„Verbesserungswürdige Bedingungen“

In einer aktuellen Studie erhebt die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, kurz CCC) schwere Vorwürfe gegen die Textil-Zulieferfabriken von deutschen Discountern. Nach Recherchen von Mitarbeitern der Kampagne in zehn Zulieferbetrieben von Aldi, Lidl und Kik in Bangladesch gehören menschenunwürdige Arbeitsrechtsverletzungen in Billiglohnländern trotz anderslautender Versprechungen der Discounter weiterhin zum Arbeitsalltag der Beschäftigten.

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Hinz&Kunzt konfrontierte Aldi, Lidl und Kik mit den Vorwürfen der neuen Studie und fragte:

1. Besitzen die Beschägftigten Ihrer Zulieferfirmen einen Arbeitsvertrag, der den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entspricht  (48 reguläre Arbeitsstunden im Monat plus maximal 12 Überstunden)?
2. Werden die gesetztlich festgelegten Wochenarbeitsstunden eingehalten?
3. Werden Überstunden korrekt bezahlt?
4. Gibt es eine gewerkschaftliche Organisierung?
5. Wie verhindern Sie vor Ort geschlechtsbedingte Diskriminierung von Frauen?
6. Welche Maßnahmen haben Sie in der Vergangenheit unternommen und unternehmen Sie aktuell, um Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen bei Ihren Lieferanten zu verhindern?
7. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Lieferanten in Zukunft die Gesetze einhalten?

Die Pressestelle von Kik antwortete daraufhin:

„Derzeitig liegt uns nur die in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie der CCC in Form einer Kurzversion vor, weshalb wir aktuell zu den Inhalten und Vorwürfen nicht detailliert Stellung nehmen können. Fakt ist aber, dass KiK bereits 2006 durch die Einführung des Code of Conduct, welcher die Ihrerseits genannten Punkte thematisiert, und der Implementierung eines eigenständigen CSR-Bereiches im Jahr 2007 die Herstellung, Sicherstellung und ständige Kontrolle sozialer Mindeststandards in der Produktion systematisch in die Geschäftsabläufe integriert. Jeder Lieferant verpflichtet sich auf die Einhaltung des CoC. Die darin festgelegten Punkte werden durch externe und unabhängige Auditierungsunternehmen kontrolliert. In den Jahren 2010 und 2011 haben wir in Bangladesch eine 100 % Auditierungsquote mit unseren Lieferanten erreicht. Damit haben wir zwar die Zustände noch nicht verbessert aber verfügen über Transparenz, kennen die bestehenden Schwächen und können diese gezielt angehen.

Fakt ist, dass wir bei der Sicherstellung sozialer Mindeststandards in der Produktion und bei der Herstellung angemessener Arbeitsbedingungen immer wieder auf verbesserungswürdige Bedingungen stoßen. Die Aufgabe aller direktimportieren der Handelshäuser liegt damit in der Gestaltung langfristiger Entwicklungsprozesse. Dabei kommt unbestritten der Zahlung gerechter Löhne und der Einhaltung der Arbeitszeiten eine besondere Bedeutung zu. Daher haben wir in unseren übergeordneten Nachhaltigkeitszielen festgelegt, dass wir uns für eine Lohnentwicklung oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns einsetzen werden.

Allerdings möchten wir angesichts unserer Aktivitäten den erhobenen Vorwurf, wir würden unserer Sorgfaltspflicht in der Lieferkette nicht nachkommen und zur Sicherstellung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften auf Ebene der Lieferanten keine Vorsorge betreiben, widersprechen. Genauso ist der Vorwurf, wir würden über unsere Schritte zur Verhinderung von Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen nicht berichten, mit Verweis auf unseren Nachhaltigkeitsbericht aus unserer Sicht nicht haltbar.“

Die Pressestelle von Aldi antwortete daraufhin:

Zunächst möchten wir Ihnen mitteilen, dass uns von Ihnen genannte aktuelle Studie der Kampagne für Saubere Kleidung noch nicht zur Verfügung gestellt wurde, so dass wir zu den konkreten Inhalten leider keine Stellung nehmen können. Wir werden die Inhalte jedoch selbstverständlich umgehend und intensiv prüfen, sobald uns die Studie vorliegt.

