Flüchtlinge in Hamburg

Kirche und Moschee helfen

Etwa 80 Flüchtlingen bietet Pastor Wilm in der St. Pauli Kirche seit Anfang Juni eine Zuflucht. Aber nicht nur auf St. Pauli werden die Flüchtlinge unterstützt: In Borgfelde wird in der Erlöserkirche zwei Mal pro Woche kostenloses Essen angeboten. Und in Glinde beherbergt die Moschee zwölf weitere Flüchtlinge.

Libysche Flüchtlinge
Zwei Mal pro Woche bietet die Erlöserkirche im Café Mandela kostenloses Essen für die Flüchtlinge.

„Ich helfe unseren Brüdern aus Afrika“, sagt Patience Schmidt. Die gebürtige Ghanaerin steht hinter großen Kochtöpfen im Café Mandela der Erlöserkirche Borgfelde und schenkt Essen aus. Rebecca Brokbals steht neben ihr. „Do you want Spice?“ Der Mann in der Essensschlange nickt. Brokbals schöpft einen Esslöffel der roten, scharfen Soße auf seinen Teller.

Auf dem Hinterhof der Erlöserkirche herrscht ein buntes Durcheinander der Religionen und Kulturen. Zahlreiche Flüchtlinge und einige Helfer sitzen unter Pavillondächern zusammen. Es wird gelacht, diskutiert und gegessen. Französisch, Englisch, Deutsch und unterschiedliche Bantusprachen schallen über den Platz. Im Hintergrund klingt Reggae-Musik. Neben dem Gemeindehaus kniet ein Moslem und betet gen Osten. Die ersten haben bereits aufgegessen. Sie sitzen in der Kirche und diskutieren über ihre Situation in Hamburg.

Denn weiterhin ist ungewiss, ob sie in Hamburg bleiben dürfen. Fast alle Flüchtlinge stammen aus Westafrika. Sie flohen vor Hunger und Armut nach Libyen. Dort fanden sie Arbeit. 2011 brach in dem nordafrikanischen Land der Bürgerkrieg aus. Erneut flohen sie. Dieses Mal auf die italienische Insel Lampedusa. Doch der italienische Staat verwehrt ihnen ausreichende Hilfen. Sie zogen weiter. Nach Hamburg. Hier halten sich derzeit etwa 300 Afrikaner als „Touristen“ auf. Die Innenbehörde pocht auf ihre Rückführung. Aus der Bevölkerung hingegen erfahren die Flüchtlinge Unterstützung und Hilfsbereitschaft.

Das Café Mandela wird zur Großküche

Im Fokus der Helfer steht bislang St. Pauli: Etwa 80 Flüchtlinge haben in der St. Pauli Kirche Zuflucht gefunden. Nachbarn bieten Deutschkurse an, waschen die Wäsche und helfen mit Spenden. Aber nicht nur auf dem Kiez ist die Hilfsbereitschaft groß: In Borgfelde kümmern sich die afrikanische Masjid-Rahma-Moschee und die Erlöserkirche mit dem Afrikaner-Seelsorger Peter Sorie Mansaray um die Libyen-Flüchtlinge. „Etwa 200 Flüchtlinge kommen in der Regel zum Essen“, erzählt Brokbals.

Borgfelde4
Helferin French Fredicca wohnt mit ihren Kindern im Gemeindehaus.

Jeden Dienstag und Samstag verwandelt die 21-Jährige zusammen mit French Fredicca und vielen anderen Helferinnen das kleine Café Mandela in eine Großküche. „Ich finde toll, wie das hier läuft“, so Brokbals. „Viele schwarze Frauen sind dabei. Ich habe den Eindruck, dass die ganze afrikanische Community in Hamburg mithilft.“

Eine weitere Helferinnen ist French Fredicca. Aus der Behelfsküche trägt sie einen Topf Hirsebrei in den Vorraum. Vor über zehn Jahren kam die 42-Jährige aus Ghana nach Deutschland. Inzwischen wohnt sie im Gemeindehaus und arbeitet als Hausmeisterin für die Erlöserkirche in Borgfelde. „Beim Kirchentag im Mai haben wir die Menschen kennengelernt“, sagt sie. Die Idee, regelmäßig Essen anzubieten, war geboren. „Ohne die vielen Helfer wäre das nicht möglich.“

