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„Meine Hunde sind meine Familie“

31. Mai 2011 | Von | Kategorie: 2011: Hinz&Kunzt-Ausgaben 215–226, Hinz&Kunzt 220/Juni 2011

Daniel Z. (28) verkauft seit Oktober 2009 Hinz&Kunzt, meistens in der Spitalerstraße.

(aus Hinz&Kunzt 220/Juni 2011)

Seit drei Jahren lebt Daniel jetzt auf der Straße. Er hofft, dass er irgendwann wieder  eine Wohnung und eine Arbeit findet. Hauptsache, seine Hunde können bei ihm bleiben.

Seit drei Jahren lebt Daniel jetzt auf der Straße. Er hofft, dass er irgendwann wieder eine Wohnung und eine Arbeit findet. Hauptsache, seine Hunde können bei ihm bleiben.

„Da sind sie, meine beiden Lütten.“ Stolz zeigt Daniel auf seine beiden Hunde Leila und Gismor. Der 28-Jährige grinst stolz wie ein frisch gebackener Vater. Gismor, süß und noch ziemlich tapsig, schaut fragend seine Mutter Leila an. Die allerdings bleibt ruhig liegen, ihr ist die ganze Aufmerksamkeit egal. Daniel täschelt ihren Kopf. „Meine Hunde sind meine Familie“, sagt er.

Seine eigene Familie muss Daniel verlassen, als er acht Jahre alt ist. Bis dahin ist er mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in Billstedt aufgewachsen. Aber dann kommt er zu einer Pflegefamilie in eine nordhessische Kleinstadt. „Meine Eltern konnten sich nicht richtig um mich kümmern“, erzählt Daniel. „Es gab viele Probleme und zu wenig Geld, und dann haben sie sich scheiden lassen.“ Obwohl seine Pflegeeltern sich gut um Daniel kümmern, fällt es ihm schwer, sich mit seiner neuen Situation zurechtzufinden. „Anfangs war das die Hölle“, sagt er. „Man wird einfach so aus der Familie gerissen und soll sich plötzlich woanders anpassen.“

Weil er Schwierigkeiten mit dem Sprechen und seelische Probleme hat, geht Daniel auf die Sonderschule und arbeitet danach in einer Einrichtung für behinderte Menschen, die unterschiedliche Werkstätten betreibt. Fünf Jahre ist Daniel dort Landschaftsgärtner und Lagerist, baut mit seinen Kollegen Spielplätze und pflegt Grünanlagen. Doch irgendwann fühlt er sich in der betreuten Wohngemeinschaft nicht mehr wohl. „Ich konnte mich dort oft nicht gut verständigen und war mit manchen nicht auf einer Wellenlänge“, sagt er.
Mit 22 Jahren zieht Daniel wieder zu seiner Mutter nach Hamburg. Dort hängt er viel rum und streitet sich ständig mit dem neuen Freund seiner Mutter. „Ich wollte ihn nicht akzeptieren“, sagt Daniel. Eines Tages geht er dann einfach auf die Straße. Drei Jahre ist das jetzt her. Das Leben als Obdachloser hat ihn stark verändert, sagt Daniel. „Mir wurden die Augen geöffnet. Ich weiß jetzt, dass die meisten Menschen kalt sind. Die helfen einem nicht und gucken einen nicht mal an.“

Derzeit macht Daniel Platte in der Innenstadt, träumt von einer eigenen Wohnung und einem richtigen Job. Oder von einem Grundstück, auf dem er dauerhaft sein Zelt aufbauen kann. „Wenn ich und meine Freunde da unsere Ruhe hätten, dann wären wir auch weg von der Straße“, sagt er.

H&K: Was hast du in der letzten Zeit Besonderes erlebt?
Daniel: Ich war mit einem Kumpel am Eichbaumsee zelten. Dort konnten wir in Ruhe schlafen, ohne dass uns jemand gestört oder angegafft hätte.

H&K: Wer oder was imponiert dir?
Daniel: Mein Hund, der kleine Gismor. Der kann sich von seiner Leine losmachen, ohne dass ich es bemerke. Ich habe keine Ahnung, wie er das macht.

H&K: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Daniel: Am liebsten möchte ich mitten in Hamburg einen kleinen Garten geschenkt bekommen. Da könnte ich meine Hunde laufen lassen, mein Zelt aufbauen oder mich ins Heu legen. Und ich hätte meine Ruhe.

Text: Hanning Voigts
Foto: Mauricio Bustamante

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