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Kersten-Miles-Brücke

Klo statt Zaun

14. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Runde Tisch zur Kersten-Miles-Brücke hat seine Arbeit beendet. Einstimmig haben sich die Teilnehmer auf eine Empfehlung an Bezirk und Senat geeinigt: Die Obdachlosen dürfen bleiben, eine Toilette wird gebaut  – und es gibt mehr Straßensozialarbeiter.

Hamburgs Obdachlose sollen nicht mehr vertrieben werden

Nach nur zwei Sitzungen hat der Runde Tisch „Obdachlose unter der Kersten-Miles-Brücke“ am Freitag seine Empfehlungen ausgesprochen. Die Brücke wird weiterhin als Zufluchtsort für Obdachlose geduldet. Allerdings müssten sich auch Wohnungslose an Regeln halten und zu einem angstfreien Miteinander in der Stadt beitragen, so der Moderator und Präsident der Synode der Nordelbischen Kirche, Hans-Peter Strenge (SPD). Das Regelwerk, so die Empfehlung des Runden Tisches, soll von einem neu zu bildenden mobilen Sozialarbeiter-Team ausgearbeitet und gewährleistet werden. Das Team soll engen Kontakt zu Obdachlosen, möglichen Beschwerdeführen und Polizei pflegen – und den Kontakt zwischen den Obdachlosen und den Beratungsstellen vor Ort intensivieren.

Bei dem Regelwerk soll es hauptsächlich um drei Themenbereiche gehen: Sauberkeit, öffentliches Urinieren und Ruhestörung. Dazu empfiehlt der Runde Tisch unter anderem, dass die Brücke zu festgelegten Zeiten genauso regelmäßig gereinigt wird wie andere Gehwege. Außerdem soll eine öffentliche Toilette bei der Kersten-Miles-Brücke gebaut werden. Davon könnten auch viele Touristen profitieren. Ein zusätzlicher kleiner Durchbruch: Die Sozialbehörde erklärte sich bei der Sitzung bereit, zu prüfen, ob im Winternotprogramm zusätzliche Schlafplätze für Obdachlose mit Hunden bereit gestellt werden können.

Hans-Peter Strenge ist von der Arbeit des Runden Tisches angetan. „Alle haben ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt er. Die Gesprächsatmosphäre sei konstruktiv gewesen. Unter anderem habe die Polizei dargelegt, dass sich die Situation unter der Kersten-Miles-Brücke schon in diesem Jahr deutlich entspannt habe. Seit dem Umbau im Frühling könnten nicht mehr so große Gruppen unter der Brücke nächtigen. Seitdem habe es auch kaum noch Beschwerden gegeben.

Beachtlich: Am Runden Tisch wurden alle Beschlüsse einvernehmlich getroffen. „Das ist das bestmögliche Ergebnis, das man von einem Runden Tisch erwarten kann“, so Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer, der für Hinz&Kunzt dabei war. „Das Wichtigste ist: Der Zaun ist weg, und alle Beteiligten haben bekräftigt, dass sie Obdachlose nicht vertreiben wollen, sondern dass die Hilfe im Vordergrund stehen soll.“ Karrenbauer glaubt, dass die Obdachlosen von den Sozialarbeitern und einem klaren Regelwerk profitieren, „weil es ihnen die Sicherheit bietet, nicht vertrieben zu werden“.

Der Runde Tisch war einberufen worden, nachdem Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) für 18.000 Euro einen Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke anbringen ließ, um dort schlafende Obdachlose zu vertreiben. Schreiber war für diesen Alleingang nicht nur von sozialen Organisationen wie Hinz&Kunzt kritisiert worden, sondern von Politikern vieler Parteien und seinen eigenen Parteigenossen. Nach zehn Tagen ließ Schreiber den Zaun wieder entfernen und stimmte der Einberufung eines Runden Tisches zu.

Als Niederlage empfindet der City-Bürgermeister den Runden Tisch und dessen Empfehlungen nicht. „Ich bin ein Problem angegangen, vor dem sich viele weggeduckt haben“, sagte er im Anschluss an die Sitzung. Wenn es den Zaun nicht gegeben hätte, so glaubt er, wäre der Runde Tisch nicht so hochkarätig besetzt gewesen. „Und wenn alle Maßnahmen, die wir empfehlen, umgesetzt werden, haben ich auch finanziell mehr gewonnen als verloren.“

Ende November will sich der Runde Tisch noch einmal treffen. Denn noch ist nicht ausgemachte Sache, dass die Empfehlungen von Bürgerschaft und Bezirk angenommen und bezahlt werden. Allerdings ist Strenge optimistisch. „121 Bürgerschaftsabgeordnete haben sich vehement gegen den Zaun ausgesprochen. Dass eine Verbesserung der Situation nicht zum Nulltarif zu haben ist, dürfte jedem klar sein.“

Text: Birgit Müller
Foto: Mauricio Bustamante

Ein Kommentar
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  1. Ob ich vom Ergebnis angetan bin, wahrscheinlich nicht !! Denn in den Medien vom 15.10.2011 kann man ja meinen, das dort 500.000 Euro für ein Klo ausgegeben wird !! was ja so nicht stimmt !! Diese Stimmungsmache in den Medien, ist zum Haare raufen!! Eigentlich kennt sich Markus Schreiber ja aus, mit Toilettenhäuschen !! An der U-3 in Mümmelmannsberg wurde eine errichtet, die hat 350.000 Euro gekostet !! Da hat sich der Stadtteil die Haare gerauft,
    weil sie eigentlich verschwinden soll !! Der Stadtteil hat sich aber dagegen ausgesprochen, weil das eben Steuergelder sind, die da ausgegeben wurden!! Wenn an der Kersten Miles Brücke wirklich ein Klo-Häuschen bauen möchte, dann hoffe ich, das dieses besser gebaut wird als in Mümmelmannsberg !! Es ist aber sehr armselig, wie Medien mit Schlagzeilen um gehen!! Denn eine Überschrift wie „Ein Klo – Häuschen nicht nur für Obdachlose“ wer hier wohl besser gewesen!!

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