Soziale Verantwortung übernehmen!

Handelskammer-Präses Frank Horch unterstützt uns: Er will Hamburger Unternehmen ermuntern, Kurzzeitpaten für Hinz&Kunzt zu werden

(aus Hinz&Kunzt 200/Oktober 2009)

Hinz&Kunzt: Herr Horch, Sie sind Schirmherr der Aktion „Kurzzeitpatenschaft für Hinz&Kunzt“. Warum?
Frank Horch: Ich sehe die Handelskammer gerade in dieser Zeit, in der häufig von einer Spaltung der Gesellschaft gesprochen wird, in einer besonderen Verantwortung – wirtschaftlich, kulturell und sozial. Ich möchte Hamburger Unternehmen dazu ermuntern, sich für soziale Projekte dieser Art zu engagieren.

H&K: Unternehmer und Banker sind in der Kritik wie nie zuvor. Gibt es so etwas wie Ethik in der Wirtschaft?
Horch: Ein gewisses ethisches und vertrauensvolles Verhalten ist neben allen Regelwerken und Verträgen eine wichtige Größe in der Wirtschaft. Ich will mich nicht heiliger darstellen als ich bin, aber in dieser Hinsicht habe ich immer versucht, mich ganz vorn anzustellen. Das hilft übrigens auch bei den schwierigsten Verhandlungen. Ich glaube, dass die Wege aus der Krise in einem entscheidenden Maße auf diesen Tugenden mit aufgebaut werden müssen.

200-Frank HorchH&K: Gibt es da eine Haupttugend?
Horch: Bescheidenheit und „maßvolles Vorgehen“ treffen es am besten. Die Auswüchse dieser Krise zeigen, dass die stärksten Ausschläge da sind, wo über die Maßen gehandelt wurde, auch in den Erwartungshaltungen. Aber eins ist klar: Ohne Renditen funktioniert auch eine soziale Marktwirtschaft nicht.

H&K: Gibt es ein Maß für eine anständige Rendite?
Horch: Wenn mal eine Zeit da ist, in der man mit Hula-Hoop-Reifen viel Geld verdienen kann, dann ist es nicht unrechtmäßig, dieses Geschäft mitzunehmen. Die entscheidende Sache ist immer, für jedes Unternehmen, ob für Hinz&Kunzt, die Handelskammer, eine AG oder ein Privatunternehmen, dass die Rendite nachhaltig eingesetzt wird für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Da kann für den Betreiber etwas abfallen, und da kann auch mal etwas mehr abfallen. Aber wichtig ist, dass die Sicherung, die Rückstellung, die Entwicklung, die Investition im Mittelpunkt stehen. Das ist wie in der Natur: Wer am meisten vorgesorgt hat für schwierige Zeiten, der überlebt jetzt auch.

H&K: Wie passt es dazu, dass Manager auch dann einen Bonus bekommen, wenn sie nichts Besonderes zuwege bringen oder sogar einen Schaden anrichten?
Horch: Wer außergewöhnliche Geschäfte gemacht hat, der hat auch einen Bonus verdient. Aber wenn sich bestimmte Geschäfte nur als Luftblasen oder wenig nachhaltig herausstellen, und man dann noch einen Bonus dafür kassiert, dann ist das mit Sicherheit nicht anständig.

H&K: Ist Erfolg an eine Form von Dreistigkeit gekoppelt? Wenn man jemanden wie Klaus Ackermann sieht …
Horch: Erfolg kann natürlich auch das Wesen verändern und vielleicht auch manchmal den Charakter. Aber Herr Ackermann ist eigentlich völlig unbedeutend in der Gesamtschau, was Managerverhalten ausmacht. Es gibt Menschen, die überfallen eine Bank, aber damit sind wir ja nicht alle Bankräuber. 95 Prozent oder mehr sind vernünftige Manager. Und Herr Ackermann tut ja nichts Unrechtes. Aber ich würde mich an seiner Stelle schon fragen: Kann ich mir ein bestimmtes Verhalten erlauben? Es gibt einen Satz: Was das Gesetz noch erlaubt, verbietet der Anstand. Und ich glaube, langfristig wird man für eine bestimmte Bescheidenheit belohnt.

