Näherinnen in Bangladesch

Leben von 30 Euro im Monat

Kürzlich starben beim Einsturz einer Fabrik in Bangladesch 379 Menschen. Seit Jahren prangern soziale Organisationen die Arbeitsbedingungen vor Ort an. Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung über Brandschutzabkommen und Mindestlöhne.

Gisela Burckthard, Vorstandsvorsitzende von Femnet und Mitglied der Kampagne Saubere Kleidung. Foto: privat.
Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet und Mitglied der Kampagne Saubere Kleidung. Foto: privat.

Hinz&Kunzt: Wie viel Lohn braucht eine Näherin aus Bangladesch zum Leben, Frau Burckhardt?
Gisela Burckhardt: Der derzeitige Mindestlohn beträgt umgerechnet 30 Euro, die Gewerkschaften fordern 50 bis 60 Euro. Aber der Mindestlohn, von dem eine vierköpfige Familie ihre Grundbedürfnisse befriedigen könnte, so haben Berechnungen ergeben, liegt bei 120 Euro.

Wären die Fabriken in Bangladesch noch konkurrenzfähig, wenn die Mindestlöhne angehoben würden?
Allerdings. Bangladesch ist das Land mit den weltweit niedrigsten Löhnen. Selbst wenn Bangladesch die Mindestlöhne auf 50 Euro anheben würden, wären sie weltweit immer noch am billigsten.

Aber eine Näherin in Bangladesch bräuchte vermutlich noch mehr als Geld: Sicherheit. In den vergangenen Monaten gab es ja immer wieder Großbrände, bei denen Hunderte von Näherinnen ums Leben kamen. Inzwischen gibt es ein Internationales Brandschutzabkommen. Immerhin: Tchibo hat unterzeichnet. Warum tun sich die anderen Konzerne so schwer damit?
Im Brandschutzabkommen geht es auch darum, dass die Gewerkschaften Zugang zu den Fabriken bekommen, um dort Trainings für Arbeiterinnen im Brandschutz durchzuführen. Das ist bislang nicht der Fall. Außerdem sollen die Mitglieder von Brandschutzkomitees gewählt werden können, bislang  gibt es noch keine solchen Komitees sondern „Participation Comittees“, deren Mitglieder aber meist vom Management ernannt werden.

Interview: Birgit Müller
Fotos: Kampagne für Saubere Kleidung/privat

Gisela Burckhardt ist Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsvereinigung Femnet und Mitglied der Kampagne Saubere Kleidung/Clean Clothes Campaign (CCC), einem Netzwerk, in dem sich 20 Trägerorganisationen zusammengeschlossen haben. Einen Teilerfolg hat die Kampagne für die Opfer der Brandkatastrophe in der Tazreen-Fabrik in Bangladesch erreicht. Kik, C&A und das spanische Unternehmen El Core Inglés erklärten, bis Ende April insgesamt eine Entschädigung von 5,7 Millionen US-Dollar zahlen zu wollen.

Tipps für Kirchentagsbesucher

Engagement für Frauen in den Nähfabriken von Bangladesch, Sa, 4.5., 1618 Uhr, Friedenskirche, Otzenstraße 19

Busrundfahrt zum fairen Handel, Sa, 4.5., 11.15-14 Uhr, Anmeldung erforderlich unter: seminare.frauenwerk.nordkirche.de oder 0431/55 77 91 12, Abfahrt Bushaltestelle Rathausmarkt, 7 Euro, weitere Infos unter www.frauenwerk.nordkirche.de

Von wertvollen Waren und wahren Werten. Brauchen wir mehr Ethik in der Wirtschaft? Hauptvortrag von Michael Otto, 2.5., 11–13 Uhr, St. Michaelis, Englische Planke 1

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