseits auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen. „Gerade lese ich ‚Fliegende Fetzen‘, aber die ganze Reihe ist gut“, sagt Achim, der seinen Stammplatz am Alsterhaus hat. „Das ist toller Humor.“ Denn mit den Abenteuern von Zwergen, Kobolden und Zauberern nimmt Pratchett nicht nur das Fantasy-Genre auf die Schippe, sondern auch die reale Welt und ihre vielen Absurditäten.

Terry Pratchett: Fliegende Fetzen. Goldmann Verlag, 448 Seiten, 8,95 Euro


Ausflug
MARITIM

Wahrzeichen des Ostsee-Hafens

„Er hat mol den Lübecker Veermaster seh’n …“ Oder wie ging noch gleich das Lied? Holger jedenfalls schwärmt nicht, wie es eigentlich im Text heißt, vom Hamburger Veermaster, sondern von der Passat – und dieses stolze Schiff mit seinen vier Masten liegt eben am Priwallufer in Lübeck-Travemünde und ist heute Wahrzeichen des Ostsee-Hafens. „Ein Ausflug dorthin ist gerade im Sommer besonders schön“, findet Holger, der „seine“ Passat regelmäßig besucht. Das ehemalige frachtfahrende Segelschulschiff war schon in Chile, Australien und Uruguay. Dieses Jahr feiert die Passat ihren 100. Geburtstag. Sie kann noch bis Ende Oktober täglich besichtigt werden. „Außerdem finden immer wieder Veranstaltungen statt und man kann auf der Passat sogar heiraten“, weiß Holger, der als Ingenieur­assistent selber viele Jahre auf dem Meer unterwegs war. „Ich bin allerdings nur auf Motorschiffen gefahren“, sagt der 71-Jährige. Sein besonderer Tipp: Wer nach der Erkundung der Passat nicht genug bekommt von dem Schmuckstück und der ganzen Hafenatmosphäre, der legt sich einfach nieder – in eine der 102 Kojen, die zum Übernachten auf der 115 Meter langen Viermastbark bereitstehen.

Viermastbark Passat, Am Priwallhafen, Lübeck-Travemünde, Infos unter www.ss-passat.com


Musik
ROCKIG

Werner glaubt man auf Anhieb, dass er auf Rockmusik steht. Der 53-Jährige trägt die Haare lang, den Dreitagebart stachelig und die Jeansjacke abgewetzt. Und er empfiehlt die dazu passende Musik: das aktuelle Album der australischen Hard-Rock-Band Airbourne. „An denen ist alles gut“, schwärmt Werner, der vor zwei Jahren ein Konzert der Gruppe gesehen hat. „Gute Show, harte Riffs und ein Sound wie die frühen AC/DC“, fachsimpelt der Rockmusik-Fan. Werner freut sich auch schon auf das Konzert von Airbourne beim diesjährigen – längst legendär gewordenen – Festival im schleswig-holsteinischen Wacken. „Das wird der Höhepunkt meines Jahres“, sagt er.

Airbourne: No Guts. No Glory. Roadrunner Records, etwa 9 Euro. Das „Wacken Open Air“ ist bereits ausverkauft


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GRUSELIG

„Wer diese Geschichten nicht kennt, verpasst was“, sagt Marcus. Seine Freundin Veronika nickt. „Die sind echt spannend geschrieben.“ Beide Hinz&Künztler sind überzeugte Fans der Abenteuer von John Sinclair, dem Geisterjäger von Scotland Yard. Helmut Rellergerd, der Erfinder der Romanfigur, schreibt die Gruselgeschichten unter seinem Pseudonym „Jason Dark“ schon seit 1978 – jede Woche ein neues Romanheft. Marcus (31) und Veronika (30) haben die Hefte lange gesammelt, sie durch den Verlust ihrer Wohnung aber alle verloren. „Mittlerweile hätten wir bestimmt vier große Umzugskisten voll“, sagt Marcus traurig. Zum Glück gibt es nächste Woche wieder einen neuen Gruselroman.

Jason Dark: Geisterjäger John Sinclair, Bastei Verlag, jede Woche neu, 1,60 Euro


Musik
MAFIÖS

„Das ist aber nix für jeden“, sagt Günther, als er von seiner Lieblings-CD erzählt, „Il canto di malavita“, frei übersetzt: Der Gesang der Unterwelt. Darauf sind echte Mafia-Lieder zu hören, gespielt auf alten Instrumenten, gesungen im kalabrischen Dialekt. „Den verstehe selbst ich kaum, obwohl ich zehn Jahre dort gelebt habe“, sagt Günther. Bis 2008 hat der 40-Hährige in Kalabrien als Erntehelfer Weintrauben, Oliven und Orangen gepflückt. Er liebt die getragenen Melodien, die kaum nach Mord und Totschlag klingen, dafür nach Sonne und Spaghetti.

