P-Konto

Lücke im Gesetz

Auch auf einem Pfändungsschutzkonto ist das Geld von Menschen mit Schulden nicht immer sicher vor Gläubigern.

(aus Hinz&Kunzt 233/Juli 2012)

Pfändungsschutz mit Ausnahmen: Hinz&Künztler Ralf B. versteht die Welt nicht mehr.

Als Ralf B. sich am 19. März – einem Montag – seine Kontoauszüge ausdrucken lässt, erlebt er eine böse Über­raschung: Seine Bank hat ohne sein Wissen Geld ans Finanzamt überwiesen, 22,83 Euro alte Schulden. Hätte der 46-jährige Hinz&Kunzt-Verkäufer nicht ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto), wäre das nicht weiter verwunderlich. Menschen mit Schulden hatten in der Vergangenheit oft das Problem, dass Gläubiger ihnen Geld weg­pfändeten, das sie zum Überleben brauchten. Genau das aber soll das P-Konto verhindern, so hat es zumindest die Bundesregierung versprochen. Bröcker hatte sein Konto deshalb ­bereits vergangenen Sommer umwandeln lassen und sagt nun: „Ich dachte, ich bin vor so etwas geschützt!“

Der Hinz&Kunzt-Verkäufer fragt bei seiner Bank nach: Wie kann es sein, dass das Geldinstitut Schulden von seinem Konto begleicht, wo die Pfändungsfreigrenze doch bei 1028,89 Euro liegt, er zum Zeitpunkt der Überweisung aber gerade mal 44,71 Euro Guthaben vorzuweisen hat? „Wenn Geld länger als zwei Monate nicht verbucht wird, wird es dem Gläubiger zugeführt“, erklärt ein Bankberater den Vorgang. Mit anderen Worten: Weil Bröcker im Januar 22,83 Euro Guthaben auf seinem Konto hatte, überweist die Bank im März genau diese Summe ans Finanzamt. Ralf B. ist fassungslos.

Nachfrage beim Finanzministerium: Schützt das P-Konto nicht vor Pfändungen? Antwort: Schon – aber. „Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass ,übertragenes‘ Guthaben nur im Folgemonat auf dem Konto ,stehen bleibt‘ und in dem weiteren (dritten) Monat an die Gläubiger ausgekehrt werden kann.“ Experten raufen sich die Haare: „Wir müssen den Leuten ­sagen: Gebt das Geld möglichst zeitnah aus!“, sagt Schuldnerberater Mark Schmidt-Medvedev. Auch Ralf B. v­ersteht diese Regel nicht: „Das Jobcenter sagt, ich soll Geld ansparen, damit ich was habe, wenn der Kühlschrank kaputtgeht. Wie soll ich das unter diesen Bedingungen machen?“

Weitere Infos lesen Sie auf der Homepage des Bundesjustizministeriums, zu erreichen unter http://bit.ly/M8N8CE.
Übrigens: Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main hat in einem Grundsatzurteil entschieden, dass ein P-Konto nicht mehr kosten darf als ein vergleichbares „normales“ Konto.

1 Kommentar zu “Lücke im Gesetz

  1. Eigendlich geht das aus rechtlichen Gründen gar nicht, das hier Geld vom Konto überwiesen, ohne des Wissens des Besitzers !! Es ist egal wie viel auf diesem Koto ist, die Bank darf den Besitzer eines P-Kontos nicht in die Schulden treiben !! Man muß sich mal vorstellen, es sind 30,00 € noch auf dem Konto, die Bank greift auf das geld zu, und ein Tag später möchte noch jemand Geld !! Für mich ist das Diebstahl, was die bank da gemacht hat, und sie ist eigendlich da mit kriminell geworden !! Weiter hin hat diese Bank das vertrauen beim Kunden verloren, denn wenn sie das ein mal macht, macht sie es noch mal !! Da muß man so fort die Bank wechseln, wenn sie nicht da mit auf hört !! denn der Kunde glaubt, wenn er ein P-Konto hat, ist er von Zugriffen dritter geschützt !! Es mag ja sein, das man sein Geld zeitnah ausgeben soll, das heißt aber nicht das eine Bank bei seinen Kunden auf ihr Geld zu greift, ohne Zustimmung des Kunden !! Ich kann nur sagen, wer sparen will, oder möchte, soll es da tun, wo man seines Geldes sicher ist !! Vielleicht serbricht sich HINZ&KUNZT mal den Kopf, wie man solchen Menschen unterstützen kann ??

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *