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Menschen-Zoo auf Kampnagel

Füttern erlaubt

7. Juni 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Noch bis zum 15. Juni können Sie auf Kampnagel einen Menschen-Zoo bestaunen: Die Künstlergruppe God’s Entertainment stellt für die Dauer des Live Art Festivals „Randgruppen“ aus. Mit dabei: Die beiden Hinz&Künztler Torsten und Jan.

HUMAN ZOO

Die Abende verbringt Hinz&Künstler Torsten zur Zeit in seinem „Bettler-Käfig“ im Human Zoo auf Kampnagel.

Mitten im Kampnagel-Foyer steht ein grüner hölzerner Kasten. Gitterstäbe trennen einzelne Parzellen ab. Eine Tür in dem Kasten führt auf einen schmalen Gang, der an den Käfigen vorbeiführt. In den Käfigen: Bettler, Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge, Punker, alleinerziehende Mütter und ehemalige Strafgefangene. Sie alle werden ausgestellt, so wie Tiere im Zoo. Den Zoo-Besuchern ist es sogar erlaubt, die lebendigen Exponate zu füttern. Und so schieben Besucher einem Hartz-IV-Pärchen Bananen, Gummibären und Schokoriegel durch das Gitter zu, die sie am Zoo-Eingang erworben haben. Ein paar Meter weiter betteln zwei Männer in ihrem Käfig um Geld. Einige Besucher stecken ihnen Geld zu. So gruselig das klingt, die Menschen sitzen freiwillig hier. Bei einem Besuch vor fünf Wochen wurden sie von der Wiener Künstlergruppe God’s Entertainment für das Projekt „Human Zoo“ angeworben.

Hinz&Künztler Torsten ist einer der „Zoo-Bewohner“. Sein Eindruck nach dem ersten Abend: „Es bleibt ein eingeklemmtes Gefühl.“ Der 49-Jährige meint damit nicht die Größe seiner Zelle. Wobei auch die beklemmend ist: Etwa sechs Quadratmeter muss sich Torsten mit dem Hinz&Künztler Jan und zwei weiteren Bettlern am Abend teilen. Aber Torsten meint mit dem „eingeklemmten Gefühl“ etwas anderes: „Die Aktion ist vor allem provokativ angelegt“, erzählt er ein wenig enttäuscht. „Es werden zu wenige Informationen vermittelt.“ Stellschilder mit Hintergrundinformationen zu den einzelnen „Randgruppen“ bietet der Zoo nicht.

Unsere Fotos vom „Human Zoo“:

 

Dabei war Torsten dem Projekt gegenüber positiv eingestellt, als sich das Wiener Performancekollektiv God’s Entertainment bei Hinz&Kunzt vorstellte. „Die Idee hinter der Aktion finde ich auch weiterhin gut“, so Torsten. „God’s Entertainment wollen auf soziale Missstände aufmerksam machen.“ Er hatte sich vorgenommen ein wenig über das Thema Obdachlosigkeit aufzuklären. Dafür hatte Torsten extra das Kinderbuch „Ein mittelschönes Leben“ in seinen Käfig mitgebracht. Kirsten Boie hat es 2008 für Hinz&Kunzt verfasst. Es erzählt ohne viel Pathos den Weg eines normalen Familienvaters in die Obdachlosigkeit. Torsten hatte kurze Lesungen aus dem Buch geplant. Doch die Probleme des Alltags spielen im „Human Zoo“ nur eine untergeordnete Rolle. „Es wird alles etwas zu extrem dargestellt“, erläutert Torsten seine Bedenken.
God’s Entertainment provozieren bewusst: Klischees werden bedient und durch die Abbildung des Originals will man den „Kreislauf der Stereotypen“ durchbrechen, wie die Programm-Ankündigung ein wenig gestelzt verspricht. „Den Besuchern soll die Realität vor Augen geführt werden und dadurch ein Denkprozess angestoßen werden“, übersetzt Torsten. Ob das gelingt? Lediglich zwischen den Abendaufführungen seien am ersten Abend Besucher in den „Zoo“ gekommen. „Die Leute gucken nur“, berichtet Torsten. „Ich hatte eigentlich gehofft, aus dem Buch vorlesen zu können und ins Gespräch zu kommen.“ Doch dafür müssten die Besucher erst einmal stehen bleiben.

Noch bis zum 15. Juni kann sich jeder selber seine eigene Meinung zum „Human Zoo“ bilden. An folgenden Tagen kann die Ausstellung ab 18 Uhr auf Kampnagel besichtigt werden: Fr, 7.6., Sa, 8.6., Mi, 12.6., Do, 13.6., Fr, 14.6., Sa, 15.6. Der Eintritt beträgt drei Euro.

Text: Jonas Füllner
Fotos: Mauricio Bustamante

Freikarten zu gewinnen! Die ersten zehn Leser, die sich über Facebook oder direkt per Mail (blog@hinzundkunzt.de) bis Freitag (7.6.) 15 Uhr bei uns melden, gewinnen zwei Karten für das Tanzstück „In Front of Papua“ am Samstag! Mit der Karte gibt es freien Eintritt in den HUMAN ZOO von GOD’S ENTERTAINMENT. Viel Glück!

3 Kommentare
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  1. […] medialen Empoerungen sind zu antizipieren: Menschenverachtung, beschaemende Plakativitaet, Provokation, […]

  2. Ein Kommentar, biß jetzt, und nun kommt noch ein Kommentar !!! Sind das nicht zwei zu wenig ???? Human Zoo ist vielleicht zu human, – denn in der „Obdachlosigkeit“ ging es kaum Human zu !! Da wird verdrängt, wenn ein Obdach- loser schon länger irgendwo untergebracht ist, da wir drangsaliert, von den jedigen, die Unterbringungsmöglichkeiten zu Verfügung stellen, und vieles mehr !! Was anderes macht doch unsere Freie und Hansestadt auch nicht, und alle meinen,- sie ist Human !! Da war das auf Kampnagel wohl ein Kaffeekränzchen, um bei der Provokation zu bleiben !! Das was hier auf politischer Ebene passiert, das kann man schon wiederspiegeln,bloß es kümmert die Öffentlichkeit kein Pfifferling !!
    Wer will denn schon sein eigenes Elend anschauen, wer will es sich wiedserspiegeln lassen, denn der oder die jenige, könnte ja die Wiedergespiegelte sein ?? Unter dem Motto: „Ich stehe ja schon am Abrund, und mal sehen, ob ich morgen einen Schritt voran komme ???“ Wer von den HINZ&KUNZT – Verkäufern hat sich das so ausgesucht, das sie dort landen, wo sie sind ?? Bestimmt nicht freiwillig, ich habe für mich gekämpft, und andere die für sich kämpfen bewundere ich, die es schaffen, wieder auf eigene Beine zu stehen !! Aber es gibt welche, die das nicht schaffen, und die muß Frau – Mann unterstüzen, wo Frau-Mann kann !!

    In diesem Sinn, Erich Heeder – HINZ&KUNZT – Verkäufer

  3. […] sind „God’s Entertainment“ bekannt geworden:  Schon 2013 hatten sie in einem „Menschenzoo“ auf Kampnagel Randgruppen (unter ihnen auch Hinz&Künztler) ausgestellt. Für ihre jetzige […]

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