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Sozialkaufhaus „Bezahlbar“

Hamburgs günstigste Boutique

3. Juni 2013 | Von | Kategorie: Das Thema, Nachrichten

So schön shoppen wie am Jungfernstieg: Das können sich Menschen mit wenig Geld in Barmbek leisten. Das Sozialkaufhaus „Bezahlbar“ bietet hochwertige Kleidung zum kleinen Preis an – im Ambiente wie in einem Edelladen.

Hemden, Hosen und Shirts nach Farben geordnet, einheitliche Holzbügel, viel Platz auf den Kleiderständern und in den Regalen – stilvoll präsentiert das Team vom „Bezahlbar“ sein Sortiment. Wühltische findet man in Barmbeks mittlerweile einzigem Sozialkaufhaus nicht. Stattdessen: Kleidung und Schuhe zu sehr günstigen Preisen.

Junges Team: die Auszubildenden Beriwan, Marco, Kristin, Tomek und Chris

Junges Team: die Auszubildenden Beriwan, Marco, Kristin, Tomek und Chris

Beriwan lernt Verkäuferin und übernimmt am liebsten die Jobs an der Kasse.

Beriwan lernt Verkäuferin und übernimmt am liebsten die Jobs an der Kasse.

Lieblingsaufgabe von Azubi Marco: Ware auszeichnen. Die Preise bestimmt er selbst.

Lieblingsaufgabe von Azubi Marco: Ware auszeichnen. Die Preise bestimmt er selbst.

Liebevolle Präsentation vor dem Laden in der Habichtstraße.

Liebevolle Präsentation vor dem Laden in der Habichtstraße.

„Wir wollten von Anfang an so eine Art Boutique-Charakter haben“, sagt Wolfgang Schönewolf von „Jugendbildung Hamburg“, dem Träger des Kaufhauses für Menschen mit wenig Geld. Schönewolf fände es beschämend, müssten sich seine Kunden aus Kleiderhaufen in einem dunklen, feuchten Kellern bedienen. „Wir wollen, dass unsere Kunden in angenehmer Atmosphähre aus ordentlicher Kleidung wählen können.“ Dass das gelingt, bestätigen Stamm- wie Neukunden – und die Tatsache, dass das Sortiment des „Bezahlbar“ in Barmbek mitunter zum Stadtgespräch gehört. „Wenn wir von unserem Partner, dem Schuhgeschäft Krupka, neue Schuhe bekommen, spricht sich das im Stadtteil ganz schnell rum.“ Kein Wunder: Dann können die Kunden nämlich hochwertige Teile – vom Turnschuh bis zum Lederstiefel – zum Schnäppchenpreis ergattern. „Was im Schuhgeschäft 150 Euro kostet, dafür nehmen wir hier vielleicht 15 Euro“, sagt Schönewolf. „Dass das so gut angenommen wird, freut uns natürlich.“

Stammkunden wissen: Im Sozialkaufhaus „Bezahlbar“ gibt es seit drei Jahren zwar auch, aber längst nicht nur Secondhand-Waren. Neben bereits getragenen Mänteln sind brandneue Tops gestapelt, neben gespendeten Sandalen hochwertige Damenstiefel. Und dass auch noch in mehreren Größen! Denn die Jugendbildung Hamburg hat für den Laden mehrere große Modeketten als Partner gewinnen können. Die schenken gleich kartonweise Kleidung her, aus überholten Kollektionen oder Umtauschware. Im „Bezahlbar“ werden die Labels herausgetrennt und die Klamotten günstig weitergegeben.

Exklusiv ist das „Bezahlbar“ auch in einem anderen Punkt: Denn hier darf nicht jeder einkaufen. Wer von Hartz IV lebt, wenig verdient oder – etwa als Student – sonstwie nachweist, dass er weniger als 800 Euro im Monat zur Verfügung hat, bekommt eine Kundenkarte, zunächst befristet für ein halbes Jahr. Schließlich soll das Angebot des Sozialkaufhauses die Menschen erreichen, die es benötigen.

Den Laden schmeißen die Leiterinnen Katja Niessen und Karin Bewersdorf mit Auszubildenden aus beruflichen Förderungsprogrammen. Seit September gehören Berivan (21), Marco (19), Tomek (18), Kristion (23) und Chris (21) zum Team. Sie lassen sich zu Einzelhandelskauffrauen und -männern, Verkäuferinnen oder Verkaufshilfen ausbilden. „Vorher hab ich viele Praktika gemacht“, sagt Tomek. Mit einer Ausbildung habe es – trotz erfolgreichen Schulabschlusses – nie geklappt. Genau wie bei Berivan, die mehrere Berufsvorbereitungskurse mitgemacht und gejobbt hat, bevor sie die außerbetriebliche Ausbildung zur Verkäuferin starten konnte. „Jetzt habe ich sogar die Chance, meinen Realschulabschluss zu machen“, sagt sie.

Marco hat seinen Realschulabschluss schon, sich dann aber um Bewerbungen für eine Lehre „nicht so richtig gekümmert“. Ihm gefällt die abwechslungsreiche Arbeit im „Bezahlbar“. Hier packt jeder überall mit an: von der Annahme von Spenden über das Auszeichnen der Ware, Kassieren, Kundenberatung und den Laden in Ordnung halten. Das ist ganz schön viel Arbeit für die Jugendlichen, die hier auch lernen, mit ganz unterschiedlichen Menschen umzugehen. In den Laden kommen Spender und Kunden. Manche wollen in Ruhe Schnäppchen jagen, andere haben Lust auf einen Klönschnack. Manchen sieht man an, sagt Berivan, dass sie wenig Geld haben, anderen gar nicht. Aber das spiele letztlich keine Rolle: „Man muss schon alle gleich behandeln. Das gehört zum Beruf.“

Text und Fotos: Beatrice Blank

Sozialkaufhaus „Bezahlbar“, Habichtsstraße 126, geöffnet Mo–Fr, 10–18 Uhr, www.bezahlbar.jbh-hamburg.de. Das Team freut sich über Spenden aller Art (keine Möbel), besonders Herrenkleidung und Kinderspielzeug, Telefon 18 99 82 18 (Laden) oder 29 80 16 123 (Büro Jugendbildung)

Fest für Stamm- und Neukunden und Neugierige: Das„Bezahlbar“ feiert sein dreijähriges Bestehen, Freitag, 7.6., ab 10 Uhr, mit Grillen, Musik, Modenschau, Kaffee und Kuchen

Ein Kommentar
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  1. Das Bezahlbar hat mir bei der Eingliederung geholfen. Ich hatte einen Arbeitsvertrag, war im Vorfeld aber bereits so lange am Existenzminimum, dass mein Kleiderschrank einfach nicht genug herab um mich im neuen Job (mit Kundenkontakt) entsprechend darzustellen. Das Bezahlbar machte es möglich. Nach und nach habe ich Kleidungsstücke austauschen können, ohne die üblichen Preise zu bezahlen. Das war – auch für mein Selbstwertgefühl – wirklich wichtig! Das Bezahlbar leistet wunderbare Dienste, weiter so! ?

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