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Hinz&Künztler

Hoffen hilft – hilft hoffen?

19. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Archiv, Hinz&Kunzt 226/Dezember 2011, Nachrichten, Obdachlosigkeit

Fünf Hinz&Künztler erzählen, was sie vom Prinzip Hoffnung halten. Während Carmen auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder hofft, verlässt sich Adam lieber auf sich selbst. Und Bernhard sagt: „Hoffnung kann Dir keiner nehmen.“

CARMEN, 36, verkauft in Maschen

„Ich komme aus Rumänien, finde dort aber keine Arbeit. Ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft für meine Kinder wäre ich nicht hierhergekommen.
Dafür vermisse ich meine Familie in Rumänien viel zu sehr. Jetzt hoffe ich, dass ich hier in Hamburg genügend Geld verdiene, damit meine Kinder einmal gute Chancen im Leben haben.“
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ADAM, 35, verkauft in Niendorf-Nord

Hoffnung ist Quatsch. Aber hallo! Zurzeit lebe ich in einem Wohncontainer, habe keinen Job. Deshalb will ich so schnell wie möglich eine Wohnung finden und eine Arbeit, am liebsten auf dem Bau. Aber das schaffe ich nicht, wenn ich warte und hoffe. Da ist doch niemand, der sich um mich kümmert, das muss ich schon alleine schaffen. Und das werde ich auch.
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 BERNHARD, 54, verkauft am Großneumarkt

„Hoffung ist das Letzte, was dir bleibt, das kann dir keiner nehmen. manchmal überrascht einen die Hoffnung auch, so wie mich in Santa Fu: Eines Tages sagte mir mein Anwalt, dass ich nur zwei Drittel meiner Strafe absitzen müsste. Das hieß acht statt zwölf Jahre Knast – und acht Jahre waren genau an diesem Tag um! Meine Frau holte mich ab, und wir hörten die ganze Fahrt Nothing else matters von Metallica, das werde ich nie vergessen.“

 

 

 

 

 

 

 

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CHAKA, 32, wartet noch auf einen Verkäuferausweis

„Mein Motto ist: Spaß ist, wenn man trotzdem lebt. Ich glaube zwar an Schicksal, aber nicht in der Art, dass man einfach nur abwarten und hoffen sollte. Nein, man sollte sein Schicksal selber in die richtigen Bahnen lenken. Wenn du kuschst, wird nur auf dich draufgetreten. Du musst schon selber was tun, um dein Leben zu verbessern.“

 

 

 

 

 

 

 

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VERA, 48, verkauft in Gaststätten in Winterhude

„Die Hoffnung stirbt zuletzt – das ist mein Lebensmotto, ja, sogar mein Überlebensmotto. es gab schon viele Situationen, in denen nur die Hoffnung mich aufrecht gehalten hat, zum Beispiel, als ich in Argentinien im Gefängnis saß und anfangs nicht mal die Sprache konnte. Als ehemals Drogensüchtige brauche ich außerdem jeden Tag den Glauben daran, dass ich stark bleibe und nicht rückfällig werde.“

 

 

 

 

 

 

Protokolle: Maren Albertsen
Fotos: Hanna Schuh

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