Internationaler Frauentag

Enttäuschende Bilanz

Über hundert Jahre nachdem in Deutschland zum ersten Mal der Frauentag begangen wurde, ist der Weg zur Gleichstellung noch weit: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer. In Folge dessen droht Frauen eher Altersarmut als Männern.

München 1975: Männer demonstrieren ihre Solidarität mit den Frauen. Ihre Forderung ist auch heute noch aktuell.
München 1975: Männer demonstrieren ihre Solidarität mit den Frauen. Ihre Forderung ist auch heute noch aktuell.

Zugegeben: Frauen haben heutzutage deutlich bessere Bildungschancen als noch vor 20 Jahren. Inzwischen weisen mehr junge Frauen als junge Männer einen Abschluss von einer Universität, einer Fachschule oder auch einen Meisterbrief vor. Der Anteil der erwerbstätigen Frauen ist mit 68 Prozent vergleichsweise hoch, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur „Gleichstellung der Geschlechter“ zeigt. Dass Frauen trotzdem weniger verdienen, resultiert unter anderem daraus, dass Frauen zunehmend in Teilzeit arbeiten. Durch diese Entwicklung wächst der Verdienstunterschied im Alter weiter an. Bei den über 40-Jährigen ist er drei Mal so hoch wie bei jüngeren Erwerbstätigen.

Aber nicht nur die Verdienstunterschiede sind groß. Frauen schaffen es darüber hinaus äußerst selten in Führungspositionen: Weniger als vier Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder in börsennotierter Unternehmen sind Frauen. Eine EU-Richtlinie könnte für einen Wandel sorgen: EU-Justizkommissarin Viviane Reding will erreichen, dass ab 2020 in den Aufsichtsräten großer Unternehmen 40 Prozent der Posten mit Frauen besetzt sein sollten.

Doch die Pläne könnten an der Bundesregierung scheitern. „Es ist nicht Aufgabe von Brüssel, den Mitgliedstaaten hier etwa vorzuschreiben, wie private Unternehmen im Mittelstand ihre Führungsgremien zu besetzten hätten“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Kritik erntet Westerwelle aus der eigenen Partei: „Die Ablehnung der EU-Initiative vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen zu Quoten für Aufsichtsräte ist unsinnig, das Ergebnis ist schließlich noch gar nicht bekannt. Ein solches Signal zeugt zudem von einer gewissen Ignoranz im Hinblick auf Gleichberechtigung”, sagt die Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin. Erst im November wird das EU-Parlament über die Einführung einer Frauenquote für börsennotierte Unternehmen entscheiden.

Bei Unternehmen könnte eine Gleichstellung durch eine gesetzliche Quote erreicht werden. Anders sieht die Situation für Freiberufler aus: Hier beträgt der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland 63 Prozent. Er ist damit fast doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt (34 Prozent).

Die niedrigeren Einkommen, schlechteren Karrierechancen und Teilzeitbeschäftigungen wirken sich schließlich auf die Rentenbezüge aus. Im Schnitt bekommen Frauen in Deutschland nur die Hälfte der durchschnittlichen Rente, die Männern ausbezahlt wird. In keinem anderen OECD-Land ist das Rentengefälle höher. Beate Born, Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Frauen bemängelt, dass Frauen aufgrund der geringeren Entlohnung kaum Möglichkeiten haben, für die eigene Alterssicherung zu sorgen: „Altersarmut hat ein weibliches Gesicht.“ Nach Angaben der OECD-Studie soll der Anteil der in Altersarmut lebenden Rentnerinnen in der Bundesrepublik inzwischen bei zehn Prozent liegen.

Text: JOF
Foto: Action Press/Ullstein Bild

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