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Bücher über Armut

„Geheimtipp für Schulen und Leute“

22. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Nachrichten

Bücher berühren, die Schicksale darin schockieren, ihre Geschichten rütteln auf. Das wissen auch die Schüler der 8b vom Nils-Stensen-Gymnasium. Sie stellen ihre Lieblingsbücher über Obdachlosigkeit und andere soziale Probleme vor.

Morton Rhue:

Asphalt Tribe – Kinder der Straße

AsphaltTribe

Ravensburger Buchverlag, 222 Seiten, 6,95 Euro, ab 13 Jahren

„So dürft ihr nicht leben, sondern: Auch so ist das Leben.“ Mit dieser Botschaft des Jugendromans “Asphalt Tribe“ bringt Morton Rhue brutal, realistisch, ohne Übertreibung und Beschönigung dem Leser das Leben auf der Straße näher.

Maybe, alias Jesse, ist ein Mädchen, dem schon mit ihren 15 Jahren viel Unrecht und Demütigung widerfahren ist. Sie ist, wie viele andere aus ihrer Gang „Asphalt Tribe“ wegen Misshandlungen und Erniedrigungen von zu Hause abgehauen und versucht nun, auf den Straßen New Yorks zu überleben. Sie erzählt von dem harten Alltag, den ihre Gang mit Prostitution, Drogenabhängigkeit, Kälte, Hunger und die ständige Angst vor Misshandlungen durchlebt. Sie kämpfen jeden Tag auf´s Neue ums Überleben, jedoch gelingt dies nicht jedem aus der Gang. Obwohl sie meinen, sie seien zu einer richtigen Familie geworden, sind sie nur mit ihrer eigenen Lebenserhaltung und ihrem Untergang beschäftigt. So stirbt ein Mitglied nach dem anderen: an Alkoholvergiftung und an Tuberculose, Rainbow begeht Selbstmord, 2Moro wird erwürgt. Einige verlassen die Gruppe: Maggot wird von seinen Eltern abgeholt, Juwel von der Polizei mitgenommen. Am Ende sind nur noch Tears und Maybe übrig. Sie müssen sich nun alleine durchschlagen. Doch dies ist schwieriger als gedacht…

Mit dem oben angeführten Zitat möchte Morton Rhue signalisieren, dass man so nicht leben sollte, jedoch auch so etwas im Leben passieren kann. Dieses Buch ist ganz sicher nicht für jedermann geeignet, da diese direkte Art, wie Morton Rhue es geschrieben hat, sehr erschreckend, schockierend und glaubwürdig ist. Dieses Buch öffnet dem Leser die Augen und regt zum Nachdenken an, wie gut man es eigentlich hat. Man bekommt einen Einblick, wie es ist, auf der Straße ums Überleben zu kämpfen. Gerade durch diese direkte Art wird man gefesselt, dieses Buch weiter zu lesen. Es ist nicht zum Vergnügen, sondern zur Information und Veranschaulichung einer ganz anderen Welt, die parallel zu unserer existiert.

Eine Rezension von Annika Wittich und Leonie Leßmöllmann (Klasse 8b, NSG)

Delphine de Vigan

No & ich

NOundIchneu

Droemer Verlag, 256 S., 8,99 Euro

„Die Dinge sind, wie sie sind.“ Wenn wir die Wörter parat haben, sind wir dann erwachsen? So fragt die Autorin. Die Obdachlosen schlafen auf den kalten Böden in Paris in der Metro, auf schmutzigen Matratzen unter einer Brücke. Es gibt sehr viele obdachlose Menschen, landesweit. Immer mehr junge Frauen und Kinder sind von Obdachlosigkeit betroffen. Die französische Autorin Delphine de Vigan hat sie darüber Gedanken gemacht, hat viele obdachlose Frauen interviewt und hat die Figur No dabei entwickelt. Sie hat einen wundervollen ergreifenden Roman geschrieben.

No ist ein 18-jähriges Mädchen. Sie wird von ihrer Mutter verstoßen und landet auf der Straße. Sie ist schon in Pflegefamilien und Internaten gewesen, doch sie läuft immer wieder weg. Seitdem läuft sie durch die Straßen von Paris, auf der Suche nach einem Platz zu Schlafen und nach etwas zu essen. Sie weiß, dass sie aus diesem Teufelskreis nie wieder herauskommen wird. Dies änderte sich, als sie die 13-jährige Lou kennen lernt. Lou ist ein hochbegabtes Mädchen, das schon in der 11. Klasse ist. Sie hält ein Referat über Obdachlosigkeit. Sie weiß, dass man alles ändern kann, wenn man nur will. Das will sie auch No beweisen. Irgendwann nehmen Lous Eltern No in die Familie auf und sie bekommt einen Job in einem Hotel. Die zwei Mädchen freunden sich mit Lucas an, einem Jungen, der mit Lou in dieselbe Klasse geht. Die drei sind sich selbst überlassen. So werden sie auch erwachsen.

Delphine de Vigan hat das Buch in der Jugendsprache sehr schön geschrieben. Das Buch fesselt einen, weil es immer andere Situationen auf Lager hat, wodurch man erfahren möchte, wie es weiter geht. Das Buch zeigt auch das harte Leben auf der Straße, was sehr ergreifend ist.

Eine Rezension von Jessica Heinelt (Klasse 8b/NSG)

Mihareli Zimsek

Mit 18 mein Sturz – Mein Leben im Gefängnis

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Arena-Verlag, 156 S., 9,95 Euro

Das Buch handelt von Mihareli Zimsek, einem Jugendlichen ohne richtige Perspektive, der einen türkischen Migrationshintergrund hat. Mihareli lebt die meiste Zeit ein Leben ohne Hemmungen oder Pflichten und ist immer mit seinen Freunden unterwegs. Mihareli lässt sich von seinen Freunden immer weiter reinziehen in den Strudel von Spaß, Konsum und Gewalt. Mihareli stürzt immer weiter ab, bis er im Knast landet. Eigentlich war Mihareli ein intelligenter, schlauer und künstlerisch begabter Junge der aufs Gymnasium ging. Doch nun sitzt er im Knast.

Dieser Absturz, der Miharelis Leben immer noch sehr prägt, stellt eigentlich schon die Geschichte des Buches dar. Die Erzählstruktur wechselt zwischen augenzwinkernden lustigen Geschichten und harten Ereignissen. Das Buch ist in zwei Abschnitte aufgeteilt. Erstens gibt es den Abschnitt Drinnen. In diesem Teil erzählt er von seinen verschiedenen Erlebnissen im Knast: wie die sterbende Langeweile in der Zelle, die einen verrückt werden lässt, oder den kleinen Späßchen, die man sich jeden Tag erlaubt. Dann gibt es noch den Abschnitt Draußen, in dem er Stück für Stück von den Monaten vor seiner Verurteilung, seinem früheren Leben und seinen Freunden erzählt. Seine Freunde nehmen hier im Buch auch eine wichtige Rolle ein. Wie auch seine Blutsbrüderschaft zu seinem besten Freund Mahmut oder von den Gewaltexzessen seiner Freunde, die er ertragen muss. Seine Freundschaft zu ihnen ist stark an Ehre und Zusammenhalt geknüpft. Mihareli tut alles für seine Freunde, bis er am Ende sogar dafür in den Knast kommt. Es wird nämlich erst am Ende des Buches erzählt, wie es zum Totschlag kam. So entsteht ein Spannungsbogen, der einen motiviert weiter zu lesen.

Mit 18 mein Sturz ist ein gutes Buch, das von Jugendkriminalität und den daraus resultierenden Folgen handelt. Harte Schicksale und witzige Geschichten wechseln sich sehr gut ab und ein Spannungsbogen motiviert zum Weiterlesen. Die Erzählstruktur ist klar und direkt und die Aufteilung in Drinnen und Draußen in den jeweils 9. Kapiteln ist interessant. Meiner Meinung nach ist das Buch ein guter Lesestoff für Jugendliche und Kinder, um zu beschreiben, wie schnell man ohne eine richtige Perspektive und Freunde abstürzen kann, ohne gleichzeitig erschreckend oder angsteinflößend zu wirken. Ein guter Geheimtipp für Schulen und Leute, die schnell mal eine interessante Geschichte lesen wollen.

Das Buch wurde im Februar 2010 von dem Arena-Verlag herausgebracht. Mihareli Zimsek (Name geändert) ist der Autor. Außerdem half ihm der Co-Autor Daniel Oliver Bachmann bei der Fertigstellung des Buches. Dies ist auch zugleich das erste Buch der neuen Arena-Reihe ,,Mein Leben!“ Das Buch kann man in das Genre der Jugend- bzw. Schullektüren einordnen. Dieses Buch ist sozusagen ein Selbstporträt von Mihareli Zimsek, der sein Leben vor und in der Justizvollzugsanstalt beschreibt. Er wurde nämlich wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Eine Rezension von Max Halupczok (Klasse 8b/NSG)

Klaus Kordon

Ein Trümmersommer

Trümmersommer

Beltz & Gelberg, 208 S., 6,95 Euro

Kinderarmut und Hungernot – ist das ein Problem, dass nur die heutige Zeit betrifft? Nein, auch in der Vergangenheit litten Kinder unter Hunger und bitterer Armut. Wie war das früher? Aus den Erzählungen von Großeltern hatte ich schon einiges über die Nachkriegsjahre gehört. Und so interessierte mich das Buch „Ein Trümmersommer“ von Klaus Kordon besonders. Es beschreibt die Zeit um 1947 aus der Sicht von Kindern.

Die Hauptpersonen Pit und Eule besitzen nicht viel. Ihre Väter sind gefallen oder in Gefangenschaft So bleiben ihnen ihre Mütter und Geschwister. Wie ihre Väter kämpfen auch sie ums Überleben, allerdings ohne Waffen. Sie müssen hamstern gehen und verlieren dabei ihr letztes Hemd. Was ihnen in ihrer Freizeit bleibt, sind ihre Freunde. Zusammen gründen sie eine Organisation, um sich gegen die Besatzungsmächte zu wehren – ihr Führer ist Ballo. Ist doch ganz klar, dass Ballo der Führer ist, schließlich ist er ebenso entschlossen und zielstrebig wie sein Vater, der Nazi war. Doch als Ballo Pit und Eule sowie deren Freunde testen will, heißt es plötzlich fliehen – aber für manch einen ist es bereits zu spät…

Kordon spielt mit der Sichtweise der Charaktere. Mal beschreibt er den nach einem normalen Leben suchenden Fred, mal die verzweifelte Mutter von Pit. Jeder Charakter hat eine Eigenschaft, die er klar rüberbringt. Kordon hat mit „Ein Trümmersommer“ ein interessantes Buch geschrieben. Es geht um das Leid der Menschen nach dem Krieg – eigentlich eine alte Leier, aber mit einer etwas anderen Spannung. Erst gegen Ende schlägt das Buch ein neues Kapitel auf. Doch ob ihm der Bogen von informativ zu spannend gelungen ist, darüber kann man streiten. Es ist auf jeden Fall kein Buch, das man in einem Fluss ließt, denn zwischendurch muss man immer wieder mal darüber nachdenken, was der Autor überhaupt meint, aus wessen Sicht er gerade schreibt, was er überhaupt sagen will.

Insgesamt hat es dieses Buch verdient gelesen zu werden. Meine Altersempfehlung liegt bei 12 Jahren, wobei man es auch seinen Eltern in die Hand drücken könnte.

Eine Rezension von Finn-Jordan Max, Klasse 8b (NSG)

Um Leselust bei Kindern und Jugendlichen zu wecken und zu fördern, gibt es in Hamburg jedes Jahr das Lesefest Seiteneinsteiger. Vom 24. bis zum 30. Oktober gibt es in Hamburger Schulen und in der Stadt Lesungen, Workshops und vieles mehr rund um die Welt der bedruckten Seiten.

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