GLS-Bank

„Unsere Bank kann nicht implodieren“

Zum vierten Mal in Folge wurde die GLS Bank zur Bank des Jahres gekürt. Ein Gespräch mit dem Hamburger Regionalleiter Dirk Grah.

(aus Hinz&Kunzt 251/Januar 2014)

Die GLS Bank sieht sich sozial in der Verantwortung, sagt Regionalleiter Dirk Grah. Zurzeit arbeitet  das Geldinstitut an einem Konto für Jedermann – auch für Überschuldete – mit Prepaid-Kreditkarte.
Die GLS Bank sieht sich sozial in der Verantwortung, sagt Regionalleiter Dirk Grah. Zurzeit arbeitet das Geldinstitut an einem Konto für Jedermann – auch für Überschuldete – mit Prepaid-Kreditkarte.

Hinz&Kunzt: Vor der Finanzkrise war die GLS Bank ein Paradiesvogel unter den Banken, man wusste nicht so recht: Ist das eine echte Bank oder nicht doch eher eine Hilfsorganisation. Was haben Sie richtig gemacht?
Dirk Grah: Wir haben 40 Jahre lang die Bank entwickelt von einer „Non-Profit“- Bank zu einer Vollbank für Nachhaltigkeit. In der Finanzmarktkrise sind dann viele Menschen auf uns aufmerksam geworden, weil wir nicht spekulieren und zum Beispiel keine Leerverkäufe machen. Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Bank aufgrund dieses Nachhaltigkeitsansatzes deshalb nicht implodieren kann. Wir haben gewusst: Das ist eine einmalige historische Chance, mit den Menschen, die sich für ein alternatives nachhaltiges Bankwesen interessieren, in einen Dialog zu kommen.

Über was denn?
Menschen fangen an, darüber nachzudenken, dass sie eine Verantwortung dafür haben, wie sie ihr Geld anlegen, selbst wenn es nur 1000 Euro sind. Dass es an mir liegt, ob Banken mit meinem Geld Atomkraftwerke oder Waffen finanzieren oder eben zukunftsweisende Investitionen.

„Wir müssen weg vom Casino-Kapitalismus – hin zu einem nachhaltigen Banking.“

Das hört sich für den Kunden anstrengend an.
Man kann auch nicht ständig Verantwortung ausüben, man hat ja auch noch etwas anderes zu tun. Aber viele Anleger hatten damals viel Geld verloren. Da sind viele aufgewacht: Jetzt den großen Zinssätzen hinterherzujagen, das muss aufhören, und wir müssen weg vom Casino-Kapitalismus – hin zu einem nachhaltigen Banking. Und wenn man so denkt, ist man relativ schnell bei einer Bank wie unserer.

Zwischenzeitlich gab es eine Art Aufnahmestopp…
Einen Aufnahmestopp gab es nie. Aber wir bekommen von den Anlegern Geld und gleichzeitig den Auftrag, das Geld sinnvoll anzulegen. Bei dem starken Wachstum, welches wir in den vergangenen Jahren hatten, ist es nicht einfach, die geeigneten Mitarbeiter zu finden, und bis diese eingearbeitet sind, vergehen schnell zwei Jahre. Dann müssen wir natürlich auch die geeigneten Projekte finden, die unseren Qualitätsanforderungen entsprechen. Aber nein, wir freuen uns nach wie vor über jeden neuen Kunden.

„Du kriegst normale Verzinsung, aber vielleicht hast du den Wunsch oder die Möglichkeiten, auf einen Teil der Zinsen zu verzichten.“

Dass Sie immer mehr zu einer normalen Bank werden, birgt aber auch die Gefahr, dass Sie anfangen, normale Fehler zu machen, oder?
Wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie die Ökobank seinerzeit. Als die stark gewachsen ist, haben sie in ein Projekt viel Geld gesteckt. Wenn dieses Projekt dann scheitert, dann scheitert die ganze Bank. Sie müssen ihre Risikotragfähigkeit – so heißt das – im Blick haben. Da sind wir nach wie vor sehr konservativ und risikoscheu. Zinsen und Rendite – diese Worte kamen anfangs im GLS Wortschatz nicht wirklich vor.

Das hat sich geändert. Warum?
Weil die Kundeneinstellung sich geändert hat. Als die Bank gegründet wurde in den 60er-Jahren, waren wir ja eher eine karitative Einrichtung: Wir vergaben Kredite an vorwiegend gemeinnützige Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind. Deshalb bekamen sie zinslose Kredite. Wir suchten deswegen Anleger, die ihr Geld mit wenig Zinsen anlegen. Die Bank muss wiederum ihre Kosten decken, dieser Kostendeckungsbeitrag wurde auf die Kreditnehmer umgelegt. Früher konnte man ankreuzen: Ich will keine Zinsen oder ich will eine Verzinsung. Heute fragt man eher andersherum: Du kriegst normale Verzinsung, aber vielleicht hast du den Wunsch oder die Möglichkeiten, auf einen Teil der Zinsen zu verzichten. Damit wird dann ein Förderzinssatz refinanziert.

