Weltkongress in Hamburg

Lions Club unterstützt Hockeyteam

Heute beginnt in Hamburg der Weltkongress der Lions. In Hamburg unterstützt der Wohltätigkeitsverein zahlreiche Projekte: Unter anderem die Tagesaufenthaltsstätte Herz As, die Jugendarbeit im Osdorfer Born und auch die „Hockies“, ein Hockeyteam für Menschen mit geistiger Behinderung.

Hockey
Christiane Lafeld, Mitglied der Lions, beim Training der Hockies. Bei den Hockeyturnieren hilft sie gerne mit.

Für die Zeit vom 5. bis 9 Juli werden rund 25.000 Mitglieder des Lions Club in Hamburg erwartet. Der mit über 1,3 Millionen Mitgliedern größte Wohltätigkeitsverein der Welt hält an diesen Tagen seine Mitgliederversammlung ab. Dabei werden vergangene Aktivitäten ausgewertet und Vereinbarungen für zukünftige Projekte gefällt. Am Samstag wird es zudem eine große Parade der Mitglieder rund um die Alster geben.

Allein in Hamburg zählen die Lions 1200 Mitgliedern, die sich in 39 Clubs engagieren. „Ich kann bei den Lions Menschen in Not helfen und mich für Schwache engagieren,“ sagt Mitglied Christiane Lafeld. „Und mich dabei in eine Vielzahl an Projekten einbringen.“ Dazu zählen auch die Special Olympics Hamburg. Die Sportorganisation für Menschen mit Lernschwierigkeiten bietet zahlreiche Sportarten in Hamburg an. Bei einem Training der „Hockies“, dem Hockeyteam, waren wir dabei:

Regen rinnt vom Vordach, tropft auf den Boden und bildet große Pfützen. „Bei so einem Wetter trainieren wir lieber in der Halle.“ Oktavio Tolopilo lacht und zeigt auf den Eingang zum Clubhaus mit der darunter liegenden Halle. Oktavio hat eine Lernschwäche. Wochentags arbeitet der 28-Jährige bei Globetrotter im Lager. Und am Samstag macht er Sport bei den „Hockies“. Mit seinem Schläger unter dem Arm geht der voran und schließt auf. In der Halle ist es dunkel. Um 9.30 Uhr ist hier noch kein Betrieb.

Zügig macht sich Oktavio auf der Tribüne für das Training bereit: Die Schienenbeinschoner werden fixiert, Stutzen übergezogen und die Turnhose geschnürt. Jeder, der die Halle betritt, wird freudig begrüßt. Normalerweise tummeln sich bis zu 20 Spieler im Alter zwischen 18 und 40 Jahren in der Halle. Dieses Mal sind die Hockies allerdings nur zu siebt. „Liegt wohl am Wetter“, meint Oktavio.

Als Spielerin gewann die 75-Jährige mehrfach die Deutsche Meisterschaft, später trainierte sie die deutsche Frauen-Auswahl. Greta Blunck liebt und lebt Hockey. Zahlreiche Jugendmannschaften und die Hockies werden von ihr betreut. Die Hockies sind ihr einziges Erwachsenen-Team. „Aber ich leite das Training wie bei einer Jugendmannschaft“, sagt die Grande Dame des Hockeysports.

Oktavio hat sich unterdessen einen Ball geschnappt. Mit leichten Passübungen wärmt er sich mit seinen Teamkollegen auf. Die Augen stets auf den Ball gerichtet eilt der 28-Jährige über das Parkett. Kein Pass entgeht ihm. „Oktavio ist manchmal ungestüm und leicht reizbar“, berichtet die Trainerin. „Ich habe ihm Verantwortung übertragen. Das klappt hervorragend.“ Während sie erzählt, winkt sie Oktavio heran. Seine Kapitänsbinde ist verrutscht. Vorsichtig schiebt die Trainerin die Binde zurück über den Ärmel. Nur eine kurze Unterbrechung. Dann jagt Octavio wieder dem Ball hinterher. „Oktavio zählt fast schon zu den Routiniers“, schiebt Blunck hinterher. Seit mehr als zehn Jahren spielt der 28-Jährige für die Hockies. Einige sind aber bereits seit 1991 mit von der Partie.

„Die ersten Übungseinheiten haben wir noch im Stadtpark gemacht“, erinnert sich Trainerin Blunck. Von Anfang an dabei: Nicki Gerlach. Sein Weg zum Hockey war wohl vorgezeichnet: Praktisch die gesamte Familie war oder ist beim Marienthaler THC aktiv. Am regulären Ligabetrieb hat der 26-Jährige zwar nie teilgenommen. „Meine Spieler verhalten sich teilweise anders und sind nicht so einfach zu integrieren“, erläutert Trainerin Blunck. Trotzdem hat es Nicki auf die großen Bühnen dieser Stadt geschafft: Als Gast-Schauspieler wirkt er in dem Stück „Draußen vor der Tür“ am Thalia Theater mit.

Unter der Woche arbeitet der Schauspieler im Theater „Meine Damen und Herren“. „Wir mussten die Trainingseinheiten auf den Samstag legen, weil viele berufstätig sind“, erzählt Trainerin Blunck. Hocky ist die Alternative zum Arbeitsalltag. Hier können sich alle austoben. Es tut dem Teamgefüge auch keinen Abbruch, wenn das Team beim jährlich stattfindenden „Treffsicher“-Turnier, einem Wettbewerb für Menschen mit und ohne Behinderung, regelmäßig auf einem der hinteren Plätze landet. „Es geht nicht ums Gewinnen. Alle sollen Spaß haben“, betont Blunck. „Das ist das Wichtigste.“

Während sie erzählt, haben sich die Hockies in zwei Gruppen aufgeteilt: Oktavio umspielt einen Gegenspieler und stürmt Richtung Tor. Nicki kann nicht mehr verhindern, dass der 28-Jährige den Ball ins leere Tor schiebt. Greta Blunck schnappt sich den Schläger und greift ins Geschehen ein. Nicki ist wieder auf dem Weg nach vorne. Gekonnt spielt sie den Ball in die Spitze auf Nicki. Und nun trifft auch er aus spitzem Winkel für sein Team.

Text: Jonas Füllner
Foto: Mauricio Buastamante

 

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