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Mit dem Krankenwagen in den Urlaub

29. April 2010 | Von | Kategorie: 2005: Hinz&Kunzt-Ausgaben 143 – 154, Archiv, Hinz&Kunzt 150/August 2005

Eine Glosse von Klaus Lenuweit

(aus Hinz&Kunzt 150/August 2005)

Arbeitnehmern, die krank werden, soll Urlaub abgezogen werden. Und bei „Bagatellerkrankungen“ wie Erkältung gibt’s erst mal keine Lohnfortzahlung. Diese Vorschläge äußerten vor kurzem Handwerks-Präsident Otto Krenzler und Martin Wansleben vom Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHK). Hinz&Künztler Klaus Lenuweit inspirierte das zu folgender Glosse. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihn am besten selbst: Er verkauft in der Lüneburger Straße in Harburg.

Ist jetzt eine Krankschreibung vom Arzt ein Urlaubsschein und eine Fahrt mit dem Krankenwagen eine Fahrt in den Urlaub (falls davon noch etwas übrig ist)?

Was ist, wenn einer dieser Simulanten stirbt? Muss die Witwe dann den Arbeitsausfall nacharbeiten oder den Arbeitgeber wegen Verlust der Arbeitskraft finanziell entschädigen? Oder bekommt sie ein Jahres-Abo der Zeitschrift „Meine Arbeit macht mich krank“ mit dem Info-Blatt „Wann muss ich einen Herzstillstand meinem Arbeitgeber melden?“

Was ist eigentlich mit dem Arzt, der mich krankschreibt? Bekommt der auch keinen Urlaub? Ist eine Verkäuferin bei 39,5° Fieber krank oder schon in den Ferien? Herr Kentzler, was ist mit jemandem, der sehr oft krank ist, bekommt der… – Entschuldigung, ich musste mal eben das Fieberthermometer von der Heizung nehmen – bekommt der im Winter kein Geld und im Sommer keinen Urlaub? Was ist eigentlich mit Ihnen, sagen wir mal, Sie bekommen Durchfall, setzen sich aufs Klo, aber etwas ist in die Unterhose gegangen. Dürfen Sie dann als Handwerkspräsident diese Unterhose mit in den Urlaub nehmen?

Nun der neueste Erreger. DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben fordert: Keine Lohnfortzahlung bei Erkältungen. Na, da wünsch’ ich doch mal einen schönen Winter. Bin ich schon verdächtig, weil ich ein Päckchen Taschentücher bei mir habe? Wenn ich jemandem Gesundheit wünsche, kann ich dann belangt werden wegen Unterstützung einer der Arbeitskraft abträglichen Vereinigung?

Bekommen Sie, Herr Wansleben, auch wenn Sie dummes Zeug reden, das gleiche Gehalt? Ich an Ihrer Stelle würde mir gleich morgen einen Kontoauszug holen. Toi, toi, toi – Ihr Hausarzt.

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