Gut, Mensch!

Auszeichnung für einen Polizisten

Selbst der motivierteste Mensch braucht hin und wieder Anerkennung. Deshalb verleiht Hinz & Kunzt jetzt zweimal jährlich den „Gut, Mensch!“ für außergewöhnliches soziales Engagement. Erster Preisträger ist der Bürgernahe Beamte Peter Stapelfeldt.

(aus Hinz&Kunzt 117/November 2002)

Als wir im Mai den Max-Brauer-Preis bekamen und wochenlang auf Wolke sieben schwebten, wurde die Idee geboren: Wir wollen selbst Menschen ehren, die sich für andere engagieren. Vorschlagsberechtigt ist jeder Leser oder Verkäufer. Die Qual der Wahl hat dann der Beirat. H&K-Herausgeberin Annegrethe Stoltenberg verleiht die Auszeichnung. Geld gibt’s nicht, dafür eine kleine Anstecknadel – ein Mini-Stein aus hellgrauem Granit auf einer kleinen Silberplatte.

Natürlich ist es immer schwierig, aus einer Vielzahl von engagierten Menschen einen auszusuchen. Da gibt es etwa das 16-jährige Mädchen aus Osdorf, das eine alte Frau beherzt aus ihrer brennenden Wohnung gerettet hat. Oder die ältere Dame, die jeden Monat aus Schenefeld in die Innenstadt reist, um – anonym – Briefumschläge mit etwas Geld für Verkäufer abzugeben. Oder die vielen Ehrenamtlichen, die auf Hamburgs Straßen und in Suppenküchen den Armen beistehen.

Doch die Wahl fiel diesmal auf einen Polizisten – für ein Obdachlosenprojekt sicher außergewöhnlich. Der Beirat entschied sich für den Bürgernahen Beamten der City, Peter Stapelfeldt. Vor allem deswegen, weil sich gerade die Obdachlosen in „seinem“ Revier für den 55-jährigen Hauptkommissar stark gemacht hatten.

„So einen wie ihn gibt’s nur einmal!“, sagt Norbert, der in der City Platte macht. „Er ist etwas ganz Besonderes!“, sagt Fred. Er und seine Kumpels trafen sich bei Hinz & Kunzt, um zu erzählen, was sie alles mit „unserem City-Grünling“ erlebt haben. Viele BüNaBes habe er in seinem Leben draußen kennen gelernt, sagt Stefan (27), aber so einen habe er noch nicht erlebt: Der Mann versuche immer zu helfen. „Mit Hotte ist er zum Sozialamt gegangen und hat ihm geholfen, neue Papiere zu bekommen“, so Stefan. „Einen anderen, der seine Papiere verloren hatte, begleitete er zur Bank und sorgte dafür, dass er an sein Geld kommt“, erzählt Elke. Stapelfeldt sei es gewesen, der sich dafür eingesetzt habe, dass in der City ein Dixieklo und ein Container für Gepäck aufgestellt worden seien, sagt Spinne.

Als Stefan neu in die City kam, stellte sich Stapelfeldt sogar bei ihm vor. „Mit Handschlag!“ Dann allerdings fügte der Hauptkommissar hinzu: „Wenn du hier Scheiße baust, erfahr ichs als erster. Also, sags mir lieber gleich.“ Denn „ein Weichei“ ist Stapelfeldt nicht. „Der redet Hochdeutsch!“, sagt Tommy anerkennend. Und damit meint er nicht nur, dass Stapelfeldt die deftige Ausdrucksweise beherrscht. Wenn er beispielsweise einem seiner Kunden auf den Kopf zusagt, dass er „breit wie ein Biberschwanz“ sei. Nein, Hochdeutsch, das geht noch anders: Neulich, da hat Tommy mal wieder einen über den Durst getrunken und ordentlich Randale gemacht. Stapelfeldt sei gekommen und habe gesagt: „Wenn du so weitermachst, fährst du Taxi.“ „Da wusste ich Bescheid“, sagt Tommy. „Taxi – das heißt nur eins: ein paar Stunden in den Knast.“ Also beschloss er: „Klappe halten.“
Bei einer anderen „Party“ hatten die Männer und Frauen am Mönckebrunnen sich „ziemlich doll ausgebreitet“, Passanten wurden schon sauer. Der BüNaBe rückte an, „sagte nur ganz cool: ,Alles, was um die Bänke herum liegt, wird in zwei Minuten beschlagnahmt – und weggeschmissen.'“ Und schwuppdiwupp – in weniger als zwei Minuten hatten die Partygäste aufgeräumt.

„Wenn du ihn nicht belügst oder verarschst, ist er immer fair und ehrlich zu dir“, sagt Norbert. Eine Erfahrung, die die meisten Obdachlosen in ihrem Leben selten gemacht haben. „Der Mensch steht bei ihm im Mittelpunkt“, fügt Norbert hinzu. „Er gibt einem immer eine Chance.“ Gerade neulich, da verbrachte der 33-Jährige wieder geraume Zeit hinter Gittern. Als er rauskam, musste er zweimal die Woche zur Bewährungshilfe. Immer wieder sei Peter Stapelfeldt zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, wie es mit der Bewährungshilfe laufe. „Aber der wollte mich nicht kontrollieren, den hat das wirklich interessiert.“ Und in einer Sache ist sich Norbert ganz sicher: „Wenn ich nicht hingegangen wäre – der hätte mich eigenhändig hingebracht.“

Die Obdachlosen aus der City haben auch einiges gelernt von ihrem „City-Grünling“: Verantwortung beispielsweise. Norbert leint seinen Hund jetzt immer an – „meistens jedenfalls“, räumt er nach einigem Zögern ein. „Wir können nicht einfach Müll hinterlassen und rumkrakeelen, das stört ja auch die anderen“, sagt Elke. Vor Peter Stapelfeldt ist es ihr und den anderen „schon peinlich“, wenn ihr Platz mal wieder voll liegt mit Bierdosen. „Wir haben uns Müllsäcke besorgt und den Kram freiwillig eingesammelt.“

Übrigens: Nicht nur bei den Obdachlosen genießt der Hauptkommissar mit den drei Sternen Sympathie und Respekt: „Peter Stapelfeldt ist ein Mensch, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und es dennoch versteht, sich bei seinen Kunden den nötigen Respekt zu verschaffen“, sagt City-Manager Henning Albers, der immerhin die Geschäftsleute in der Innenstadt repräsentiert. „Wenn es so etwas wie eine Traumbesetzung gibt, dann ist es die mit Peter Stapelfeldt als Bürgernahem Beamten in der City.“ Dem können wir Hinz & Künztler nichts mehr hinzufügen.

Birgit Müller

Zur Person: Hauptkommissar Peter Stapelfeldt ist seit 1973 auf dem Polizeirevier 12. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nicht immer sei er so sozial eingestellt gewesen, räumt der 55-Jährige ein. Erst mit seiner Tätigkeit als Bürgernaher Beamter habe er die Menschen in seinem Revier besser kennen gelernt, die Armen wie die Reichen.

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