„Wir sehen, dass wir auch eine soziale Verantwortung haben.“

Wie etwa bei dem Sparbrief, bei dem Ihre Kunden ihre Zinsen an Hinz&Kunzt verschenken können. Aber einen Makel hat die GLS Bank doch: Wir fordern ja ein Konto für jedermann, also auch für verschuldete Menschen. Bei der GLS gibt es das nicht.
Bei einer Girokonto-Eröffnung muss die Schufa-Auskunft so ausfallen, dass wir in der Lage sind, auf dem Postwege ein Konto zu eröffnen. Wenn aufgrund der Papierlage klar wird, das geht nicht – weil bei uns eine EC-Karte ja sofort Kreditfunktion hat, dann wird das abgelehnt.

So reden sich alle Banken raus.
Wir sind uns dieses Defizits sehr bewusst und arbeiten gerade an einer Lösung. So werden momentan bei uns alle Kontenmodelle überarbeitet und es soll dann auch ein Konto für jedermann mit einer Prepaid-Kreditkarte geben.

Das ist ja eine schöne Überraschung.
Wir sehen, dass wir auch eine soziale Verantwortung haben. Ein anderer Ansatz war vor einigen Jahren die Gründung des Deutschen Mikrofinanzinstitutes. Über die DMI Mikrofinanzierer werden Mikrokredite vergeben, die dann von der GLS Bank technisch abgewickelt werden.

Interview: Birgit Müller
Foto: Dmitrij Leltschuk

GLS Projektsparbrief „Hinz&Kunzt“: Legen Sie Ihr Geld in unserem Sparbrief an und Hinz&Kunzt erhält automatisch eine ­Zinsspende. Weitere Informationen unter www.huklink.de/gls

4 Kommentare zu “„Unsere Bank kann nicht implodieren“

  1. Hallo,

    ein sehr schöner Artikel (ich habe ihn zuerst in der Druckausgabe gelesen). Nun würde ich ihn gerne mit Freunden in ganz Deutschland teilen. Schade, dass man ihn hier nur anlesen kann!
    Ich glaube nicht, dass Euch Einnahmen entgehen, wenn Ihr alles online stellt. Im Gegenteil, ist doch eine tolle Eigenwerbung.

    Was ich mich beim Lesen gefragt habe, ist, warum Ihr ( Hinz&Kunzt) Euer Konto eigentlich noch bei der Haspa habt!

    Viele Grüße,
    Frederik

  2. Hallo Frederik,
    wir handhaben es so, dass die Artikel vollständig online zu lesen sind, sobald die nächste Hinz&Kunzt-Ausgabe erscheint. Ab 1. Februar ist also auch dieses Interview vollständig in unserem Archiv verfügbar.

    Zu der anderen Frage: Unser Spendenkonto bei der Haspa besteht seit 20 Jahren, für viele Spender, die Hinz&Kunzt seit langer Zeit begleiten, ist es eine gute Gewohnheit. Deswegen wollen wir das beibehalten. Nichtsdestotrotz arbeiten wir eng mit der GLS-Bank zusammen und freuen uns über Spenden von Konten aller Geldinstitute 😉

    Viele Grüße aus der Online-Redaktion
    Beatrice Blank

  3. Ich bin seit einigen Jahren Kundin der GLS Bank und habe den Wechsel nie bereut. Zumindest kann ich sicher sein, das mit meinem Geld keine Waffengeschäfte oder ähnliche Sauereien finanziert werden. Und wenn ich bei meiner Bank anrufe lande ich nicht in irgendeinem Call-Center irgendwo auf der Welt, sondern direkt in Bochum, wo mir bisher immer sofort und freundlich geholfen wurde.

  4. Ende der 80er habe ich mich tierisch über die Dresdner Bank ärgern müssen. Ich wohnte auch noch am Merianplatz obendrüber.
    Die Ökobank eröffnete zu dieser Zeit ein paar Meter weiter in Ffm-Bornheim. Etwas befremdlich war damals, dass man am Schalter mit einem Bänker, der ein ärmelloses Hemd, Glatze, tätowierte Arme, fröhlich geduzt wurde. Weil sich damals die Grünen halbwegs etabliert hatten, war ich von der Idee absolut überzeugt, denn ich bin Pazifistin.

    Mein Arbeitgeber wollte meine Änderung der Bankverbindung zunächst nicht akzeptieren, denn Chef glaubte, dass es sich um eine Spielzeug-Bank aus der Abteilung Kuhschiss handelt.

    Aktuell finde ich es nicht schön, dass man mit einem Callcenter telefonieren muss, was augenscheinlich nicht in der Lage ist, zu dem namentlich genannten Sachbearbeiter in Bochum durchzustellen. Auch hinterlassene Nachrichten werden leider falsch weitergegeben.

    Und ich weiß, dass ein Callcenter-Agent den Kunden in kürzester Zeit abwimmeln muss, denn ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, diese ACD-Anlagen der Telekom zu programmieren, und auch Schulungen für Call-Center-Chefs zu geben.

    Das passt mir nicht so ganz gut zur Öko-Bank.

    Dennoch werde ich die GLS-Bank immer wieder empfehlen, wenn jemand sich über die Schweinereien renommierter Banken ärgert.

    Eure Steffie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *