Wohnungskonzern Gagfah unter Druck

Knapp 9400 Wohnungen vermietet die Gagfah Group in Hamburg in Steilshoop, Wandsbek und Wilhelmsburg. Viele der Häuser sind marode.
Knapp 9400 Wohnungen vermietet die Gagfah Group in Hamburg in Steilshoop, Wandsbek und Wilhelmsburg. Viele der Häuser sind marode.

Der umstrittenen Gagfah Group laufen Medienberichten zufolge die Geldgeber weg.

Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS habe kürzlich ihre Gagfah-Papiere verkauft, berichtete die Financial Times Deutschland. Ein Sprecher der DWS wollte das weder bestätigen noch dementieren: „Über Käufe und Verkäufe des vergangenen Monats dürfen wir nichts sagen.“ Die Gagfah erklärte, der Vorgang sei für sie „nicht ersichtlich“, da die DWS nie mehr als fünf Prozent der Aktien gehalten habe. Somit tauche sie „nicht zwangsläufig“ im Aktienregister auf.

Der Wohnungskonzern vermietet bundesweit mehr als 165.000 Wohnungen, darunter knapp 9400 in Hamburg. Wie Hinz&Kunzt im Mai berichtete beklagen viele Mieter Schimmel in den Wohnungen und den insgesamt maroden Zustand der Häuser. Heizungen und Fahrstühle fallen aus, Briefkästen fehlen und der Putz fällt von den Wänden. Auch um die Häuser herum sieht es nicht besser aus: Spielplätze verrotten und wacklige Balkone werden mit bizarren Holzkonstruktionen abgestützt.

Bei Beschwerden würden Mieter hingehalten oder gleich ignoriert. Greifbar ist die Gagfah nicht mal für das Bezirksamt-Mitte, das für Wohnungen und Mieter in Wilhelmsburg zuständig ist: Mehrmals, zuerst im August 2009, zuletzt im März dieses Jahres, gingen Behördenmitarbeiter Beschwerden von Gagfah-Mietern in Wilhelmsburg nach. Zwei Mal, antwortete der Senat im April auf eine kleine Anfrage der Linken, haben Vertreter des Unternehmens Gesprächstermine mit dem Bezirk kurzfristig platzen lassen.

Anlass für Kritik bietet auch der Umgang der Gagfah mit einer Klage der Stadt Dresden. Dresden will eine Vertragsstrafe von rund einer Milliarde Euro gegen die Gagfah durchsetzen. Begründung: Sie habe sich nicht an vereinbarte Regeln zum Mieterschutz gehalten. Nach Bekanntwerden der Klage-Pläne hatte der Deutschland-Chef der Gagfah in einem Interview gedroht, wenn die Stadt klage, werde es zu einem „Blutbad“ kommen.

Text: UJO/BEB
Foto: Mauricio Bustamante

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