Il canto di malavita – La musica della Mafia. Rough Trade Records, nur noch gebraucht erhältlich, z. B. bei Amazon.


Ausflug
WILD

Wie im Wilden Westen

Ab und an zieht es Harald in den Wilden Westen. Der Motorradfan ist regelmäßiger Besucher von Pullman City, einer komplett nachgebauten Western-Stadt im Oberharz. Hier gibt es Cowboys und Indianer, amerikanisches Essen, Pferde und einen richtigen Saloon. Harald kommt aber vor allem an den Wochenenden. „Wenn auch die ganzen anderen Verrückten da sind“, sagt der 55-Jährige. Denn in Pullman City treffen sich auch Biker und Fans von Hot Rods oder Chevrolets, um sich auszutauschen, mit Ersatzteilen zu handeln und über Motoren zu fachsimpeln. „Dann ist es da rappelvoll“, sagt Harald. Und an seinem Grinsen sieht man: Er freut sich schon auf das nächste Mal.

Westernstadt Pullman City, bei Hasselfelde im Oberharz, geöffnet täglich von10–1 Uhr, 13/9 Euro, Familienkarte 30 Euro, Infos unter www.pullmancity.deSchmökern


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SPANNEND

„Es ist eine unwahrscheinlich faszinierende Geschichte“, sagt Hans-Peter begeistert. Der 59-Jährige, der beim Ikea in Schnelsen verkauft, ist ein großer Fan des Romans „Jagd auf Roter Oktober“ von Tom Clancy – die Geschichte eines sowjetischen U-Boot-Kommandeurs, der mit einem neuen Super-U-Boot zu den Amerikanern überlaufen will. „Ich habe das schon vielen Leuten empfohlen, und alle meinten hinterher, ich hätte recht gehabt“, sagt Hans-Peter. Vor einiger Zeit hat er auch die Verfilmung gesehen, mit Sean Connery in der Hauptrolle. „Ich war selten so gefesselt von einem Film“, sagt Hans-Peter. „Ich mag Thriller und Actionfilme nämlich nur, wenn die auch schauspielerisch gut sind. Und dieser Film ist der Renner.“

Tom Clancy: Jagd auf Roter Oktober, Heyne Taschenbuch, 496 Seiten, 6 Euro. Den Film gibt es auf DVD, etwa 7 Euro.


Vogelparkbewohner

Ausflug
GEFIEDERT

Marcel war zwölf Jahre alt, als er mit seinen Pflegeeltern den Vogelpark Walsrode besucht hat. Besonders hat ihn damals ein Beo beeindruckt, der wirklich sprechen konnte. Aber auch an die Geier und Adler, die während einer Show gefüttert wurden, erinnert sich der 38-Jährige gut. „Ich wollte eigentlich irgendwann noch mal hinfahren“, sagt Marcel. „Der Vogelpark ist für jedermann was.“

Weltvogelpark Walsrode, Anreise per Auto oder mit der Bahn bis Walsrode, 16/11 Euro, Familienkarte 48 Euro, Infos unter www.weltvogelpark.de


Umsonst
FESTLICH

Schon die Anreise lohnt sich. Hinz&Kunzt-Vertriebsmitarbeiter Jörg empfiehlt: „Mit dem Boot kommen! Auf der Elbe flussaufwärts fahren, in die Dove Elbe abbiegen und von dort bis zum Eichbaumsee schippern.“ Dort findet man das August-Highlight des 56-Jährigen: das Wutzrock-Festival. „Drei Tage tolle Musik auf zwei Bühnen, Kleinkunst und Familienprogramm – in wunderschöner Umgebung und komplett kostenlos.“ Schon seit 1979 zieht das Festival treue Fans nach Allermöhe. Auch Jörg kommt seit 20 Jahren immer wieder. „Einmal sollten wir mit unserer Band Restakzent sogar selbst auftreten.“ Leider hat das dann doch nicht geklappt: „Unser Gitarrist saß da gerade im Knast.“

Wutzrock-Festival, 26.–28.8. Anfahrt mit dem Boot oder der S-Bahn bis Mittlerer Landweg, von dort fährt ein Shuttle-Service. Infos unter www.wutzrock.de