H&K: Wie war das in Ihrem Leben?
Horch: Ich bin 20 Jahre bei Phoenix gewesen, auch in schwierigen Zeiten, und ich glaube, von den 10.000 Leuten, die da beschäftigt waren, würde ein sehr großer Teil sagen: „Das war anständig, was der da gemacht hat.“ Das gibt mir ein ungemein gutes Gefühl, das trägt mich in dieser Zeit, und das motiviert mich auch, ein Ehrenamt auszuüben.

H&K: Führt man in Krisenzeiten anders als in guten Zeiten?
Horch: Nein. Ich hab immer gesagt, der Mensch ist das Wichtigste in einer Firma. Das ist ein arbeitsintensiver Weg, wenn Sie Gespräche suchen, wenn Sie sich der Auseinandersetzung stellen, in Betriebsversammlungen, mit schwierigen Konzepten, wo wir erklären müssen, warum wir jetzt eine Firma schließen oder verlagern. Ich habe immer die Wahrheit gesagt: So ist die Situation, der wir jetzt ins Auge schauen müssen. Da ist man nicht jedermanns Freund, aber glaubwürdig und authentisch. Ich glaube, das ist der höchste Führungsanspruch, den man haben muss.

H&K: Wie sieht es mit den Hamburger Arbeitsplätzen aus?
Horch: Ich mache mich immer für Hamburg als Standort stark. Aber Globalisierung bedeutet, dass wir neue Wege einschlagen, andere Anforderungen erfüllen müssen. Deshalb muss für Firmenwechsel und Flexibilisierung der Arbeitsmärkte ein anderes Verständnis aufgebracht werden. Natürlich steht Qualifikation da an erster Stelle, aber auch die Bereitschaft, sich flexibel dem Arbeitsmarkt zu stellen. Ich behaupte mal: Wer sich bewegt und sich nicht nur auf die Region Hamburg bezieht, wird auch mit 52 Jahren wieder neue Chancen bekommen.

H&K: Sie mussten in Ihrer Laufbahn ja auch schon Mitarbeiter entlassen …
Horch: Das ist das Schwierigste … Das Schönste im Managerleben ist, Aufträge zu bekommen. Einstellen macht auch noch Spaß. Das Schwierigste für einen Manager ist, Leute zu entlassen. Wenn das mit Schließungen verbunden ist oder mit Betriebsverlagerungen, dann macht einen das krank.

Text: Birgit Müller
Foto: Mauricio Bustamante

Infos zur H&K-Kurzpatenschaft
Welche Hamburger Firmen haben schon mitgemacht?
Das waren die Hamburger Sparkasse, J.J. Darboven, HSV, Budnikowsky, Feinkost Kröger und Beiersdorff.

Wie sieht so eine Patenschaft genau aus?
Jede Kooperation ist anders: Beim HSV wurden spezielle Aktionen im Stadion vor 56.000 Zuschauern veranstaltet, mit Beiersdorf konzipierten wir einen Social Day für Auszubildende. Die Haspa wählte den Verkäufer des Monats, mit Feinkost Kröger lief eine Leergut-Aktion.

Was kostet so eine Kooperation?
Auch das wird auf den Einzelfall zugeschnitten. Berichtet wird jeden Monat neu in der jeweiligen Hinz&Kunzt-Ausgabe, gut 60.000 Leser werden dabei erreicht.

Sind Sie interessiert? Dann wenden Sie sich an unseren
Geschäftsführer Dr. Jens Ade unter Telefon 32 10 84 03 oder per E-Mail unter jens.ade@hinzundkunzt.de

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