„Insgesamt denke ich positiv.“

Monika, 38, verkauft Hinz&Kunzt vor Penny am Eppendorfer Markt.

Früher sah Monika keine Perspektive, heute hat sie ihren „Traumjob“ bei Hinz&Kunzt gefunden.
Früher sah Monika keine Perspektive, heute hat sie ihren „Traumjob“ bei Hinz&Kunzt gefunden.

(aus Hinz&Kunzt 248/Oktober 2013)

Fünf von fünf Punkten. Die vergeben zwei Kunden beim Online-Portal Qype an den Penny-Markt in der Erikastraße 62. Allen negativen Beurteilungen widersprechen sie vehement: „Nein, nein, dieser Penny hat was!“ Ihre Begründung: „Die überaus nette und freundliche Verkäuferin von Hinz&Kunzt, die dort beharrlich vor der Tür ausharrt.“ Gemeint ist Monika. Seit neun Jahren hat die 38-Jährige hier ihren festen Verkaufsplatz. Und der ist für sie ungemein wichtig. „Hier kenne ich die Käufer. Ich bin hilfsbereit und passe auch mal auf die Hunde der Kunden auf“, sagt die gebürtige Polin. Lachend schiebt sie hinterher: „Das steht ja sogar im Internet.“

Verkäuferin von Hinz&Kunzt, das ist inzwischen ihr „Traumjob“. Früher sah Monika keine Perspektive für sich. Gleich hinter der deutsch-polnischen Grenze, in der Kleinstadt Kostrzyn nad Odra (Küstrin), wuchs sie auf. „Ich habe keinen Schulabschluss und keine Ausbildung gemacht“, erzählt sie. Erst jobbte Monika in einem Imbisswagen. Später fand sie in einer deutschen Druckerei nahe ihrer Heimatstadt Arbeit. Aber das Geld reichte vorne und hinten nicht. Dazu kamen private Probleme, über die sie nicht gerne spricht. Deutlich wird aber, dass sie in sehr ärmlichen Verhältnissen aufwuchs: „Wir haben zusammen als Familie auf ganz engem Raum gewohnt.“ Deshalb entschloss sie sich, Polen zu verlassen.

Im Dezember 2003 kam Monika nach Hamburg. Zu Beginn war sie wohnungslos. Schon nach drei Monaten wurde sie Hinz&Kunzt-Verkäuferin. Zudem lernte sie einen Polen kennen und lieben. Sie zog bei ihm ein. Doch als die Beziehung in die Brüche ging, landete sie wieder auf der Straße – wo sie von einem Bekannten so geschlagen wurde, dass ihr Kiefer brach. Monika hatte keine Krankenversicherung, aber Glück im Unglück: „Eine Kundin hat sich um alles gekümmert, Anträge und so“, sagt sie. „Ich musste nichts bezahlen.“ Geblieben sind ein paar kleine Narben und die Angst. „Ich kann nicht alleine draußen schlafen“, sagt sie. „Ich muss immer jemanden bei mir haben.“

Einige Zeit wohnte sie deswegen mit anderen Landsleuten in einem leer stehenden Haus. „Aber man hat uns verpfiffen.“ Monika verlor ihre Unterkunft. Seitdem schläft sie bei Bekannten. Dass sie keine eigene Wohnung hat, ist ihr unangenehm. Aber sie ist guter Dinge. „Insgesamt denke ich positiv“, sagt die 38-Jährige. Dafür gibt es einen Grund: Seit einiger Zeit ist sie wieder glücklich verliebt. „Mit meinem Freund suche ich nach einer kleinen Wohnung“, sagt Monika. „Aber Wohnraum ist teuer.“

Das nötige Geld dafür will sie mit dem Zeitungsverkauf verdienen. Was für eine Katastrophe, als vor einem Jahr der Penny-Markt für zwei Monate wegen Renovierungsarbeiten schließen musste! Sie bekam einen Verkaufsplatz 500 Meter weiter vor einem anderen Geschäft. „Da kamen völlig andere Leute. Ich kannte niemanden und niemand kannte mich“, erzählt sie. Es war furchtbar – sie verkaufte kaum Zeitungen. Heute kann sie darüber lachen. „Na ja, es waren ja nur zwei Monate.“

Hinz&Kunzt: Hast du noch Kontakt zu deiner Familie in Polen?
Monika: Ja, klar. Ich helfe meiner Mutter. Sie hat nur eine kleine Rente. Sooft es geht, schicke ich ihr ein wenig Geld.

Text: Jonas Füllner
Foto: Mauricio Bustamante

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