Wohnungsbau

Mehr öko, weniger sozial?

Werden zu wenige Sozialwohnungen gebaut, weil die Kosten durch die Energiespar-Verordnung steigen? Das beklagt der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in seinem Jahresbericht. Für Hamburg widerspricht der Mieterverein zum Teil.

Bauwirtschaft
Hemmt die neue Energiesparverordnung den Wohnungsbau? Der Mieterverein meint, dass sozialer Wohnungsbau trotzdem möglich sei.

Die Investitionen deutscher Immobilienunternehmen sind im vergangenen Jahr zurückgegangen. Wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW jetzt bekannt gab, haben seine Mitgliedsfirmen im vergangenen Jahr 1,7 Prozent weniger als noch 2011 für den Wohnungsneubau ausgegeben, insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Dabei hält der Verband Wohnungsneubau für notwendig, sieht „dringenden Handlungsbedarf“ insbesondere bei den Sozialwohnungen. „Es gibt besonders in einigen Ballungsregionen zu wenig Wohnungen, um auch finanziell schwächer gestellte Menschen weiterhin ausreichend versorgen zu können“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Nur 2089 Sozialwohnungen sind laut der Statistik 2012 von den Unternehmen im Verband errichtet worden. Gleichzeitig fielen rund 92.000 Wohnungen im Verbandsbestand aus der Mietpreisbindung, können also teurer vermietet werden.

Die Gründe für den Investitionsstau liegen der GdW zufolge in gesetzlichen Regelungen und Kosten insbesondere für Baumaterial. So seien beispielsweise die Kosten für Dämmmaterial für Rohre in den vergangenen zehn Jahren um knapp 60 Prozent gestiegen. Der Verband rechnet außerdem damit, dass sich der Wohnungsneubau 2014 wegen der neuen Energiesparverordnung sich teilweise um bis zu 5 Prozent verteuern werde. Die Bundesregierung hatte im Februar eine überarbeitete Fassung der Verordnung beschlossen, die unter anderem eine immer effizientere Wärmedämmung bei Neubauten notwendig macht. Und das lässt die Mieten steigen, sagt der GdW: Neubau rechne sich in vielen Fällen „nur noch im oberen Mietpreissegment“, so Gedaschko.

Überzogene Forderungen an den Klimaschutz kritisiert auch der Mieterverein zu Hamburg. „Wenn man extrem hohe Anforderungen stellt, ist das natürlich sehr teuer“, sagt Geschäftsführer Siegmund Chychla. Zwar sei auch der Mieterverein für Klimaschutz, aber nicht nach dem Motto: „Klima gerettet, Mieter tot!“ Das eigentliche Problem seien allerdings nicht die Baukosten, die Kommunen müssten den sozialen Wohnungsbau schlicht zur Auflage für den Grundstückskauf machen. „Das läuft zur Zeit in Hamburg nicht schlecht“, sagt Chychla. 30 Prozent der neu gebauten Wohnungen müssen hier Sozialwohnungen sein.

Tatsächlich zeigt das Sozialwohnungsbauprogramm des SPD-Senats erste Erfolge: Das städtische Wohnungsbauunternehmen Saga GWG hat am Dienstag angekündigt, 2013 mit dem Bau von mehr als 900 öffentlich geförderten Wohnungen zu beginnen. Laut der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt werden in diesem Jahr „voraussichtlich mindestens 2000“ Sozialwohnungen genehmigt werden, sagt Behördensprecherin Kerstin Graupner. Im vergangenen Jahr waren es 2100. Das erklärte Ziel des Senats ist es, jährlich 2000 Sozialwohnungen fertigzustellen. Unterm Strich nimmt die Zahl der erschwinglichen Wohnungen aber trotzdem ab: Etwa 4000 fallen jährlich aus der Mietpreisbindung.

Wenn in Hamburg die Zahl der Sozialwohnungen abnimmt, ist das also ein Ergebnis der Baustrategien des Senats. Klar ist laut Chychla aber auch: Die höchste Rendite können Immobilienunternehmen nicht mit Sozial-, sondern mit teuren Wohnungen erzielen. Deswegen ist ihr Interesse am Sozialwohnungsbau eher begrenzt. „Wenn die sich zu fein sind, bekommen eben Wohnungsbaugenossenschaften oder Saga GWG den Zuschlag“, sagt Siegmund Chychla. „Es gibt aber inzwischen auch ‚Hamburger Familienunternehmen, die sich auf den sozialen Wohnungsbau spezialisiert haben“, sagt BSU-Sprecherin Graupner. Zu hoch scheinen die Kosten für den Klimaschutz dann doch nicht zu sein. Chychla: „In Hamburg ist es derzeit überhaupt kein Problem, Investoren für sozialen Wohnungsbau zu finden.“

Text: Benjamin Laufer
Foto: Actionpress/Isopix Sprl

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