Die Übernahme von Verantwortung gehört seit jeher zu den leitenden Prinzipien unseres unternehmerischen Handelns bei ALDI SÜD. Als international tätige Unternehmensgruppe stellen wir uns seit Langem unserer Verantwortung für den Aufbau von Strukturen zur dauerhaften Implementierung von sozialen Standards in den Lieferländern. Wir erfüllen diese Aufgabe gemeinsam mit vielen europäischen Unternehmen im Rahmen der freiwilligen, internationalen Business Social Compliance Initiative (BSCI).

Nach unserem Beitritt in die BSCI Anfang 2008 haben wir deren Verhaltenskodex im Jahr 2009 in unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen, um so einen Beitrag für den Auf- und Ausbau von Strukturen zur dauerhaften Implementierung von sozialen Standards in den Lieferländern leisten zu können. Eine flächendeckende Einführung von Sozialstandards entlang der Lieferkette kann unseres Erachtens jedoch nur durch ein koordiniertes Vorgehen vieler Marktteilnehmer gewährleistet werden. Daher freuen wir uns, dass neben ALDI SÜD und Hofer S/E inzwischen eine Vielzahl unserer Lieferanten eigenständige Mitglieder der BSCI geworden sind.

Wir sind als ALDI SÜD aktiv an der Gremienarbeit der BSCI beteiligt und unterstützen die Organisation und ihre Arbeit weit über unsere reine Mitgliedschaft hinaus. Insgesamt ziehen wir eine durchaus positive Bilanz unserer verantwortlichen Unternehmenspolitik. Gemeinsam mit den Mitgliedern der BSCI engagieren wir uns für die Umsetzung von:

•    Verbot von Kinderarbeit
•    Verbot von Zwangsarbeit und Disziplinarmaßnahmen
•    Verbot der Diskriminierung jeder Art
•    menschenwürdigen Arbeitszeit- und Überstundenregelungen
•    Vorsorge für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
•    Löhnen, die dem gesetzlichen Mindestlohn bzw. geltenden Industriestandards entsprechen
•    Versammlungsfreiheit und dem Recht auf Kollektivverhandlungen
•    Berücksichtigung von Umwelt- und Sicherheitsfragen

Das unabhängige Kontrollsystem der BSCI sieht vor, dass die BSCI-Auditierungen der Sozialstandards ausschließlich von speziell akkreditierten und unabhängigen Auditierungsunternehmen durchgeführt werden. Die Beherrschung der Geschäftssprache und der Landessprache sind ebenso Voraussetzung für die Akkreditierung wie die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit gegenüber dem Zulieferbetrieb.

In diesem Zusammenhang haben wir ein eigenes Lieferantenmonitoring aufgebaut und führen mit Hilfe unseres Asienbüros vor Ort eigene Assessments durch. Beide Instrumente sind auf Eigeninitiative von ALDI SÜD entstanden und ergänzen den allgemeinen BSCI-Prozess.

Darüber hinaus möchten wir Sie informieren, dass ALDI SÜD die Übernahme von sozialer Verantwortung auch zum Bestandteil sämtlicher vertraglichen Lieferantenbeziehungen macht. Mit der Einführung unserer Richtlinien zur verantwortlichen Unternehmensführung (Corporate Responsibility Policy) haben wir unsere Grundsätze und Werte im unternehmerischen Handeln gegenüber den Menschen und der Umwelt verbindlich festgelegt. Für ALDI SÜD bildet die CR-Policy einen umfassenden und verbindlichen Handlungsrahmen für alle Mitarbeiter und Geschäftspartner.

