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„Jeder verdient Hilfe“

24. Februar 2012 | Von | Kategorie: 2012: Hinz&Kunzt 227-238, Archiv, Hinz&Kunzt 229/März 2012

Danke, Jork! Seit 15 Jahren spenden Schüler und Lehrer des dortigen Schulzentrums den Erlös ihres Weihnachtsbasars an Hinz&Kunzt. Meike Metzinger unterstützte das Projekt von Anfang an. Jetzt verabschiedete sich die Schulleiterin in den Ruhestand.

(aus Hinz&Kunzt 229/März 2012)

Schon als Schülerin hatte Meike Metzinger mit Obdachlosen zu tun; als Lehrerin konnte sie ihnen helfen.

Der „zündende Funke“ seien zwei Kolleginnen gewesen, sagt Meike Metzinger. Und natürlich Fred – „unser Fred“, wie Meike Metzinger sagt. Als langjähriger Hinz&Kunzt-Verkäufer beim Marktkauf in Buxtehude galt Fred, der 2009 starb, in der gesamten Umgebung als Institution. „Von uns Lehrern schätzte ihn jeder“, erzählt Meike Metzinger. 34 Jahre arbeitete sie im Schulzentrum Jork nahe der Elbe, zuletzt als Schulleiterin.

Als ihre Kolleginnen Ruth Lunkenheimer und Karin Kleinichen im Unterricht das Thema Obdachlosigkeit durchnahmen, kamen sie auf die Idee, Fred einzuladen. Er erklärte den Schülern, wie „ganz normale“ Menschen auf der Straße landen, wie sich ein solches Leben anfühlt – und wie man sich mit der Hilfe anderer wieder aufrappeln kann. „Er konnte toll mit Kindern umgehen“, findet Meike Metzinger. „Er hat ihnen die Augen für soziale Missstände vor unserer Haustür geöffnet.“

Deshalb beschloss das Kollegium, den Erlös ihres jährlich stattfindenden Weihnachtsbasars Hinz&Kunzt zu spenden – und zwar nicht einmalig, sondern dauerhaft. 15 Mal bastelten, werkelten, buken und verkauften die 5. bis 10. Klassen seitdem Adventsgestecke, Töpferarbeiten, Kekse und vieles mehr für Hinz&Kunzt. „Kein Schnickschnack, sondern richtig gute Sachen“, betont Meike Metzinger.

Für die fröhliche 62-Jährige ist soziales Engagement ein persönliches Anliegen. Sie wuchs in Kaiserslautern auf und besuchte dort eine katholische Schule für Mädchen. Im Vorraum durften sich Obdachlose ausruhen und bekamen von den Ordensschwestern Tee, Suppe und Brot. Einige Eltern beschwerten sich daraufhin bei der Schulleitung: Sie wollten nicht, dass ihre Kinder mit Obdachlosen in Berührung kamen. „Aber unsere Schulleiterin sagte: ‚Wir sollten alle jeden Tag riechen, schmecken und fühlen, was Armut bedeutet.‘ Seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.“

Umso begeisterter war Meike Metzinger, als sie später nach Hamburg zog und im neuen Job als Lehrerin in Jork auf ein ebenfalls sozial engagiertes Kollegium traf. „Sich um andere zu kümmern ist für uns keine leere Parole“, erklärt sie. „Wenn ich einen Menschen in Not sehe, helfe ich – ohne mich lange zu fragen, ob dieser Mensch Hilfe überhaupt verdient hat. Jeder verdient Hilfe.“

Text: Maren Albertsen
Foto: Mauricio Bustamante

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