Hamburg-Paninialbum: „In ist, wer drin ist“

Ganz Hamburg in 216 Bildern: Im neuesten Paninialbum tauscht, sammelt und klebt die Hansestadt sich selbst

(aus Hinz&Kunzt 201/November 2009)

Wer Panini hört, denkt an: kaufen, aufreißen, kleben, tauschen, verhandeln, horten, suchen, schenken – und liegt damit auch beim neuen Heft „Hamburg sammelt Hamburg“ richtig.
Die Grundidee ist bekannt: Mit Klebebildchen füllt man eine Art Fotoalbum. Von Fußballspielern, Weltmeisterteams oder der Deutschen Bundesliga kennt das fast jeder. Panini ist Kult, seit der italienische Verlag 1961 das erste Sammelheft für Klebebildchen italienischer Fußballspieler herausbrachte. Mittlerweile gibt es Alben für Welt- und Europameisterschaften, die Deutsche Bundesliga, Comicserien wie Batman, Filme wie Harry Potter und Spielzeugreihen wie Barbie.
201-PaniniNeu ist: Hansestädter sammeln Hamburg. Die Sticker zeigen nicht nur Personen, sondern auch Ausflugsziele und Wahrzeichen der Stadt. Die 16 Kapitel des Albums, darunter „Hamburger Legenden“, „Stein auf Stein“, „St. Paulianer“ und „Hallo Hagenbeck“, nennen sich „Welten“ und zeigen, was Hamburg ausmacht. Auch Hinz&Kunzt mit seinem etwas anderen Stadtrundgang „Nebenschauplätze“ ist dabei.
„In ist, wer drin ist“, sagt Oliver Wurm. „In 216 Aufklebern bekommt man alles, was Hamburg zur schönsten Stadt der Welt macht“, verspricht Alexander Böker. Die beiden haben „Hamburg sammelt Hamburg“ erfunden und auf die Beine gestellt. „Die Idee entstand beim Eisessen am Jungfernstieg“, sagt Wurm. „Im Frühling dieses Jahres.“ Gedacht, getan.
Alexander Böker (37) war Chefredakteur der Marke „Max“ und entwickelte unter anderem das Lifestyle-Magazin „Ivy“. Oliver Wurm ist freier Journalist und Medienberater, entwickelte und leitete das Fußball-Lifestyle-Magazin „Player“ und ist Beirat bei Hinz&Kunzt. Im vergangenen Jahr gewann er den „Goldenen Prometheus“ für den Coup des Jahres, die Fußball-EM-Beilage in der Hinz&Kunzt-Ausgabe im Juni 2008.
Doch selbst die beiden gut vernetzten Medienmacher kostete es mehr als ein paar Anrufe, das Album voll zu kriegen. „Wir mussten von jedem einzelnen die Persönlichkeitsrechte einholen“, sagt Oliver Wurm. Eine Zitterpartie: „Wir wussten, wenn zum Beispiel Helmut Schmidt nicht mitmacht, wird das Album unglaubwürdig.“ Doch Helmut Schmidt schickte einen Brief, dass er sich freue, dabei zu sein. Auch Kultmusiker Udo Lindenberg ließ sich überzeugen. „Dem habe ich erst mal erklärt, wie das mit den Stickern und dem Album funktioniert. Als ihm klar wurde, dass er dann vielleicht in einem Tütchen mit Heidi Kabel liegt, fand er die Idee cool.“ Böker und Wurm warben offen um bekannte Gesichter. „Wir haben zum Beispiel Günter Netzer darauf aufmerksam gemacht, dass er womöglich gegen den kleinen Hagenbeck-Elefanten oder eine Nivea-Dose getauscht wird.“ Netzers Antwort: „Es wäre mir eine Ehre.“
Über die Zusagen ihrer „Leuchttürme“ haben Böker und Wurm sich besonders gefreut: „Wenn du erst mal ein paar ganz Große überzeugt hast, tun sich die anderen viel leichter.“ In den Sammelwelten der Musikanten, TV-Stars und Sportler hätten die Albummacher sogar noch viel mehr bekannte Gesichter kriegen können. „Der ein oder andere hat schon nachgehakt, als sich die Sache herumsprach und noch keine Anfrage auf seinem Tisch lag“, sagt Oliver Wurm.
Spannend finden die Album-Macher die Frage, wer mitsammelt, -klebt und -tauscht. Erwachsene oder Kinder? „Im besten Fall junge Familien“, sagt Alexander Böker, der selbst mit seinen Kindern Hamburg sammeln will. „Das ist jetzt schon Kult“, prophezeit Frank Zomerdijk, Chef von Panini Deutschland. Böker und Wurm wollen die „Hamburg sammelt Hamburg“-Idee bald auch in anderen Städten umsetzen. Es wird „Köln sammelt Köln“ geben und „München sammelt München“ ist geplant. Aber Hamburg ist Vorreiter. „So was kann nur funktionieren, wenn die Menschen ihre Stadt so lieben, wie die Hamburger es tun“, sagt Oliver Wurm.
Zur Zusammenarbeit mit Panini kam es nicht nur, weil der Verlag das Synonym für Klebebildchenalben ist: „Im Paniniwerk in Modena gibt es Maschinen, die die Bilder so in Tütchen abpacken können, dass kein Bild doppelt in einem vorkommt. Das konnte uns keine norddeutsche Druckerei bieten.“
Übrigens: „Es gibt keine künstliche Verknappung einzelner Motive“, sagt Oliver Wurm. Jeder der 216 Sticker kommt gleich oft vor, auch die Glitzersticker mit Hans Albers, Judith Rakers, Jan Delay und anderen, und auch die vier Teile des Monster-Puzzle-Stickers Elbphilharmonie. Auch Oliver Wurms Lieblingsaufkleber, der mit Nicht-Hamburger und FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß. Was der im Hamburg-Album zu suchen hat? Lesen Sie’s nach. Denn die Mini-Infos zu jedem Motiv enthalten interessante Fakten. Mit denen kann das Stickeralbum auch Ur-Hamburger noch überraschen. Oder wissen Sie, wie viele Fenster das Chilehaus hat? Beatrice Blank

„Hamburg sammelt Hamburg“ gibt es seit dem 27. Oktober bei rund 1500 Hamburger Kiosken und Zeitschriftenläden und den Filialen der Drogerie Budnikowsky. Das Album kostet einen Euro, ein Tütchen mit fünf Aufklebern 50 Cent. Wer das Album vollgesammelt hat, wird belohnt: Es wird zum Gutscheinbuch, zum Beispiel für kostenlosen Eintritt ins Hamburg Dungeon oder eine Hafenrundfahrt. Teile der Erlöse der Stickertütchen gehen an Hinz&Kunzt.

Text: Beatrice Blank

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