Diakonie gegen Wohnungsnot

Gruseln gegen Wohnungsnot

Willkommen im „Hamburger Wohn-Horror“! Bei einer Rundtour durch ein Fahrgeschäft in Geisterbahnoptik erleben Kirchentagsbesucher, wie extrem schwierig die Suche nach den eigenen vier Wänden ist – besonders, wenn man nicht so viel Geld für Miete zahlen kann.

Wohn-Horror-Thema
Schüler der Theatergruppe Gogreen zeigen die so genannten Stigmakarten Wohnungssuchender. Die Kunstaktion von Andreas Schön und Mathias Berthold im Auftrag der Diakonie Hamburg findet vom 2.-4. Mai beim Kirchentag statt.

Stigma- statt Eintrittskarte: Für eine Gruselfahrt durch Hamburgs Wohnungsmarkt brauchen Besucher starke Nerven – und ein eingeschweißtes Plastikschild um den Hals. Darauf die wichtigsten Fakten zur Person, in dessen Rolle man für die Tour schlüpft: Studentin ohne Einkommen? Hartz-IV-Empfänger? Oder vielleicht schon seit Jahren obdachlos? Na dann viel Erfolg! Und Vorhang auf – für  ein kleines bisschen Horrorshow.

Mit der Stigmakarte vor der Brust geht es nämlich direkt hinein in den „Hamburger Wohn-Horror“, ein improvisiertes Fahrgeschäft in Geisterbahnoptik auf dem Jungfernstieg. Im Rahmen des Kirchentags kann hier jeder vom 2. bis 4. Mai erleben, wie schwierig die Suche nach den eigenen vier Wänden ist – besonders bei knapper Kasse. In Zweiergruppen geht es durch einen 300 Quadratmeter großen Parcours zu Stationen, die viele Wohnungslose aus der Realität kennen: Überfüllte Notunterkünfte, Jobcenter- und SAGA-Büros mit grantigen Behördenmenschen, Massenandrang bei Wohnungsbesichtigungen. Jugendliche Schauspieler der Theatergruppe „Gogreen“ stellen dabei typische Szenen nach, schimpfen und erniedrigen da auch schon mal munter drauf los. Als Fortbewegungsmittel für die rund 15-minütige Odyssee dienen ausrangierte Einkaufswagen – wer schiebt und wer sitzt, das entscheidet jedes Besucherteam selbst. „Eine Bimmelbahn wäre natürlich bequemer“, sagt Andreas Schön und lacht. „Aber darum ging es uns ja nicht.“

Der Künstler hat das aufwendige Projekt zusammen mit seinem Kollegen Matthias Berthold im Auftrag der Diakonie entwickelt. Allein die Fassade mit dem „Monster-Tor zur Welt“ misst 4,5 mal 12 Meter und wurde gemeinsam mit den Künstlern Eva und Klaus Salzmann gestaltet. „Wohnungsnot ist ein Schwerpunktthema der Diakonie auf dem Kirchentag“, erklärt Andreas Schön. Passend zum Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“ soll gezeigt werden, dass längst nicht alle haben, soviel sie brauchen. „Mit unserem Fahrgeschäft wollen wir nun vor allem jüngere Besucher ansprechen und ihnen die Lage von Wohnungslosen verdeutlichen.“

Für ein möglichst realistisches Abbild stimmte er die Inhalte mit Sozialarbeitern und Fachleuten der Diakonie ab, fragte nach deren Erfahrungen in den Einrichtungen für Obdachlose. Gleichzeitig will er den Schauspielern auch Freiraum zum Improvisieren lassen: „Wir sind hier ja kein Heimatmuseum.“ Wichtiger ist ihm „action mit Mehrwert“: Dass das Publikum gepackt wird und beim Gruseln auch ins Grübeln kommt. „Natürlich sollen die Besucher Spaß haben bei der Rundfahrt“, sagt er. „Aber hinterher sollen sie außerdem mit dem Gefühl rausgehen: Die Situation von Wohnungslosen ist dramatisch, das muss sich schnell ändern.“

Text: Maren Albertsen
Foto: Diakonie Hamburg

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Kunstprojekt: „Hamburger Wohn-Horror“: 2.-4.5. auf dem Jungfernstieg, jeweils 10.30-18 Uhr

Mehr Tipps für Kirchentagsbesucher

„Stoppt den Wohnungsnot-Horror: 2000 Fotos für 2000 Wohnungen für Wohnungslose.“ Fotowand mit Gruselhintergrund auf dem Jungfernstieg, 2.-4.5., jeweils 10.30-18 Uhr

„Hamburg in den Bildern wohnungsloser Fotografen“, 2.-15.5., Mo-Fr 11-16 Uhr, Diakoniezentrum für Wohnungslose, Bundesstraße 101

„Nicht lange reden – tun!“ Jugendliche renovieren Kirchenkaten für Obdachlose, Thomas-Kirchengemeinde in Hausbruch, Lange Striepen 3, 2.-4.5., jeweils 10.30-18 Uhr; LilaLinie: Mit den Bussen der Diakonie im 15-Minuten-Takt kostenlos zu den Haltestellen Gänsemarkt, Jungfernstieg, Landungsbrücken, während der Fahrt gibt’s Infos zu Hamburg, dem Kirchentag und der Diakonie, 2.-4.5., jeweils 10.30-18 Uhr; Infocamp auf dem Gänsemarkt zu sozialen Berufen

 

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