Uns ist bewusst, dass der Aufbau von Strukturen zur Einführung und zuverlässigen Überprüfung von Sozialstandards entlang der Lieferkette ein langfristiger Prozess ist. Bei ALDI SÜD haben wir unsere Zielsetzungen jedoch klar definiert und die Voraussetzungen für den Ausbau unserer sozial verantwortlichen Einkaufspolitik geschaffen.“

Die Pressestelle von Lidl antwortete daraufhin:

„Mit unserem Motto Auf dem Weg nach Morgen setzen wir uns kontinuierlich für Verbesserungen im sozialen und ökologischen Bereich ein. Dabei lehnt Lidl grundsätzlich jegliche Form von Kinderarbeit oder Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten bei der Herstellung seiner Waren ab.

Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei Textilherstellern in Bangladesch sind ein langfristiger Prozess und eine Herausforderung nicht nur für Lidl, sondern für alle Unternehmen der Handelsbranche, da die Fabriken, in denen Lidl Textilien herstellen lässt, nicht ausschließlich für Lidl, sondern auch für weitere Handelsunternehmen arbeiten.

Als einen wichtigen Ansatz zur proaktiven Verbesserung sozialverträglicher Arbeitsbedingungen in der Lieferkette sehen wir die Einbindung von Importeuren und Herstellern in gezielte Trainingsmaßnahmen. Über die extern durchgeführten Kontrollmaßnahmen hinaus, setzen wir auf die Durchführung qualifizierter Schulungen und Trainingsmaßnahmen für ausgewählte Hersteller, um eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Lidl hat daher als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler im März 2008 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Schweizerischen Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit (swisscontact) und BSD Consulting ein Trainingsprojekt für Produzenten in Bangladesch und China initiiert. Ziel des Projektes ist der Austausch zwischen Arbeitnehmern und dem Management der Hersteller. Gemeinsam identifizieren sie Schwachstellen und defizitäre Arbeitsbedingungen im Produktionsprozess und erarbeiten adäquate Lösungen, die es dann gilt vor Ort in den Herstellerbetrieben umzusetzen.

Qualifizierte einheimische Trainer stehen den Beteiligten in den Betrieben rund um die Uhr beratend zur Seite. Durch die Ausbildung von Trainern und die Arbeit mit den Herstellern wird der Zugang zu Wissen und Techniken im Bereich des erfolgreichen Mitarbeitermanagements verbessert. Kommunikation, Arbeitssicherheit, Entlohnung und Arbeitszeiten sind weitere herausfordernde Punkte auf der Agenda. Das Trainingsprojekt wird jährlich mit 1,3 Millionen Euro komplett von Lidl finanziert.

Die GIZ ist privatwirtschaftlich als gGmbH verfasst und im Eigentum des Bundes. Sie wickelt dabei im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) komplexe Reformen und Veränderungsprozesse in Entwicklungsländern ab. Sie bietet zukunftsfähige Lösungen für politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklungen in einer globalisierten Welt und fördert komplexe Reformen und Veränderungsprozesse auch unter schwierigen Bedingungen. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern.

Darüber hinaus hat Lidl für die Arbeitnehmer vor Ort seit Februar 2009 einen durch Lidl komplett finanzierten mobilen Gesundheitsdienst für ausgewählte Textil-Produzenten in der Region Dhaka (Bangladesch) eingerichtet. Neben der GIZ, die das Projekt von internationaler Seite aus koordiniert, arbeiten wir mit lokalen Experten aus Bangladesch zusammen: Die gemeinnützige Organisation „Population Services and Training Center“ (PSTC) arbeitet vor Ort mit mehr als 1.900 Mitarbeitern und langjähriger Erfahrung an Themen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung für international anerkannte Geberorganisationen wie UNICEF und USAID. Im Rahmen des mobilen Krankendienstes ist PSTC für die operative Durchführung verantwortlich.

Der mobile Krankendienst fährt mit Ausrüstung und Medikamenten in einem festen Turnus von Hersteller zu Hersteller. Arzt, Krankenschwester, sowie Fahrer und Verwaltungskräfte kümmern sich um Organisation und Durchführung des Krankendienstes. Alle Mitarbeiter der betreffenden Hersteller – auch diejenigen, die aktuell nicht für Lidl produzieren – haben die Gelegenheit, sich im Rahmen der ärztlichen Möglichkeiten auf die unterschiedlichen Beschwerden hin behandeln zu lassen.“

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