Musik
MENSCHLICH

Das mit der Namensänderung findet Hans albern. Warum Cat Stevens heute Yusuf Islam heißen will, versteht der 60-Jährige nicht. „Das Wesen einer Person bleibt doch gleich, egal ob sie Karin oder Marie heißt.“ Aber diese Musik, die Musik von Cat Stevens, verzaubere ihn immer noch. „Gerade eben erst habe ich im Radio Lady D’Arbanville gehört. Mit Abstand mein Lieblingsstück“, sagt Hans. Da haut einfach alles hin, findet er. „Das Lied hat Seele, es erzählt etwas aus dem Leben, es ist menschlich“, erklärt er. „Und der Text regt zum Nachdenken an.“ Hans hat lange bei seiner damaligen Freundin in Harvestehude gelebt, bis er eines Tages von ihr „einfach vor die Tür gesetzt“ wurde. Hans macht sich generell viele Gedanken, vor allem um seine Zukunft. Zurzeit bewohnt er ein Zimmer in der Notunterkunft Sportallee, ist dankbar für dieses Hilfsangebot, will aber so schnell wie möglich wieder eine eigene Wohnung finden. „Und das schaffe ich auch“, sagt er „Ich bin ein Stehaufmännchen.“ Vielleicht sogar einmal mit viel Geld auf dem Konto. Hans weiß auch schon, was er dann damit machen würde: „Kindern helfen. Die brauchen das am dringendsten.“

Cat Stevens, Lady D’Arbanville, z. B. auf der CD „Very Best of Cat Stevens“, etwa 14 Euro


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VERRÜCKT

Was Feldermaus mag


„In Washington ist es verboten, auf einem hässlichen Pferd zu reiten“, liest Fledermaus vor und lacht. In der Hand hält sie ein Buch mit goldener Aufschrift: Nackt duschen streng verboten. „Das Buch habe ich mir heute Morgen geliehen, jetzt habe ich es schon fast durch“, sagt die 35-Jährige. Schon den ganzen Tag unterhält sie ihre Freunde mit den verrücktesten Gesetzen der Welt. „In New York können Selbstmörder, die vom Dach eines Gebäudes springen, zum Tode verurteilt werden.“ Fledermaus blättert sich weiter durch die Welt absurder Paragraphen.

Roman Leuthner: Nackt duschen streng verboten. Die verrücktesten Gesetze der Welt.
Bassermann Verlag, 144 Seiten, 4,95 Euro

Umsonst
SPEKTAKULÄR

Eigentlich steht Klaus gar nicht so sehr auf laute Rockmusik. Aber wenn sie in der Nähe seines Stammplatzes beim Karstadt in der Mönckebergstraße spielt und man auch noch umsonst zuhören kann, ist der 45-jährige Österreicher dabei. So wie beim Rockspektakel, das die Betreiber der legendären Konzertbühne Logo schon seit 1988 auf dem Rathausmarkt veranstalten. „Da gibt’s immer tolle Gruppen und super Musik, und alles umsonst“, sagt Klaus begeistert. Größen wie die H-Blockx, Selig und Nina Hagen waren schon da. Und längst ist beim Spektakel nicht mehr ausschließlich reine Rockmusik erlaubt: Für dieses Jahr hat sich zum Beispiel der Rap- und Reggaemusiker D-Flame angesagt. Da soll keiner sagen, das wär nichts für ihn!

Rockspektakel, 12.–14.8., Hamburger Rathausmarkt, Eintritt frei, weitere Infos unter www.rockspektakel.de


Musik
ZEITLOS

Als Vera vor einiger Zeit eine CD-Box mit deutschem Rock aus den 70er-Jahren kaufte, wollte sie sie eigentlich einem Freund schenken. Doch dann gefielen ihr einige der Lieder, vor allem „Pik As“ von Sonny Hennig. „Das hat mich angesprochen “, sagt die 55-Jährige. „Ich finde, der Text drückt gut aus, wie mit Obdachlosen umgegangen wird.“ Hennig besingt den Alltag in der Hamburger Notunterkunft Pik As – zu einer Zeit, als es dort riesige Schlafsäle gab und die Zustände katastrophal waren. So schlimm ist es im Pik As zum Glück schon lange nicht mehr, aber Vera findet das Lied trotzdem aktuell. Vor allem den Schluss: „Doch jedes Land auf dieser Erde/Und ist es da auch noch so schön/Muss sich verdammt daran messen lassen/Wo seine ärmsten Menschen stehen.“

Krautrock – Music for your Brain Vol. 4, Sony, 6 CDs für etwa 50 EuroPIK as


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