Sportlicher Witzbewerb

Beim 1. Hamburger Cup of Comedy bestimmen die Zuschauer, was lustig ist

(aus Hinz&Kunzt 119/Januar 2003)

Witzig sein, das wollen viele. Vielleicht zu viele, jedenfalls zu oft die falschen. Davon kann man sich allabendlich beim Durchzappen der Quatsch- und Gag-Shows überzeugen.

Doch was heißt das schon, witzig? Und wer ent-scheidet, ob Comedy wirklich komisch ist? Da Humor nun mal Geschmackssache ist, beschlos-sen zehn Stadtteilkulturzentren, die Frage demo-kratisch-sportlich zu klären und riefen den „1. Hamburger Cup of Comedy“ aus.

In einem dreitägigen Turnier treten insgesamt 20 Gruppen und Solisten gegeneinander an und buhlen um die Lacher des Publikums. „Danach haben wir auch entschieden, wer überhaupt teilnehmen darf“, sagt Peter Rautenberg vom Goldbekhaus, der gemeinsam mit sechs anderen Jurymitgliedern mehr als 60 Bewerbungen von Nachwuchskomikern sichtete. „Sie mussten eine gewisse Bühnenpräsenz haben, und sie sollten noch nicht allzu bekannt sein, aber vor allem mussten sie eben einfach lustig sein!“

Für ihn persönlich sind die ganz gnadenlosen Attacken, die zielsicher Gebrechen und Schwächen treffen, weniger komisch, er lacht über „Geschichten, denen ich anmerke, dass hinter den Gags Liebe zu den Menschen steckt, und in denen ich mich selbst wiederfinde“.

Geradezu poetisch gelingt dieser etwas „sanftere Humor“ beispiels-weise dem Theater Trifolie. Mit wenigen Worten, aber umso mehr Körpereinsatz, skizzieren sie Situationen, die jeder zu kennen glaubt. Doch je weiter sich diese Szenen entwickeln, desto surrealer werden sie – und führen den Zuschauern das skurrile Potenzial des scheinbar normalen Verhaltens vor Augen. Am anderen Ende des Lachspektrums findet sich eine laute, schrille Truppe mit dem hübschen Namen „U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“. Das Quintett mit den unsäglichen Outfits trägt den galoppierenden Irrsinn am liebsten als A-Capella-Weisen vor, wobei die Diskrepanz zwischen den wohltemperierten Melodien und den aberwitzigen Texten ihresgleichen sucht. Zwischen diesen Extremen ist Platz für Künstler wie Hans Gerzlich oder Thomas Kupferschmidt, die sich in bester Kabarett-Tradition auch mal der politischen Lage annehmen, Stand-up Comediens wie Horst Fyrguth oder Sven Nagel, Quatschmacher wie Herrn Fröhlich oder Ramona Schuhkraft und lustige Musikanten wie dem Hamburger Duo Poppschutz.

„Wir wollen auch zeigen, wie vielfältig die jungen Talente in diesem Bereich sind“, sagt Peter Rautenberg, „und sie mit dem Cup of Comedy fördern.“ Immerhin ist der erste Preis mit 1500 Euro dotiert. Doch um ihn zu gewinnen, muss man erst mal die Hauptrunde über-stehen: Dabei treten am Abend des 23. Januar in zehn Stadtteilkulturzentren jeweils zwei Künstler beziehungsweise Gruppen hintereinander auf – und das Publikum entscheidet, wer lustiger war. Die so ermittelten Sieger kommen ins Halbfinale, wo sie wiederum jeweils 45 Minuten Zeit haben, das Publikum für sich einzunehmen. Die verbliebenen fünf Finalisten präsentieren dann im Endspiel jeweils ihre Lieblings-Nummer, und die Zuschauer küren den ersten bis dritten Platz.

Als verantwortungsvolles Jury-Mitglied gibt Peter Rautenberg natürlich keinen Tipp ab, aber er erzählt seinen Lieblingswitz: Der Mathe-Lehrer gibt eine Arbeit zurück und ist verzweifelt: „80 Prozent waren so schlecht, dass sie eine fünf bekommen haben!“ Meldet sich ein Schüler und sagt: „Aber das kann doch gar nicht sein, so viele sind wir doch gar nicht.“

Finden Sie nicht zum Lachen? Macht nichts, beim Comedy-Cup ist sicher trotzdem was für Ihr Zwerchfell dabei.

Sigrun Matthiesen

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