Rebecca Brokbals gehört nicht der Kirchengemeinde in Borgfelde an. Den Hilferuf hat die 21-jährige Hamburgerin über Facebook vernommen. „Ich studiere in London und habe Ferien“, sagt sie lachend. „Und da ich sowie nichts vorhabe, dachte ich mir, ich helfe hier mit.“ Sie fasziniert, wie in Borgfelde der interreligiöse Dialog gelingt. „Alle arbeiten zusammen “, so Brokhals. Zahlreiche Flüchtlinge seien Moslems. In der Küche würde daher kein Schweinefleisch verarbeitet. Außerdem sei Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. „Wer will, der kann sein Essen in einer Box mitnehmen und dann abends essen.“

In Glinde bietet die Moschee zwölf Schlafplätze

An die Fastenregeln hält man sich auch in der Moschee in Glinde. „Zu Beginn haben wir morgens das Frühstück gemacht“, erzählt Gemeindemitglied Osman Sarikaya. „Nun kümmern sich die Jungs selber darum. Ob sie dann wirklich nicht nach Sonnenaufgang essen, kontrolliert hier keiner.“

Zwölf Flüchtlingen bietet die kleine Moschee inmitten einer Reihenhaussiedlung Zuflucht. „Wir waren die Ersten, die einen Teil der Flüchtlinge aufgenommen haben“, erzählt Mustafa Tepe. Ein Bekannter aus St. Georg erzählte von der Situation der Flüchtlinge. „Für uns war klar, dass wir helfen“, so Tepe. „Wir sind zum Hauptbahnhof und haben zwölf Jungs mitgenommen.“ Sind denn alle Flüchtlinge Muslime? Mustafa Tepe muss schmunzeln: „Wir hoffen es zumindest.“

Afrikanische Flüchtlinge in Moschee in Glinde.
Im Keller der Moschee treffen sich sonst die Jugendlichen. Hier hat Mustafa Tepe ein Matratzenlager errichtet.

Das Jugendzimmer im Keller wurde aufgeräumt und ein Matratzenlager hergerichtet. Nun schlafen die Flüchtlinge zwischen Playstation und Siegerpokalen von Jugendturnieren. „Sie brauchen dringend ein eigenes Haus“, fordert Tepe. Wie lange die Moschee noch als Unterkunft dienen könne? Tepe ist empört über die Nachfrage: „Wir werden niemanden wegschicken.“

Unterstützung erhalten die Gemeindemitglieder von der Bürgerinitiative Glinde gegen rechts: Sachspenden können jeden Samstag am Infostand der Initiative am Markt in Glinde abgegeben werden. Dass Nachbarn wie auf St. Pauli einfach einen Kuchen vorbeibringen, ist in Glinde bislang nicht vorgekommen. Tepe und Sarikaya lassen sich davon nicht entmutigen. Zusammen mit Ibrahim Tanrikulu bilden sie den Kern der Unterstützer. „Wir arbeiten alle im Schichtdienst und können uns daher abwechseln “, so Tepe. Und die Flüchtlinge suchen sich selber ihre Beschäftigungen: Im Garten haben sie in Absprache mit Tepe vor kurzem den Unterstand neu gestrichen. „Sie kümmern sich um die Moschee, das ist gut.“ Es ist kurz vor 18 Uhr. Aus der Moschee erklingen die Rufe des Muezzins. Die Flüchtlinge, Tanrikulu, Sarikaya, Tepe und weitere Gemeindemitglieder versammeln sich in der Moschee zum Gebet. Draußen ist es nun still, nur das Zwitschern der Vögel ist in Glinde zu hören.

Text: Jonas Füllner
Fotos: Mauricio Bustamante

Die Moschee in Glinde benötigt Lebensmittel und Hygieneartikel für die zwölf Flüchtlinge. Sachspenden können in der Moschee am Tannenweg 5 in Glinde abgegeben werden.
Geldspenden nehmen die Kirche und die Moschee in Borgfelde und die Moschee in Glinde gerne an. Die folgenden Konten stehen zur Verfügung:
Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde, Kto. Nr. 1230 121 459 bei der Haspa 200 505 50
Muslimischer Familienverein e.V., Kto. Nr. 1081 216 895 bei der Haspa 200 505 50
Der Verwendungszweck lautet „Flüchtlingshilfe“. Für Spendenbescheinigungen bitte die Adresse auf dem Überweisungsträger vermerken.
Islamische Gemeinde Glinde Kto. Nr. 1398 129 260 bei der Haspa 200 505 50, Stichwort: „Afrikanische Flüchtlinge“ 

