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Transfair-Siegel

Hamburg bleibt „fair“

27. Mai 2013 | Von | Kategorie: Nachrichten

Kaffee, der von gerecht bezahlten Helfern geerntet wurde, bei der Bürgerschaftssitzung und ohne Kinderarbeit gemachte Schokoriegel am Schulkiosk: Mit dem Einsatz von fairen Produkten hat sich Hamburg den Titel „Fairtrade-Stadt“ verdient. Jetzt wurde die Auszeichnung erneuert.

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Kathrin Bremer von Transfair übergibt Staatsrat Wolfgang Schmidt zum zweiten Mal die Auszeichnung „Fairtrade-Stadt“ für Hamburg

Hamburg wird zwei weitere Jahre den Titel „Fairtrade-Stadt“ tragen. Die Auszeichnung von der Organisation Transfair nahm der Hamburger Staatsrat für auswärtige Angelegenheiten, Wolfgang Schmidt, am Montag entgegen.

Hamburg ist seit Mai 2011 „Fair Trade Stadt“. In Deutschland gibt es 150 Gemeinde, Orte und Kreise, die sich so nennen dürfen. Weltweit erfüllen mehr als 1300 Städte die fünf Kriterien (siehe unten) internationaler Fairhandelsorganisationen. Transfair zeichnet in Deutschland Städte aus, die mit der Verwendung fair gehandelter Produkte „ein konkretes Zeichen für eine gerechtere Welt“ setzen.

Schon bei der ersten Verleihung vor zwei Jahren kritisierte das Eine-Welt-Netzwerk Hamburg, dass das Siegel zu einfach zu bekommen sei. Seitdem wurden die Kriterien nicht verschärft. Das liegt laut Kathrin Bremer, bei Transfair zuständig für die Kampagne Fairtrade-Towns, daran, dass das Siegel „international vergleichbar bleiben“ müsse. „Wir sind aber froh und dankbar, dass viele deutsche Städte mehr als vorgeschrieben machen.“

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Mit dem Einsatz fair gehandelter Produkte sollen die „Fairtrade-Städte“ Zeichen für eine gerechtere Welt setzen.

Insbesondere von Hamburg, der größten deutschen Fairtrade-Stadt, sei sie begeistert: „Hier werden die Kriterien übererfüllt.“ Mit 500 Einzelhändlern und 220 Gastronomien böten fast doppelt so viele Betriebe fair gehandelte Produkte an, wie es der Anforderungskatalog verlange. Zudem sei das Netzwerk aus Unterstützern „sehr breit ausgestellt, mit Vertretern auch aus der Wirtschaft“. Hamburg hat zudem die größte Dichte von Lizenznehmern des Transfairsiegels für fair hergestellte und gehandelte Produkte: Von den Limonadenmachern von Lemon Aid über Kafeekönig Darboven bis zum Bananenimporteur. Aus Hamburg stammt auch eine Idee, die schon Nachahmer in ganz Deutschland hat: Die Kampagne „Hamburg mal fair“, die es seit 2006 gibt, vertreibt einen Apfel-Mango-Saft, der mit Mangopüree von den Philippinen und Äpfeln von norddeutschen Streuobstwiesen hergestellt wird.

Lisa Speck, die die Fairtrade-Aktivitäten der Stadt koordiniert,
blickt positiv auf die vergangenen zwei Jahre zurück. Konkrete zahlen gebe es nicht, aber sowohl die Zahl der Akteure als auch die Akkzeptanz unter den Bürgern habe zugenommen. „Das kann allerdings auch an einem allgemeinen Trend liegen“. Was die zwei Jahre als Fairtrade-Stadt in Sachen fairer Handeln in Hamburg bewirkt haben, soll zum Start der nächsten fairen Woche im September mit der Erhebung von Umsatzzahlen im September getestet werden.

Eine Vision hat die Projektkoordinatorin noch: Dass die nächste Anschlussauszeichnung in zwei Jahren vom Ersten Bürgermeister entgegen genommen wird. Bisher sind alle Fairtrade-Aktivitäten der Stadt bei der Senatskanzlei für auswärtige Angelegenheiten angesiedelt. Lisa Speck wünscht sich, dass das Projekt direkt an die Stadt übergeben wird und so „aus der Nische der Entwicklungspolitik herauskommt“.

Text und Foto: BEB

Die fünf Kriterien auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt (ausführlicher unter www.fairtrade-towns.de)

1. Es liegt ein Beschluss der Kommune vor, dass bei Sitzungen im Rathaus ausschließlich Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres faires Produkt (zum Beispiel Süßigkeiten) angeboten werden. In Hamburg gibt es so einen Beschluss nicht nur für alle Veranstaltungen im Rathaus. Es haben auch fünf von sieben Bezirken solche Beschlüsse verabschiedet.

2. Es gibt eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die die Aktivitäten koordiniert und aus Vertretern der Stadt, aus Wirtschaft, Medien und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Kirchengemeinden, besteht.

3. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fair Trade-Produkte ausgeschenkt (jeweils mindestens zwei Fair Trade-Produkte). Wie viele das sein müssen, wird nach einem bestimmten Schlüssel ausgerechnet. Für Hamburg liegt die Mindestanforderung bei rund 230 Einzelhändlern und 120 Gastronomiebetrieben. Diese Zahl wird mit tatsächlich 500 Einzelhändlern und 220 Gastronomiebetrieben weit übertroffen. Wo Sie fair einkaufen oder fairen Kaffee trinken können, sehen Sie auf einer Karte unter www.fairtradestadt-hamburg.de

4. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair Trade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt. In Hamburg sind mehrere Dutzend Kirchengemeinden beteiligt. Und zuletzt wurden fünf Schulkioske auf faire produkte umgestellt.

5. Die Aktivitäten zu Fairtradestadt werden so aufbereitet, dass Medien darüber berichten.

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