„Pennergame“ – Gar nicht lustig

Bereits im Dezember 2008 beschäftigten wir uns mit dem „Pennergame“. Das Onlinespiel wirbt mit der Herausforderung: „Steige auf zum König der Penner!“ und dem Angebot: „Jetzt kostenlos obdachlos werden“. Anfang des Jahres berichteten Zeitungen und Fernsehsender übers Pennergame. Die Aufmerksamkeit der Medien ließ nach, nichtsdestotrotz stieg Pennergame nach Angaben der Betreiber zum „größten Onlinespiel Deutschlands auf“.

Jetzt gerät Pennergame wieder in den Fokus: Kürzlich ist die französische Fassung „Clodogame“ erschienen – und hat dort scharfe Kritik hervorgerufen, so unter anderem Spiegel Online (zum Artikel). Wieder berichten die Medien auch in Deutschland. Bisweilen kommt in der Berichterstattung auch Hinz&Kunzt vor. Zuletzt schrieb die Süddeutsche Zeitung („Gar nicht lustig“, 07.09.09): „Die Obdachlosenzeitungen Hinz&Kunzt und Straßenfeger lobten das Spiel und hatten kaum etwas auszusetzen.“

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Das stimmt so nicht! Richtig ist, dass ein Autor von Hinz&Kunzt im vergangenen Jahr mit Verkäufern des Hamburger Straßenmagazins die Macher des Pennergame besuchte und mit ihnen das Spiel diskutierte. Tatsächlich fand Hinz&Künztler Gerrit es positiv, weil man sehen könne, wie schwer es ist, sich auf der Straße hochzuarbeiten. Die Pennergame-Erfinder betonten, ihr Spiel sei reine Simulation und absolut relitätsfern. Mit dem Artikel über das Treffen der Hinz&Kunzt-Verkäufer mit den Spielemachern haben wir aber auch einen Kommentar von Chefredakteurin Birgit Müller abgedruckt, der die Position anderer Obdachloser und Mitarbeiter des Projekts vertritt: Gegen das Pennergame, gegen den gebrauch des Wortes „Penner“ überhaupt und weil das Spiel Vorurteile gegenüber Obdachlosen unterstützt.

Hinz&Kunzt hat das Pennergame nie gelobt. Letzte Sympathien haben die Macher sich dadurch verspielt, dass sie – nach dem Kontakt zu Hinz&Kunzt – trotz besseren Wissens weitergemacht haben und jetzt sogar Slogans wie „Jetzt kostenlos obdachlos werden!“ gebrauchen.

Anfragen an Hinz&Kunzt zum Pennergame nehmen wir gerne entgegen: Telefon 040-32108311 oder per Email an info@hinzundkunzt.de

Hier der Artikel zum Pennergame aus Hinz&Kunzt 190/Dezember 2008 zum Nachlesen – inklusive des Kommentars von Birgit Müller

2 Kommentare zu “„Pennergame“ – Gar nicht lustig

  1. In unserem Blog „Mitten am Rand“ schreiben Menschen, die wissen, wie es ist, auf der Straße zu leben. Tobias N. zum Beispiel. Der hält sich heute mit einem Ein-Euro-Job über Wasser. Jetzt hat er sich einen PC gekauft und regt sich über das Pennergame auf: http://blog.soziale-manieren.de/2009/09/14/pennergame-ist-unverschaemtheit/trackback/

  2. Nein, das ist nicht lustig. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber wenn da ein paar Jungspunde, deren Lebenserfahrung und soziale Reife nicht sonderlich ausgeprägt sein können, ein Spiel entwickeln, dass mit dem Leid anderer wörtlich spielt, dann fällt mir nichst mehr dazu ein. Ein Indiz für den Wertewandel in unserer Gesellschaft. Gehts mir nicht gut, dann gibt es doch bestimmt jemanden, dem es noch schlechter geht. Das die Medien dafür noch kostenlose PR betreiben regt mich in Zeiten von RTL2 und Co. ohnehin nicht mehr auf.

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