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Beschäftigt eigene Reinigungskräfte!

10. November 2012 | Von | Kategorie: 2012: Hinz&Kunzt 227-238, Archiv, Hinz&Kunzt 237/November 2012

Warum die Hotellerie das Problem Dumpinglöhne nicht länger schönreden kann.

Ein Kommentar von Ulrich Jonas
(aus Hinz&Kunzt 237/November 2012)

Fünf Jahre ist es her, dass ein Aufschrei der Empörung durch die Stadt ging: Das Zimmermädchen Antonia war an die Öffentlichkeit gegangen und hatte bekannt gemacht, dass sie für 2,46 Euro die Stunde in einem Fünf-Sterne-Hotel geputzt hatte. Ihr Arbeitgeber war eine Hotelreinigungsfirma. Das Hotel selbst wusch seine Hände in Unschuld: Man habe doch vertraglich festgelegt, dass der Tariflohn gezahlt werden müsse. Man habe doch nicht wissen können, dass der Dienstleister seinen Auftraggeber, das Hotel, einfach hintergehe.

Fünf Jahre später das gleiche Spiel: Das Radisson Blu verweist auf den Verhaltenskodex, den jeder Dienstleister unterschreiben müsse – und scheint damit fein raus. Die interessante Frage aber wird wie vor fünf Jahren nicht beantwortet: Was zahlt das Hotel seiner Reinigungsfirma? Wer profitiert in welchem Maße davon, dass Putzkräfte des Radisson allem Anschein nach mit Dumpinglöhnen abgespeist worden sind?

Dass schwarze Schafe in der Hotelreinigungsbranche eher die Regel als die Ausnahme sind, zeigen die drei Hotelreports von Hinz&Kunzt. Ungeklärt ist noch, wie es um die Hotelbranche selbst steht. Sollte einem Hotelbetreiber das Wohl der Menschen am Herzen liegen, die seine Zimmer säubern, kann er nach dem x-ten Fall von Lohndumping nur zwei Schlussfolgerungen ziehen: Entweder er beschäftigt fortan eigene Reinigungskräfte (wie es die Hotels vor 20 Jahren alle noch gemacht haben). Denn nur so kann er sicherstellen, dass seine Zimmerfrauen und Roomboys anständig bezahlt werden. Oder, und das ist das Mindeste: Er legt offen, was er seiner Reinigungsfirma für ihre Dienste bezahlt. Dann nämlich kann jeder nachvollziehen, wer bei dem Geschäft mit dem Outsourcing der Gewinner ist: die Reinigungsfirma, das Hotel – oder beide.

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Beratungsstelle für Betroffene
Menschen, die ausgebeutet werden, finden Hilfe bei der Beratungsstelle Arbeitnehmerfreizügigkeit, Arbeit und Leben Hamburg,
Besenbinderhof 59, Telefon 28 40 16 76 (bulgarisch),
28 40 16 77 und 28 40 16 78 (polnisch, rumänisch)

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