3 Kommentare zu “Kirche und Moschee helfen

  1. Am gestrigen Tag, hat der Bürgermeister Olaf Scholz in den Medien verlauten lassen: “ Das er keine anderen geseztlichen Spielräume hat, um sie in Hamburg bleiben zu lassen !!“ Im Moment ist fast jeder Stadtteil gegen Flüchtlinge, oder Obdachlose !! Und keiner der politisch tätig ist, fragt sich, was in dieser Stadt los ist !! Scheinbar hat eine gewisse Generation es vergessen, wie es ist, auf der Flucht zu sein ?? Wir wünschen das bestimmt keinen, das er flüchten muß, wir wünschen auch niemandem, das er obdachlos wird !! Aber wir scheinen in einer egoistischen Gesellschaft zu leben, wo nur noch jeder an sich selbst denkt !! Das dies sehr gefährlich werden kann, wissen die wenigsten, denn es kann heut zu Tage fast jeden treffen (Was wir nicht hoffen) !!

    In diesem nachdenklichen Sinn, E.Heeder – HINZ&KUNZT-Verkäufer

  2. Danke Erich für die treffenden Worte.
    Nicht so treffend ist allerdings die Darstellung im Artikel: Auch wenn der Fokus vielleicht mit Absicht auf die wertvolle Hilfe gelegt ist, die die Religionsgemeinschaften leisten, stimmt es nicht, daß die Lampedusa-Gruppe nur dort Hilfesbereitschaft erfährt.
    Eine andere Art von Hilfe wird von den Medien systematisch verschwiegen. Dabei greift bestimmt jeder Journalist auf die Seite http://lampedusa-in-hamburg.org zurück um sich zu informieren. Wer leistet aber diese Hintergrundarbeit? Wer schreibt Flugblätter, aktualisiert die Homepage, organisiert die Pressekonferenzen, diskutiert täglich mit den vier Sprechern der Flüchtlinge Strategien des Vorgehens und des politischen Kampfes um ihre Anerkennung?

    Ihr guckt in die Töpfe – ja, Menschen müssen essen und schlafen.
    Doch sie wollen nicht auf ewig auf Barmherzigkeit angewiesen sein, das kennen auch alle Hinz&Kunzt Verkäufer gut! Wieder auf eigenen Beinen stehen und mit eigenen Händen den Lebensunterhalt erarbeiten.
    Ihr verschweigt, daß es jenseits von Essen und Schlafen auch harte Diskussionen geben muß.
    Wenn schon Helfer – dann alle.
    Wer verschweigt, wer noch alles Seite an Seite mit den Flüchtlingen steht, erzählt,
    wie immer,
    nur die halbe Wahrheit über Hamburgs Straßen.

  3. Nur zum Vergleich: Die dumme Kirche nimmt „Flüchtlinge“ jeder Konfession auf, und wie ist es mit den Mohammedanern?

    Kirche:

    „Etwa 80 Flüchtlingen bietet Pastor Wilm in der St. Pauli Kirche seit Anfang Juni eine Zuflucht. Aber nicht nur auf St. Pauli werden die Flüchtlinge unterstützt: In Borgfelde wird in der Erlöserkirche zwei Mal pro Woche kostenloses Essen angeboten. “

    Moschee:

    „Zwölf Flüchtlingen bietet die kleine Moschee inmitten einer Reihenhaussiedlung Zuflucht. „Wir waren die Ersten (NATÜRLICH GELOGEN), die einen Teil der Flüchtlinge aufgenommen haben“, erzählt Mustafa Tepe. Ein Bekannter aus St. Georg erzählte von der Situation der Flüchtlinge. „Für uns war klar, dass wir helfen“, so Tepe. „Wir sind zum Hauptbahnhof und haben zwölf Jungs mitgenommen.“ ——Sind denn alle Flüchtlinge Muslime? Mustafa Tepe muss schmunzeln: „Wir hoffen es zumindest.“

    AHA:, alles klarooooo?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *