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15. Geburtstag

Happy Birthday, Mitternachtsbus

4. November 2011 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Mitternachtsbus feiert seinen 15. Geburtstag. Nacht für Nacht fahren Ehrenamtliche durch Hamburg und bringen Obdachlosen an ihren Schlafplätzen Getränke, Essen und Decken. So erreichen sie auch die, die sonst keine Hilfe annehmen mögen.

Licht in der Nacht: der Mitternachtsbus des Diakonischen Werkes. Foto: Philipp Reiss

Seit 15 Jahren fährt der Mitternachtsbus der Diakonie durchs abendliche Hamburg – überall dahin, wo Obdachlose sind. Für sie gibt es im Bus heiße Getränke und belegte Brötchen, Schlafsäcke und Wolldecken: Überlebenshilfe für die, die auf der Straße leben.

Fast 5000 Fahrten hat der Mitternachtsbus seit November 1996 schon hinter sich – denn eine Pause gönnen die Ehrenamtlichen, die ihn fahren und ihre Gäste versorgen nicht: Sie kommen jede einzelne Nacht. „Ich sag immer, wir sind zuverlässig, aber nicht pünktlich“, sagt Hans Jakob. Der 75-Jährige ist als Ehrenamtlicher seit der ersten Fahrt dabei und hat schon viel erlebt. „Man weiß ja nie, was einen unterwegs aufhält.“ Mal kommen viel mehr Gäste als gedacht, mal wird ein Extrastopp eingelegt. Denn der Mitternachtsbus fährt nicht nur prominente Stellen wie die Mönckebergstraße oder den Altonaer Bahnhof an, sondern hält auch, wenn dem Team unterwegs eine einzelne Person auffällt, die zum Beispiel in einem Hauseingang liegt.

Besonders aufmerksam halten die Ehrenamtlichen ihre Augen jetzt im Winter offen. „Wir haben auch eine Funktion als Erfrierungsschutz“, sagt Sonja Norgall, Projektleiterin vom Mitternachtsbus. „Wir achten darauf, ob die Obdachlosen ausreichend warm gekleidet sind und anständige Schlafsäcke. Oder ob vielleicht jemand stark alkoholisiert ist und droht, zu erfrieren, ohne es zu merken.“ Immer wieder weist das Mitternachtsbus-Team auch auf weitergehende Hilfeangebote hin: das Diakonie-Zentrum für Wohnungslose in der Bundesstraße oder die Anlaufstellen im Winternotprogramm.

Aus Spenden finanziert, von Ehrenamtlichen gestemmt

Doch nicht jeder kann oder will solche Angebote annehmen. Das gehört zu der schmerzhaften Seite der ehrenamtlichen Arbeit von Hans Jakob: Manchmal nicht mehr helfen zu können als mit einem Becher Kaffee und einem Wurstbrötchen. Einen Gast, erzählt Hans Jakob kennt er seit 15 Jahren. „Doch ich bin nie an den Mann rangekommen“, sagt Jakob. Zu sehen, wie es dem Obdachlosen auch geistig immer schlechter gehe, das tut dem Rentner weh.

Rund 150 Obdachlose kommen im Sommer jede Nacht an den Mitternachtsbus. „Mit dem Start des Winternotprogramms halbiert sich die Zahl der Gäste“, sagt Projektleiterin Sonja Norgall. Die Fahrten des Mitternachtsbusses, sowie Getränke, Essen, Schlafsäcke, Decken und Kleidung, werden ausschließlich aus Spenden finanziert. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht, weswegen. An freiwilligen Helfern mangelt es dagegen nicht: Mehr als 140 Ehrenamtliche engagieren sich. Sie sind abwechselnd an Bord bei der Fahrt durchs nächtliche Hamburg – überall dorthin, wo sie gebraucht werden. BEB

Feier: 15 Jahre Mitternachtsbus und Tag der offenen Tür im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose, Montag, 7. November, 16.30 Uhr bis 19 Uhr. Ehrenamtlich erzählen von ihren Erlebnissen, es gibt Apfelpunsch und Apfelkuchen, eine Lesung und Musik. Alle Nachbarn, Freunde und Interessierte sind herzlich eingeladen!

Lesen Sie auch: Happy Hour auf Platte: Für unsere Jugendausgabe im Februar 2008 sind zwei Redakteurinnen mit dem Mitternachtsbus auf Tour gewesen.

Ein Kommentar
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  1. Wer die Erfindung des Mitternachtsbusses mit erlebt hat (wie ich), der weiß was man in der Diakonie erfunden hat. Das dies schon so lange her ist, kann ich auch nicht mehr kontrollieren. Denn die meisten guten Endscheidungen in der Ideenwerkstatt in der Diakonie habe ich ja nur im Kopf, und kaum schriftlich als Kopie erhalten !! Aber das dies so notwendig wird, hätten wir da mals auch nicht gedacht. Der Mitternachtsbus, ist mehr als nur ein Bus, er ist eine Art überlebens Untersützung geworden, wenn die Obdach – so wie Wohnungslosen in dieser Stadt draußen sind. Das manche keine Hilfe wollen, warum auch immer, aber doch ab und zu mal zum Mitternachtsbus kommen, ist doch für uns alle der Beweiß, das man richtig gehandelt hat. Bis zum 07.11. ist zwar lange hin, aber wenn man kann, geht man da hin.

    In diesem Sinn, immer was zu essen im Bus,
    zu trinken, immer genug Benzin an Bord, und
    immer das, was man hat, wo nach gefragt wird.

    Erich Heeder – Stadtteilkünstler & HINZ&KUNZT VERKÄUFER

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