St. Pauli : Solidarität mit Flüchtlingen

Die Solidarität mit den afrikanischen Flüchtlingen ist in der Hamburger Bevölkerung groß: Der Senat will sie nach Italien zurück schicken, aber die St. Paulianer nehmen die Menschen herzlich auf. Am Wochenende feiern die Viertelbewohner ein Fest für sie.

hafenstrasse
Solidarität mit Flüchtlingen hat auf St. Pauli Tradition, wie dieser Schriftzug in der Hafenstraße zeigt. Links im Bild: Die St. Pauli Kirche, in der die Afrikaner untergekommen sind.

Für Pastor Sieghard Wilm ist es eine „Oase auf der Flucht“, die es ohne Unterstützung aus der Bevölkerung so nicht geben würde: 70 Flüchtlinge aus Libyen, die über Italien nach Hamburg kamen, schlafen seit Anfang der Woche in seiner Kirche auf St. Pauli. Zuvor waren sie obdachlos. Die Sozialbehörde hatte ihnen eine Unterkunft nur unter der Bedingung angeboten, dass sie wieder nach Italien zurück reisen.

Die Hilfsbereitschaft auf St. Pauli ist viel größer: Zahlreiche Nachbarn, Fußballfans und Aktivisten unterstützen die Flüchtlinge, wo sie nur können. „Wir erleben als St. Pauli Kirche so viel Unterstützung und Hilfsangebote aus dem Stadtteil und weit darüber hinaus“, schreibt Pastor Wilm begeistert auf seiner Homepage. „Wir brauchen euch, damit wir weitermachen können mit unserer humanitären Nothilfe.“ Er hat eine Liste mit Dingen veröffentlicht, die die Flüchtlinge benötigen. Der Pastor bedankt sich bei Spendern und Helfern: „Ihr macht unseren Gästen und uns so viel Mut. Gott segne euch!“

Auch der FC St. Pauli hat die Flüchtlinge unterstützt: „Für uns ist es selbstverständlich zu helfen, wenn hier im Viertel so etwas passiert“, sagt Vereinssprecher Christoph Pieper. „Wir haben sehr kurzfristig ein paar Kisten zusammengepackt.“ Darin waren Kleidung aus dem Fanshop, Hygieneartikel und Trinkwasser von der Initiative Viva Con Agua. Nicht nur der Verein, auch seine Fans engagieren sich für die Afrikaner: „Was auch immer wir tun können, wir werden helfen. Dazu fordern wir alle BürgerInnen der Stadt auf, sich einen Ruck zu geben und mit anzupacken“, schreiben einige auf dem Blog „Magischer FC“. Die Fans sammeln Sachspenden für die Flüchtlinge. Schon auf dem St. Pauli Fanfest am 1. Juni verkauften einige Fans den Kaffee „St. Pauli Roar“ und spendeten den Erlös an die Afrikaner. 600 Euro sind so zusammengekommen.

Am Samstag findet im Karoviertel ein Fest für die Flüchtlinge statt. Unter dem Motto „Flüchtlinge Willkommen! Niemand ist illegal“ sind auf dem Ölmühlenplatz unterschiedliche Veranstaltungen angekündigt. Die Veranstalter versprechen am Nachmittag neben einem Kinderprogramm und einem Flohmarkt, dessen Erlöse den Flüchtlingen zu Gute kommen sollen, auch ein Musikprogramm. Vor dem Fest rufen die Flüchtlinge zu einer Demonstration auf, die ins Karoviertel führen soll: „Flüchtling zu sein ist nicht kriminell“, schreiben sie in ihrem Aufruf. Beginn ist um 12 Uhr am Hachmannplatz in St. Georg. Die St. Pauli Kirche lädt am Sonntag um 19 Uhr zu einem Benefizkonzert in die Kirche am Park Fiction ein.

Text: Benjamin Laufer
Foto: bildarchiv-hamburg.de

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