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„Ich kann hartnäckig sein“

Hinz&Kunzt-Beiratsmitglied Mathias Bach gründet das Projekt „Hilf Mahl“, um damit Obdachlose zu unterstützen.

(aus Hinz&Kunzt 251/Januar 2014)

„Es sollte für Restaurants zum guten Ton gehören, bei ,Hilf Mahl‘ dabei zu sein“, sagt Mathias Bach, der das Projekt in Hamburg nach Londoner Vorbild gegründet hat.
„Es sollte für Restaurants zum guten Ton gehören, bei ,Hilf Mahl‘ dabei zu sein“, sagt Mathias Bach, der das Projekt in Hamburg nach Londoner Vorbild gegründet hat.

Ein wenig britisch sieht er aus in seinem dunkelbraunen Anzug mit passender Weste. Das höre er öfter, meint Mathias Bach, der tatsächlich „etwas anglophil“ ist. Jedes Jahr ein bis zwei Mal besucht der Kaufmann London. Von einem seiner Besuche dort hat der 51-Jährige auch die Idee für sein Hilfsprojekt mitgebracht: „streetsmart“ heißt es dort, „Hilf Mahl“ nennt sich die Hamburger Ausgabe.

Und die funktioniert so: Restaurants, die sich an „Hilf Mahl“ beteiligen, stellen ein Kärtchen auf jeden Tisch. Darauf ist vermerkt, dass auf jede Rechnung ein Euro aufgeschlagen wird. Dieser Euro geht an „Hilf Mahl“ – das wiederum das Geld an Obdachlosenprojekte weiterleitet. Natürlich wird kein Gast gezwungen: Ein kleiner Hinweis an den Service genügt, und der Obolus entfällt.

Vor zwei Jahren stieß Bach in London beim Essen zum ersten Mal auf die Aufsteller. „Und ein Jahr später wieder“, erinnert sich der Kaufmann. „Da entschieden meine Frau Sophie und ich, die Idee nach Deutschland zu bringen.“ Das Prinzip ist einfach und genial. Man fragt sich, warum hier noch niemand darauf gekommen ist. „Die Engländer sind eben kreativ“, meint Bach.
In London läuft „streetsmart“ bereits seit 15 Jahren. Alle bekannten Köche beteiligen sich mit ihren Restaurants daran. Auf diese Weise sind allein im vergangenen November und Dezember 800.000 Pfund (fast 950.000 Euro) zusammengekommen, die an rund 100 Hilfseinrichtungen für Obdachlose verteilt worden sind.

In Hamburg steckt „Hilf Mahl“ noch in den Kinderschuhen. Die Resonanz ist jedoch sehr gut. 100 Euro pro Abend könnten es schon sein, erzählt eine Mitarbeiterin aus dem Restaurant Tschebull, in dem unser Gespräch stattfindet. Dass jemand nicht mitmachen wollte, sei dort nur ein einziges Mal vorgekommen. Einige Gäste würden den Euro sogar großzügig nach oben aufrunden. Die Trinkgelder seien durch die Spendenaktion zum Glück nicht weniger geworden. Vielleicht auch, weil der Tischaufsteller die Gäste ausdrücklich bittet, das Trinkgeld nicht wegen des Obdachlosen-Obolus zu reduzieren.

Auch bei nur einem Euro pro Gast kommt ganz schön etwas zusammen. „Ich möchte nicht hochrechnen“, sagt Mathias Bach. „Lieber lasse ich mich überraschen.“ Ein Dutzend Gastronomiebetriebe ist schon im Boot, aber es sollen noch viel mehr werden. „Ich kann sehr hartnäckig sein“, verspricht Bach.

Stehvermögen beweist er auch sonst seit vielen Jahren beim Thema Obdachlosigkeit. Bereits am „Runden Tisch St. Jacobi“, einem Gremium aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik in Hamburg Mitte, hat er sich für Obdachlose eingesetzt. Später wurde er in den Hinz&Kunzt-Beirat berufen, ihm gehört er seit vielen Jahren an. Im Winter vor zwei Jahren hat er eine Spendenaktion angestoßen, die Hinz&Kunzt ein eigenes kleines Winternotprogramm ermöglicht hat. Das Lob dafür wehrt er bescheiden ab. „Ich bin nicht wichtig.“

Aber woher kommt seine Motivation? „Ich habe ein Herz für Leute, denen es nicht gut geht“, sagt Bach. „Aber ich bin auch pragmatisch und weiß, dass ich nicht jedem helfen kann. Mit ,Hilf Mahl‘ kann ich wenigstens viele Menschen erreichen und wirklich etwas bewegen.“

Text: Sybille Arendt
Foto: Dmitrij Leltschuk

Mehr Infos und eine Liste teilnehmender Restaurants in Hamburg: www.hilfmahl.de

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