„Hauptsache, ein Werk gefällt mir. Punkt“

Ob figurative Malerei oder wüste Installation: Bei „Feinkunst Krüger“ weiß man nie, was als Nächstes zu sehen ist. Die Vielseitigkeit seiner Galerie stellt Quereinsteiger Ralf Krüger auch im Februar wieder unter Beweis.

(aus Hinz&Kunzt 228/Februar 2012)

Offene Augen für Nachwuchstalente: In Ralf Krügers Galerie ist schon mancher Neuling groß rausgekommen.

Ganz plakativ. So fing es an. Vor 13 Jahren war das: Ralf Krüger und seine damalige Freundin wollten ins Portugiesenviertel ziehen und fanden dort einen 40 Quadratmeter großen Laden mit angrenzender Wohnung. „Prima, hinten wohnen, vorne Plakate ausstellen“, dachte Ralf Krüger. Er vertrieb zu der Zeit limitierte Rockposter, handgearbeitete Siebdrucke von US-Künstlern wie Derek Hess. „Nur mit Plakaten zu arbeiten wurde uns aber bald zu langweilig“, erzählt Ralf Krüger. „Deshalb kamen schnell andere Ausstellungen dazu.“

So wurde die Galerie „Feinkunst Krüger“ geboren, ein Ort, der für viele junge, noch nicht so etablierte Künstler zum Sprungbrett für ihre Karrieren wurde. Denn Nachwuchsförderung findet Ralf Krüger, der die Galerie seit der Trennung von seiner Freundin vor zehn Jahren alleine betreibt, wichtig – auch wenn ihm das viel Arbeit beschert: „Mittlerweile bekomme ich 600 Bewerbungen im Jahr“, erzählt er. „Ganz ehrlich: Da ist auch viel Mist dabei.“

Ralf Krüger lacht. Er kam selbst erst über Umwege zur Kunst, ging mit 16 von der Schule ab, arbeitete einige Jahre beim Bundesgrenzschutz, machte archäologische Ausgrabungen, zwischendurch „so Punk-Quatschkram“ und landete schließlich bei einem Schallplattenlabel, das ihn für die Rockplakate begeisterte. „Ich bin in die Kunstwelt reingestolpert“, meint er achselzuckend. „Seitdem habe ich mich immer weiterentwickelt.“
Statt sich Theorie anzulesen, knüpfte er Kontakte zu Künstlern aus aller Welt, blieb immer neugierig, stellt bis heute die unterschiedlichsten Werke aus. Egal ob figurative Malerei oder wüste Installationen – mal sei es die Idee, die aus einem Bild spreche, mal sei es eine unbändige Kraft, die ihn bei einer Zeichnung fasziniere. „Hauptsache, ein Werk gefällt mir“, sagt er. „Punkt.“

Im Februar zeigt sich die Vielfalt seiner Galerie bei einer Gruppenausstellung von gleich sieben Künstlern, darunter Klaus Waschk, ehemals Kunst-Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Unter dem Namen „Hold The Line“ zeigt zum Beispiel Ellen Sturm figürliche Plastiken, Christian Hahn irreale Bilderwelten und Eiko Borcherding feine Zeichnungen. Zu sehen sind die Werke im neuen Standort der Galerie in der Neustadt. „Endlich mehr Platz“, freut sich Ralf Krüger über die Verdreifachung seiner Ausstellungsfläche. Auch wenn ihm der Umzug noch in den Knochen steckt: „Ich kann nur jedem raten, der wie ich gleichzeitig mit Wohnung und Laden umziehen will: Mach es nicht!“

Text: Maren Albertsen
Foto: Hannah Schuh

Feinkunst Krüger: Kohlhöfen 8, Telefon 31 79 21 58, www.feinkunst-krueger.de

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