Spielen, nicht predigen

Jede Aufführung eine Premiere – bei Theaterabenden mit hidden shakespeare bestimmen die Zuschauer den Verlauf der Vorstellung. Am 15. September spielt das Ensemble zugunsten von Hinz&Kunzt

(aus Hinz&Kunzt 223/September 2011)

„Wir wissen nie im Voraus, wie unsere Aufführungen enden“, erzählt Mignon Remé, Mitbegründerin des Improvisa-tionstheaters hidden shakespeare. Denn bei allem, was geschieht, haben die Zuschauer ein Wörtchen mitzureden: „So wird jede Show zur Premiere.“

Am 15. September spielt das fünfköpfige Ensemble samt Pianist zugunsten von Hinz&Kunzt im Rolf-Liebermann-Studio des NDR. „Ich finde es wichtig, die eigene Stadt mitzugestalten und sich für soziale Projekte zu engagieren“, sagt Kirsten Sprick, die hidden shakespeare vor 18 Jahren gemeinsam mit Mignon Remé gründete.
Die beiden lernen sich Mitte der 80er-Jahre während ihrer Schauspielausbildung in Hamburg kennen. Mignon Remé wechselt nach New York, erlebt hier Improvisationstheater: „Für mich war das Freiheit pur: aus dem Nichts Handlungen entwickeln, Erzählstränge verweben, gemeinsam mit dem Publikum arbeiten – in Deutschland gab es nichts Vergleichbares.“ Auch Kirsten Sprick ist vom Improvisationstheater „sofort verzaubert“. Genau wie vom sogenannten versteckten (hidden) Theater, bei dem Schauspieler an öffentlichen Plätzen Szenen entwickeln, ohne dass die Leute drumherum wissen, dass hier Theater gespielt wird. „Ein tolles Mittel, um auf Missstände hinzuweisen“, findet Mignon Remé und erzählt von einem Schauspieler, der, als Obdachloser verkleidet, im Eingangsbereich einer Oper scheinbar vor Hunger zusammengeklappt ist. „Das hat besonders die feinen Gäste ziemlich schockiert.“
Zurück in Hamburg gründen sie hidden shakespeare, unterstützt von Kampnagel. Anfangs spielen sie verstecktes Theater, wechseln aber nach einiger Zeit zur Improvisation: „Wir sind totale Geschichten-Liebhaber. Letztlich wollen wir von Menschen erzählen, keine Moralpredigten halten.“ Mittlerweile treten die beiden und ihre Kollegen Rolf Claussen, Thorsten Neelmeyer und Frank Thomé weltweit auf Festivals auf.
Aufs Publikum müssen sie sich immer wieder neu einstellen. „Zu Anfang sind die Zuschauer sehr zurückhaltend“, sagt Mignon Remé. „Aber keine Angst: Bei uns wird keiner auf die Bühne gezerrt und keiner macht sich lächerlich – höchstens wir selbst. Schließlich wissen wir nie, welche Rolle wir zu spielen haben, wer wir am Abend sein werden.“
Einzige Requisite der Gruppe ist ein Hocker, „mit 60 Jahren unser ältestes Mitglied“, der schon als Thron, Zugspitze oder Piratenschiff gedient hat. „Er ist genauso wandlungsfähig wie wir“, lobt Mignon Remé. Um die ganze Welt sind sie gereist, haben Tragödien und Komödien, Zartes und Hartes, Leichtigkeit und Weisheit durchgespielt: „Die ganze Bandbreite, die auch Shakespeare in seinen Werken zeigt.“

hidden shakespeare, 15. September, 20 Uhr, Rolf-Liebermann-Studio des NDR, Oberstraße 120, Eintritt 15/12 Euro, Tickets Tel. 0180-178 79 80 oder www.ndrticketshop.de

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